Reuters logo
Credit Suisse geht mit neuem Gewinnziel in die Offensive
November 30, 2017 / 6:34 AM / in 16 days

Credit Suisse geht mit neuem Gewinnziel in die Offensive

Zürich (Reuters) - Noch vor Abschluss ihres tiefgreifenden Konzernumbaus schaltet die Credit Suisse auf Angriff.

The logo of Swiss bank Credit Suisse is seen at a branch in Winterthur, Switzerland November 2, 2017. REUTERS/Arnd Wiegmann

Statt wie von manchem erwartet die Prognosen erneut zu stutzen, rief Konzernchef Tidjane Thiam am Donnerstag neue mittelfristige Ziele aus, mit denen er Rivalen wie die Deutsche Bank überflügeln will. Bis 2020 peilt die zweitgrößte Schweizer Bank mit Hilfe weiterer Kostensenkungen und eines wachsenden Kerngeschäfts der Verwaltung von Privatvermögen eine Gewinnsteigerung auf mindestens fünf Milliarden Franken pro Jahr an. Zum Vergleich: In den ersten neun Monaten 2017 verdiente das Institut unter dem Strich 1,1 Milliarden Franken. Vom Gewinnsprung sollen die Aktionäre einen großen Anteil abbekommen.

Thiam zog auf dem Investorentag in London ein positives Zwischenfazit seines Ende 2015 gestarteten und auf drei Jahre angelegten Umbauprogramms: “Wir haben alle unseren großen Probleme abgehakt”, erklärte er. Der frühere Versicherungsmanager polsterte die Bilanz mit zwei milliardenschweren Kapitalerhöhungen auf, dampfte das riskante Investmentbanking ein und leitete die so freigewordenen Mittel in die stabilere Vermögensverwaltung um. Gleichzeitig drückte die Bank die Kosten um rund drei Milliarden Franken. “Wir mussten aufräumen”, erklärt Thiam. Als Folge der Sanierung verbuchte das Unternehmen 2015 und 2016 Verluste von insgesamt rund 5,6 Milliarden Franken.

Doch obwohl der Konzern im laufenden Jahr erstmals seit 2014 schwarze Zahlen schreiben dürfte, gibt sich Thiam nicht zufrieden. Die Gesamtausgaben von gegenwärtig rund 18 Milliarden Franken sollen bis 2020 auf 16,5 Milliarden bis 17 Milliarden Franken gesenkt werden. Kräftige Einsparungen erhofft sich die Credit Suisse etwa vom verstärkten Einsatz von Robotern. Die Bank stellte weitere Stellenkürzungen in Aussicht, ohne allerdings Zahlen zu nennen. Analysten schätzen, dass die Bank 2016 und 2017 insgesamt rund 13.000 Jobs abgebaut hat, ein großer Teil davon allerdings bei Zulieferern und Beratern.

CS WILL DIE HEUTIGEN ROCKEFELLERS ALS KUNDEN

Die Einsparungen sollen der Bank bis 2020 zu einem Gewinnsprung auf fünf bis 5,5 Milliarden Franken verhelfen. Dies entspricht einer Eigenkapitalrendite von elf bis zwölf Prozent, fast eine Verdreifachung des gegenwärtigen Werts. Weniger ambitioniert ist die Deutsche Bank. Die Frankfurter haben sich “langfristig” eine Rendite von rund zehn Prozent vorgenommen.

Den Schweizern kommt zu Gute, dass sie ihren Schwerpunkt auf andere Märkte gelegt haben. Statt auf das umkämpften deutsche Kleinkundengeschäft oder den heftig schwankenden Anleihenhandel setzt Credit Suisse vor allem auf reiche Privatkunden. Das sei der attraktivste Markt der ganzen Finanzdienstleistungsbranche, erklärte Thiam. “Der Grund ist einfach: Die Welt wird reicher.” Vor allem von den Schwellenländern verspricht sich Credit Suisse viel. Viele dieser Märkte seien zur Zeit in einem ähnlichen Stadium wie die USA in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Wie damals Andrew Carnegie oder John Rockefeller häuften Unternehmer in diesen Länder heute enorme Vermögen auf. “Wir wollen ihre Bank sein”, erklärte Thiam.

Bei den Wachstumsraten will der Ivorer die Rivalen hinter sich lassen. Dazu gehört auch die UBS, der strategische Vorreiter der Credit Suisse. Auch bei der Behandlung der Aktionäre verfolgen die beiden Unternehmen einen ähnlichen Kurs. Während die Schweizer Nummer eins bereits heute mindestens 50 Prozent ihres Nettogewinns ausschüttet, stelle die Credit Suisse 50 Prozent in Aussicht. Das liege etwas über den Erwartungen, erklärten die Analysten der Zürcher Kantonalbank. Befeuert von den Hoffnungen auf Sonderdividenden und Aktienrückkäufe legte der Aktienkurs um der Bank um vier Prozent zu.

Unklar ist, in welchem Umfang auch der Hedgefonds RBR Capital noch von diesem Anstieg profitiert. Angaben der Credit Suisse zufolge hat der kritische Aktionär ein Teil seines Aktienpakets von rund 100 Millionen Franken versilbert. RBR, der die Bank in drei Teile aufspalten will, widersprach dem postwendend und erklärte, keine Titel verkauft zu haben.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below