27. Oktober 2017 / 07:16 / in 23 Tagen

Großaktionär versenkt Milliarden-Fusion von Clariant

Zürich (Reuters) - Nach monatelangem Kräftemessen mit einem aggressiven Großaktionär gibt der Schweizer Spezialchemiekonzern Clariant auf.

CEO Hariolf Kottmann of Swiss chemical company Clariant addresses a news conference in Zurich, Switzerland May 22, 2017. REUTERS/Arnd Wiegmann

Clariant-Chef Hariolf Kottmann gab am Freitag dem Druck von White Tale nach und trug die geplante 20-Milliarden-Dollar-Fusion mit dem US-Rivalen Huntsman zu Grabe. Nach der schweren Niederlage will Kottmann vorerst alleine weitermachen. Doch Experten rechnen damit, dass Clariant nun zu einem Übernahmeziel wird oder zerschlagen werden könnte, Interesse an Teilen dürfte etwa die deutsche Evonik zeigen. Der Triumph von White Tale ist Händler zufolge das erste Mal, dass eine so große Transaktion in der Schweiz an der Opposition eines Aktivisten scheitert.

Anstoß für das Abblasen der Fusion war eine Aufstockung der Beteiligung von White Tale an Clariant. Die Schweizer Börse meldete am Freitag morgen, dass White Tale nun 20 Prozent halte und bestätigte damit einen Bericht der Nachrichtenagentur Reuters. Zudem hätten sich weitere Anleger hinter die Amerikaner geschart. Der Basler Konzern hätte die Zustimmung von zwei Dritteln der Clariant-Aktionäre benötigt, um die Transaktion in trockene Tücher zu bringen. Diese Hürde erwies sich nun als zu hoch. “Unter diesen Umständen und angesichts des hohen Maßes an Beeinträchtigung und Unsicherheit, das dadurch für beide Unternehmen entstanden ist, haben wir gemeinsam beschlossen, den Fusionsvertrag aufzuheben”, teilten die beiden Firmenlenker Kottmann und Peter Huntsman mit.

Clariant-Großaktionär White Tale hatte in der Vergangenheit wiederholt kritisiert, dass der Schweizer Konzern bei einem Zusammenschluss mit Huntsman zu niedrig bewertet werde. Zudem stellte er die industrielle Logik der Fusion in Frage. Der aktivistische Investor hatte stattdessen gefordert, dass die Sparte Plastics & Coatings verkauft werde.

An der Schweizer Börse reagierten die Anleger verschnupft, die Clariant-Aktien brachen um sechs Prozent ein.

ZWEITGRÖSSTER AKTIONÄR STELLT SICH HINTER KOTTMANN

Trotz der Niederlage macht Clariant mit dem bestehenden Management und Verwaltungsrat weiter. Kottmann, der als Architekt der Fusion gilt, will bei dem Konzern bleiben. Helfen dürfte ihm einem Experten zufolge, dass Clariant die im Fall einer abgebrochenen Transaktionen fällige Zahlung im dreistelligen Millionenbereich an Huntsman nicht leisten muss. Rückendeckung erhält Kottmann zudem von bayrischen Familien, die mit einem Anteil von rund 14 Prozent zweitgrößte Eigner des Unternehmens sind. “Clariant hat sich durch den langjährigen Einsatz von Hariolf Kottmann und seinem Team hervorragend entwickelt, und ist bestens aufgestellt, den erfolgreichen Kurs auch ohne den geplanten Zusammenschluss fortzusetzen”, erklärte ihr Vertreter Konstantin Winterstein.

HuntsmanClariant sollte der nach Evonik weltweit zweitgrößte Spezialchemiekonzern mit einem Umsatz von gut 13 Milliarden Dollar und 28.200 Mitarbeitern werden. Doch schon als Kottmann und Huntsman den Deal im Mai präsentierten, lösten sie keine Begeisterungsstürme aus. Analysten sprachen von einem Zusammenschluss, mit dem Clariant eine mögliche feindliche Übernahme vereiteln wollte. Auch in den folgenden Monaten gelang es den beiden nicht, genügend Anleger ins Boot zu holen, um die Transaktion zu retten. Anfang Oktober war dann klar, dass dem Deal Schiffbruch droht.

CLARIANT PRÜFT ALTERNATIVEN

Wie es nun weitergeht, ist unklar. Kottmann will Alternativen prüfen. “Clariant hatte und hat noch immer mehrere Optionen, um den Wert für die Aktionäre und die Stakeholder zu erhöhen”, sagte er. “Eine Fusion unter gleichen... ist eine Option, eine große transformative Transaktion ist eine andere Option, alleine weiterzumachen ist eine dritte Option.” Am Dienstag präsentieren die Schweizer ihre Geschäftszahlen für das dritte Quartal.

Deutlicher wird Baader Helvea-Analyst Markus Mayer: “Jetzt ist Clariant wieder das Übernahmeziel Nummer eins unter den europäischen Chemiefirmen.” In der Vergangenheit hatte der Experte etwa BASF oder Lanxess als Kaufanwärter genannt. Christian Faitz vom Broker Kepler Cheuvreux erwartet, dass der Druck auf eine Zerschlagung des Spezialchemiekonzerns wächst. Sollte Clariant zerlegt werden, dürfte etwa die Essener Evonik Teile davon anschauen, heißt es in Branchenkreisen. Die ganze Clariant wäre für Evonik aber zu groß.

Dass sich Aktivisten in der Chemiebranche tummeln, ist nicht neu. So drängten Fonds die US-Konzerne Dow und Du Pont zu einem Zusammenschluss. Ihr Jagdgebiet beschränkt sich aber keineswegs auf diesen Sektor. Allein in der Schweiz haben die Fonds etwa beim Nahrungsmittelriesen Nestle, beim Elektrokonzern ABB und bei der Großbank Credit Suisse für Unruhe gesorgt. Kottmann rechnet damit, dass das zunehmen wird. “Ich neige zu der Ansicht, dass das eine gefährliche Entwicklung für viele Firmen, Branchen und tausende von Arbeitsplätzen ist”, sagte der Deutsche. “Das ist nicht gesund für die Wirtschaft dieses Landes.”

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