May 4, 2011 / 1:33 PM / 8 years ago

Glencore will bei Londoner Börsengang Rekorde brechen

Hongkong/London (Reuters) - Der weltweit führende Rohstoffhändler Glencore will den Rekord für den größten Börsengang in London knacken.

Die Glencore-Zentrale in Zürich am 13. April 2011. REUTERS/Arnd Wiegmann

Der in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannte Schweizer Konzern setzte sich am Mittwoch für sein Börsendebüt Einnahmen von umgerechnet bis zu 7,4 Milliarden Euro zum Ziel - damit wäre Glencore mehr als 40 Milliarden Euro wert. Dabei kann das verschwiegene Unternehmen mit rund 60.000 Mitarbeitern auf die Investitionsbereitschaft vieler Großanleger zählen, die fast ein Drittel der angebotenen Aktien kaufen werden.

Die Preisspanne für die am 19. Mai geplante Erstnotiz an der Londoner Börse wurde auf 480 bis 580 Pence je Anteilsschein festgezurrt. Dabei schöpfte der Konzern nach Einschätzung von Börsianern den maximal möglichen Preis nicht aus, um Luft für eine Kurssteigerung am ersten Handelstag zu lassen. Das Debüt in Hongkong ist für den 25. Mai geplant.

Der Börsengang von Glencore sorgt am Finanzmarkt für ähnlich viel Aufregung wie der IPO der US-Bank Goldman Sachs 1999. Viele der öffentlichkeitsscheuen Glencore-Manager dürften damit über Nacht auf dem Papier zu Millionären oder sogar Milliardären werden. Das Vermögen von Konzernchef Ivan Glasenberg - laut Verkaufsprospekt auch nach dem IPO mit rund 16 Prozent größter Anteilseigner - könnte sogar auf etwa sieben Milliarden Euro anschwellen. Einige Branchenexperten meldeten jedoch erneut Zweifel an, ob Glencore das geforderte Geld wirklich wert ist.

Gemessen an seinem Umsatz von rund 100 Milliarden Euro im vergangenen Jahr ist das enorm einflussreiche Unternehmen der größte Konzern der Schweiz - noch vor dem Lebensmittelriesen Nestle, dem Pharmakonzern Novartis und der Großbank UBS. Der im steuerbegünstigten Kanton Zug ansässige Rohstoffspezialist nutzt den Boom der Branche, um mit dem Börsengang seine Kasse für Übernahmen zu füllen.

GLENCORE WINKT SCHNELLE AUFNAHME IN LEITINDEX FTSE

Ein Teil der zur Emission vorgesehenen Papiere sind wohl bereits untergebracht. Großinvestoren übernehmen 31 Prozent der angebotenen Aktien - darunter auch der am deutschen Autobauer Daimler beteiligte Staatsfonds Aabar aus Abu Dhabi. Er will bis zu eine Milliarde Dollar in Glencore stecken, ein Staatsfonds aus Singapur 400 Millionen Dollar.

Wahrscheinlich wird Glencore angesichts seiner Größe mit der Notiz in London schon am Ende des ersten Handelstages in den Leitindex FTSE 100 aufsteigen - das hat es seit 25 Jahren nicht mehr gegeben. Überhaupt haben das bislang mit dem Telekomriesen BT und dem Energiekonzern BG erst zwei Firmen geschafft.

Glencore wurde 1974 von dem Rohstoffhändler Marc Rich gegründet und wird bislang von 500 Partnern kontrolliert, die nach dem Börsengang bis zu fünf Jahre lang keine Aktien verkaufen dürfen. Das Unternehmen hat sich vor allem im Rohstoff-Handel einen Namen gemacht, besitzt aber auch auf der ganzen Welt Bergwerke, Raffinerien, Eisenhütten und Weizensilos. Glencore ist auch an mehreren börsennotierten Konzernen beteiligt. Allein sein Anteil von 34 Prozent an dem britisch-schweizerischen Bergbaukonzern Xstrata ist rund 17 Milliarden Euro wert.

- von Elzio Barreto und Clara Ferreira-Marques -

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