September 19, 2019 / 8:39 AM / a month ago

Schweizer Notenbank verzichtet vorerst auf Zinssenkung

The Swiss National Bank (SNB) is seen in Bern, Switzerland September 3, 2019. REUTERS/Arnd Wiegmann

Zürich (Reuters) - Die Schweizerische Nationalbank (SNB) stellt das Land auf lange andauernde Negativzinsen ein.

Zwar verzichteten die Währungshüter am Donnerstag vorerst auf eine weitere Senkung und beließen ihren Leitzins bei minus 0,75 Prozent. Doch von einem raschen Ende der zunehmend umstrittenen Negativzinsen geht die Notenbank nach den Zinssenkungen in Europa und den USA offenbar nicht aus: Das globale Tiefzinsumfeld habe sich verfestigt und könne noch länger anhalten, erklärte die SNB. Sie will daher mit einer technischen Maßnahme dafür sorgen, dass Banken und damit letztlich auch die Wirtschaft die Negativzinsen weniger stark zu spüren bekommen. Der Bankenverband begrüßte den Schritt. An der Börse legten die Aktien der Großbanken UBS und Credit Suisse zu.

Nach Einschätzung von Branchenexperten dürften die Maßnahmen der Notenbank dazu führen, dass die Banken in der Schweiz künftig pro Jahr etwa eine Milliarde statt bislang zwei Milliarden Franken an Strafzinsen bezahlen. “Wir können nicht davon ausgehen, dass wir in kurzer Zeit bereits wieder in positiven Zinsen sind. Wir haben das System so angepasst, dass es nachhaltig über die Zeit anwendbar ist”, sagte SNB-Präsident Thomas Jordan im Schweizer Radio. Zudem wolle die Notenbank damit ihren Handlungsspielraum sicherstellen.

Eine weitere Zinssenkung ist damit nach Einschätzung von Analysten nicht vom Tisch. Die Entlastung der Banken mache es einfacher für die SNB, in Zukunft die Zinsen zu senken, sagte Credit-Suisse-Analyst Maxime Botteron. Auch die Experten der UBS sehen “die Gefahr noch tieferer SNB-Leitzinsen noch lange nicht gebannt”, wie sie in einem Kommentar erklärten.

In der Schweiz liegt der Leitzins bereits seit Anfang 2015 bei minus 0,75 Prozent. Damit will die Notenbank den Franken im Vergleich zu anderen Währungen für Investoren möglichst unattraktiv machen. Denn dieser ist in Krisenzeiten bei Anlegern als “sicherer Hafen” gefragt. Doch ein starker Franken macht Schweizer Waren im Ausland teuer und schwächt somit die exportorientierte Wirtschaft.

Die SNB strebt daher tiefere Zinsen an, als in der Euro-Zone. Doch der Abstand schwindet: Die EZB hatte vergangene Woche angekündigt, die umstrittenen Anleihenkäufe wieder aufzunehmen und den Strafzins für Banken angehoben. Und auch die US-Notenbank, die international die Marschrichtung vorgibt, hatte am Mittwoch ihren Leitzins gesenkt.

KRITIK AN NEGATIVZINSEN

Während die SNB den Negativzins weiterhin als ein wichtiges Element ihrer Geldpolitik sieht, stößt er in der Schweiz zunehmend auf Kritik: Experten warnen vor Blasen am Immobilienmarkt, weil professionelle Investoren auf der Suche nach rentablen Anlagemöglichkeiten dort die Preise hochtreiben. Wegen der tiefen Zinsen im In- und Ausland bröckeln zudem die Erträge von Versicherungen und Pensionskassen. Und Banken beklagen regelmäßig die Zusatzkosten, die sie durch die anfallenden Strafzinsen zu schultern haben.

Hier will die SNB nun für eine Erleichterung sorgen: Ab November sind weniger Einlagen vom Strafzins betroffen. Die SNB erhöhte den Freibetrag auf das 25-fache jener Summe, die die Banken bei der Zentralbank hinterlegen müssen. Bislang lag er beim 20-fachen. Damit sinken die Strafzinsen für die Banken, erklärte Jordan im SRF-Interview. Sie hatten die Strafgebühr nicht ausschließlich selbst geschultert, sondern etwa an Firmenkunden oder institutionelle Kunden wie Versicherungen oder Pensionsfonds weitergereicht, die große Mengen an Bargeld halten. Auch besonders reiche Privatkunden mit großen Barreserven waren teilweise davon betroffen.

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