July 11, 2011 / 3:38 PM / 9 years ago

Italien-Sorgen treiben Franken auf neue Rekordhöhe

Zürich (Reuters) - Die Angst, Italien könnte in den Strudel der Schuldenkrise gerissen werden, lässt neues Geld in den sicheren Hafen Schweizer Franken strömen.

Die Schweizer Währung zog am Montag gegenüber dem Euro kräftig an und erreichte mit Kursen knapp unter 1,17 Franken ein neues Rekordhoch. Am Freitag war die Einheitswährung noch bei über 1,19 Franken gehandelt worden. Der davorliegende Rekord datiert von 24. Juni als der Euro wegen der Griechenland-Unsicherheiten bis auf 1,1804 Franken gefallen war.

Als am Montag die Marke von 1,18 Franken nach unten durchbrochen wurde, kam es nach Händlerangaben zu aus Optionsgeschäften herrührenden Euro-Abgaben, die die Talfahrt beschleunigten. Devisenexperten der Zürcher Kantonalbank hielten ein weiteres Absacken des Euro bis auf 1,1585 Franken für möglich. Nach Ansicht eines Devisenexperten von ING könnte mit dem Ergebnis des Banken-Stresstest im Laufe der Woche die nächste Bewährungsprobe auf den Euro zukommen.

Der starke Franken - Touristen müssen inzwischen deutlich mehr als 85 Cent für einen Franken auf den Tisch legen - macht der Schweizer Industrie zunehmend Kopfzerbrechen. “Die Franken-Entwicklung ist eine große Belastung für unsere Wirtschaft”, sagte der Präsident der Schweizerische Nationalbank (SNB), Philipp Hildebrand, in einem Interview der “SonntagsZeitung”. Er gehe davon aus, dass in den nächsten Monaten bei den Exportfirmen “deutlich negative Spuren” sichtbar würden und es zu einer Abschwächung der gesamten Wirtschaft komme. Wegen des steigenden Frankenkurses müssen viele Schweizer Exporteure entweder im Ausland ihre Preise erhöhen oder tiefere Gewinne in Kauf nehmen, wenn sie ihren Umsatz halten wollen.

Die SNB hat keinen Einfluss auf den Verlauf der Euro-Schuldenkrise und ihr sind die Hände gebunden. Milliarden-Interventionen gegen den Anstieg des Frankens im letzten jahr hatten den Währungshütern den Vorwurf eingebracht, Volksvermögen nutzlos zu verschleudern. Solange der starke Franken die Preisstabilität nicht gefährde, werde die SNB nichts unternehmen, erklärte der SNB-Chef am Wochenende weiter. Massnahmen wie etwa Kapitalverkehrskontrollen seien ohnehin nutzlos. “Die Derivate- und Devisenmärkte sind global” und könnten mit auf die Schweiz beschränkten Massnahmen nicht beeinflusst werden.

Einziger Trost für die Schweizer ist, dass der starke Franken Importe billiger macht. Aber da zeigte eine in der vergangenen Woche vorgelegte Untersuchung des Wirtschaftsministeriums in Bern, dass Importeure die Vorteile des starken Frankens nur zögernd an die Verbraucher weitergeben.

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