June 18, 2020 / 5:54 AM / 19 days ago

Devisenkäufe werden zum zentralen Mittel der SNB

Statues are seen on the building of the Swiss National Bank (SNB) in Bern, Switzerland May 20, 2020. Picture taken May 20, 2020. REUTERS/Arnd Wiegmann

Bern (Reuters) - Im Kampf gegen eine wirtschaftsschädliche Aufwertung des in Krisenzeiten gefragten Franken setzt die Schweizerische Nationalbank (SNB) immer mehr auf Fremdwährungskäufe.

Den bereits rekordtiefen Leitzins tasteten die Währungshüter am Donnerstag nicht an - und werden es nach Ansicht von Ökonomen wohl auch in Zukunft nicht tun, auch angesichts der Folgen der Corona-Krise.

“Unsere expansive Geldpolitik hat sich bewährt und bleibt weiterhin nötig”, sagte Notenbankchef Thomas Jordan. “Wir belassen deshalb den Leitzins und den Zins auf Sichtguthaben bei der SNB bei minus 0,75 Prozent und sind angesichts des hoch bewerteten Frankens weiterhin bereit, verstärkt am Devisenmarkt zu intervenieren.” Solange die Kosten-Nutzen-Analyse stimme, gebe es für Fremdwährungskäufe keine Grenze, erklärte Jordan.

Negativzinsen und Eingriffe am Devisenmarkt sind die zwei Säulen der SNB-Geldpolitik. Die Landeswährung stuft die Notenbank seit langem als hoch bewertet ein. Der Franken gilt unter Investoren als sicherer Hafen und gewinnt in unruhigen Zeiten stets an Wert - was Schweizer Waren im Ausland verteuert und somit der ausfuhrorientierten Wirtschaft schadet.

SNB-Präsident Jordan betonte, dass die Notenbank Spielraum bei allen geldpolitischen Instrumenten habe und die Zinsen bei Bedarf weiter senken könne. Doch Experten sind angesichts des bereits rekordtiefen Zinsniveaus skeptisch. “Mit Blick auf die Zukunft wird der Leitzins wahrscheinlich weit über das Ende unseres zweijährigen Prognosehorizonts hinaus und wahrscheinlich auch noch jenseits des Jahres 2025 unverändert bleiben”, erklärt etwa David Oxley, Volkswirt bei Capital Economics. “Wir erwarten stattdessen, dass Devisenmarkt-Interventionen die Waffe der Wahl der Notenbank bleiben werden, um einen Aufwärtsdruck auf die Währung abzuwehren.”

Die Schweizer Hauptexportwährung Euro hat sich jüngst etwas verteuert, nachdem sie im Zuge der Covid-19-Krise im Mai vorübergehend auf den höchsten Stand seit dem Frankenschock im Jahr 2015 gestiegen war. Am Donnerstag kostete ein Euro 1,0675 Franken.

SCHLIMMSTER WIRTSCHAFTSEINBRUCH SEIT 1970ER-JAHREN

SNB-Präsident Jordan stellte ein Festhalten an der expansiven Geldpolitik für längere Zeit in Aussicht. Für eine Änderung wären völlig andere Aussichten nötig, sagte er. Infolge der Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie erwartet die SNB für die Schweiz im laufenden Jahr den stärksten Wirtschaftseinbruch seit der Ölkrise in den 1970er-Jahren: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte um rund sechs Prozent schrumpfen. Für 2021 rechnet die Notenbank dann mit einem deutlichen Wachstum. Die Teuerung dürfte dieses und kommendes Jahr negativ ausfallen und über den gesamten Prognosezeitraum bis Anfang 2023 deutlich unter der von der Notenbank angepeilten Obergrenze von zwei Prozent bleiben.

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