July 10, 2008 / 11:55 AM / 10 years ago

Novartis zahlt für Biotech-Firma Speedel stolzen Preis

Zürich (Reuters) - Novartis hat für die Übernahme des Biotech-Forschungspartners Speedel doppelt so viel auf den Tisch gelegt, wie das Unternehmen zuletzt an der Börse wert war.

Experten zufolge könnte sich der großzügige Deal aber trotzdem rechnen, da der Basler Pharmariese nun das als Nachfolger für sein Topseller-Medikament Diovan gehandelte Tekturna besser vermarkten kann.

Novartis hat nach Angaben vom Donnerstag einigen Großaktionären - unter anderem Speedel-Chefin Alice Huxley - für 907 Millionen Franken (knapp 600 Millionen Euro) ein 52 Prozent schweres Aktienpaket abgekauft und hält nun zusammen mit einer bereits bestehenden Beteiligung 61,4 Prozent an dem ebenfalls in Basel beheimateten Unternehmen. Novartis hat damit je Aktie 130 Franken berappt, ein Aufschlag von 94 Prozent im Vergleich zum Vortagesschlusskurs. Den noch ausstehenden Aktionären soll im Rahmen eines öffentlichen Kaufangebots genauso viel angeboten werden.

Novartis begründet seine Spendierlaune mit der interessanten Forschungspipeline Speedels für Herz-Kreislaufmedikamente wie dem blutdrucksenkenden Medikamemt Tekturna, das von der Biotech-Firma für Novartis entwickelt wurde. “Durch die Integration von Speedel in Novartis können wir die Entwicklung von Tekturna beschleunigen”, sagte Joseph Jimenez, Chef von Novartis Pharma. Tekturna könnte Branchenexperten zufolge auf einen Jahresumsatz von mehr als eine Milliarde Dollar kommen, womit es ein sogenannter Blockbuster wäre. Doch nachdem zur Premiere 2007 lediglich 40 Millionen Dollar in die Novartis-Kasse tröpfelten, warf Speedel dem großen Partner vor, Tekturna zu zaghaft zu vermarkten. Kepler-Pharmaanalystin Denise Anderson schätzt, dass Novartis dem eigenen Blutdruck-Mittel Diovan mit einem Jahresumsatz von fünf Milliarden Dollar keine Konkurrenz machen und auch die Lizenzzahlungen an Speedel vermeiden wollte. Allerdings läuft das Diovan-Patent 2012 aus, und günstigere Nachahmermedikamente (Generika) dürften den Umsatz dann auf einen Bruchteil drücken. Das in den USA als Rasilez zugelassene Tekturna könnte diese Lücke füllen, folgert Anderson.

Der Aufschlag von 94 Prozent liegt der Credit Suisse zufolge deutlich über der durchschnittlichen Akquisitionsprämie von 63 Prozent, die Pharmaunternehmen in vergangener Zeit für Biotech-Firmen bezahlt haben. Die Novarits-Aktien verloren bis Mittag in Zürich ein halbes Prozent, während die Speedel-Titel 92 Prozent auf 128,70 Franken hochschossen.

GENERIKA MACHEN BRANCHE ANGST

Vielen Pharmafirmen bereitet der Blick in die Zukunft wenig Freude. Während es zum einen immer teurer wird, neue Medikament zu erforschen und dann auch noch eine Zulassung dafür zu kriegen, warten Generika-Hersteller nur darauf, dass der Patentschutz nach 20 Jahren abläuft. Bei Novartis sind einer Studie von Morgan Stanley-Experte Paul Mann zufolge von 2011 bis 2015 sogar 35 Prozent des Umsatz durch die günstigeren Generika bedroht. Der Basler Pharmariese steuert gegen und erweitert seine Umsatzbasis, etwa durch die Übernahmen des Impfstoffherstellers Chiron oder des 39 Milliarden Dollar schweren Augenheilmittel-Herstellers Alcon-Kaufs.

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