March 19, 2020 / 10:05 AM / 17 days ago

SNB stemmt sich mit mehr Fremdwährungskäufen gegen Virus-Krise

The Swiss National Bank (SNB) is pictured during a federal council meeting on the outbreak of the coronavirus disease (COVID-19) in Bern, Switzerland, March 13, 2020. Picture taken March 13, 2020. REUTERS/Denis Balibouse

Zürich (Reuters) - Mehr Euro-Käufe statt Zinssenkung: Die Schweizerische Nationalbank (SNB) will ihre Devisenmarkt-Interventionen zur Schwächung des Frankens verstärken, um die Auswirkungen der Virus-Krise auf die die exportabhängige Wirtschaft des Landes zu dämpfen.

Zudem greift sie den aus ihrer Sicht ausreichend liquiden Banken unter die Arme. Den Leitzins beließen die Währungshüter am Donnerstag indes unverändert bei bereits rekordtiefen minus 0,75 Prozent.

“Der Franken ist nochmals höher bewertet, und die globalen Finanzmärkte sind unter starkem Druck”, erklärte das dreiköpfige SNB-Direktorium um Präsident Thomas Jordan. Negativzins und Interventionen seien notwendig, um die Devise für Anleger weniger attraktiv zu machen und dem Aufwertungsdruck entgegenzuwirken. “Die SNB interveniert verstärkt am Devisenmarkt, um zur Stabilisierung der Lage beizutragen.”

Der Franken gilt unter Investoren als sicherer Hafen und gewinnt in unsicheren Zeiten stets an Wert - was Schweizer Waren im Ausland verteuert und damit der Wirtschaft Landes schadet. In der vergangenen Wochen verstärkte die Notenbank ihre Eingriffe zur Schwächung der Landeswährung bereits, räumte Jordan ein. Analysten schätzen, dass die SNB 2020 bislang Fremdwährungen für 18 Milliarden Franken kaufte, vor allem um die Hauptexportwährung Euro zu schwächen. Im gesamten vergangen Jahr waren es 13,2 Milliarden, wie aus dem SNB-Geschäftsbericht hervorgeht.

“Zinsseitig ist das Ende der Fahnenstange erreicht”, erklärte Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank. “Das kennen wir bereits von der EZB.” Doch während sich die Euro-Hüter mittels massiver Anleihekäufe gegen die immer größeren wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie stemmen, setzt die SNB auf Eingriffe am Devisenmarkt. “Angesichts der unbegrenzten Feuerkraft der SNB wird dies zwar auch ohne größere Probleme durchzusetzen sein, die Strategie birgt aber Risiken”, sagte Bantleon-Ökonom Jörg Angele. Neben massiven Bewertungsverlusten riskiere die Notenbank auch einen Konflikt mit den USA, die die Schweiz erst jüngst der Währungsmanipulation beschuldigt haben.

GELDPOLITIK ALLEINE KANN KRISE NICHT BEWÄLTIGEN

Ohnehin sind zur Bewältigung der Virus-Krise nach den Worten von Notenbankchef Jordan nicht nur die Zentralbanken gefordert: “Es ist sehr wichtig zu erkennen, dass die Schlüsselmaßnahmen nicht von den Zentralbanken kommen, sondern von der medizinischen und auch von der fiskalischen Seite.” Aufgabe der Notenbanken sei es, die Liquidität zu sichern, so dass der Kreditfluss an die Wirtschaft nicht versiegt.

Aktuell stuft die SNB das heimische Finanzsystem als ausreichend liquide ein - Jordan zufolge haben die Banken Kapitalpuffer in der Größenordnung von 50 Milliarden Franken -, will bei Bedarf aber zusätzliche Maßnahmen ergreifen. Weil den Geldhäusern in nächster Zeit aber eine zentrale Rolle zukommt, greift ihnen die Notenbank unter die Arme: Ab 1. April sind weniger Sichteinlagen vom Strafzins von 0,75 Prozent betroffen. Die SNB erhöhte den Freibetrag auf das 30-fache jener Summe, die die Banken bei der Zentralbank hinterlegen müssen. Bislang lag er beim 25-fachen. Das entspreche einer Entlastung um rund 600 Millionen Franken pro Jahr. Zudem erwägt die SNB, den sogenannten antizyklischen Kapitalpuffer für Risiken am Hypotheken- und Immobilienmarkt zu lockern.

Zu weiteren Maßnahmen hielt sich Jordan bedeckt. Die Gespräche mit der Regierung dauern an, sagte er. Die Notenbank rechnet dieses Jahr in der Schweiz wegen des globalen Konjunktureinbruchs und den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie mit einer schrumpfenden Wirtschaftsleistung.

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