May 11, 2018 / 5:33 AM / 13 days ago

Schweizer Sika wehrt Übernahme durch Saint-Gobain ab

Zürich (Reuters) - Für den Schweizer Bauchemiekonzern Sika zahlt sich die jahrelange Zermürbungstaktik aus.

The logo of the company is seen on barrels at the plant of Swiss chemical group Sika in Duedingen, Switzerland, April 6, 2018. Picture taken April 6, 2018. REUTERS/Arnd Wiegmann

Der größere französische Rivale Saint-Gobain bricht den im Dezember 2014 gestarteten feindlichen Übernahmeversuch ab und gibt sich mit einer kleineren Beteiligung an Sika zufrieden als geplant. Versüßt wird den Parisern der Rückzug mit einem schnellen Gewinn von mehr als 700 Millionen Franken. Die Anleger reagierten erleichtert auf die Einigung, die Aktien beider Unternehmen legten kräftig zu. Damit endet eine der längsten Übernahmeschlachten Europas einvernehmlich. Gleichzeitig spekulierten Analysten bereits, dass Sika längerfristig ins Visier eines anderen Käufers geraten könnte.

“Der Kampf der letzten dreieinhalb Jahre hat sich gelohnt”, erklärte Sika-Präsident Paul Hälg am Freitag auf einer Pressekonferenz. Die Einigung kommt überraschend, denn noch vor wenigen Wochen schienen die Fronten verhärtet. Die meisten Beobachter waren davon ausgegangen, dass das oberste Schweizer Gericht den Streit schließlich entscheidet. Stattdessen werden nun alle anhängigen Rechtsverfahren beigelegt.

Auslöser der Auseinandersetzung war der Entschluss der Sika-Gründerfamilie Burkard im Jahr 2014, ihren Anteil an der über 100-jährigen Firma ohne das Wissen der Sika-Spitze für 2,75 Milliarden Franken an Saint-Gobain zu verkaufen. Die Burkards hielten zwar nur gut 17 Prozent des Kapitals, aber die Mehrheit der Stimmrechte. Doch der Sika-Verwaltungsrat vereitelte die Transaktion, indem er die Stimmrechte der Familie beschnitt. Es folgte ein jahrelanges Patt.

Die Wende brachte der Sika-Aktienkurs, der trotz des Streits kräftig stieg. Damit verwandelte sich die Prämie von 80 Prozent, die die Saint-Gobain-Offerte für die Familien-Anteile vorsah, plötzlich in einen Abschlag. Im Zuge der Einigung erwarb Saint-Gobain nun dieses Paket für 3,22 Milliarden Franken. Sieben Prozent der Aktien verkaufte Saint-Gobain für 2,08 Milliarden Franken bereits wieder an Sika weiter. Saint-Gobain habe sich verpflichtet, die restlichen 10,75 Prozent an Sika mindestens zwei Jahre lang nicht zu veräußern. Danach habe Sika ein Vorkaufsrecht an den eigenen Titeln.

BIETER MÜSSTE 25 MRD FRANKEN FÜR SIKA ZAHLEN

Auf einer Aktionärsversammlung im Juni will Sika nun auch die Aktienstruktur vereinfachen. Bisher hatten zwei Aktienklassen es der Familie ermöglicht, trotz einer Minderheit des Kapitals die Firma kontrollieren zu können. In Zukunft kann der Konzern die eigenen Aktien als Akquisitionswährung einsetzen und Zukäufe über 500 Millionen Franken stemmen, wie Firmenchef Paul Schuler ausführte. Auch im Tagesgeschäft peile das Unternehmen, das im laufenden einen Umsatzzuwachs von über zehn Prozent auf sieben Milliarden Schweizer Franken anpeilt, eine weitere Beschleunigung an.

Die Anleger, die sich in dem Streit überwiegend hinter Sika gestellt hatten, reagierten erfreut auf die Einigung. “Das gibt dem Geschäft die Freiheit, die notwendig ist, um die Wachstumsstrategie zu verfolgen”, erklärte Iain Richards von Columbia Threadneedle. Eine Stiftung von Microsoft-Gründer Bill Gates, die Sika immer den Rücken gestärkt hatte, äußerte sich ähnlich. Die Sika-Aktie kletterte in der Spitze um rund elf Prozent.

Freuen könnten sich auch mögliche andere Bieter für Sika, denn mit der Einführung der Einheitsaktie und dem Verlust eines Ankeraktionärs verliert Sika ein Schutzschild. “Sika war immer ein interessantes Ziel, aber die eigentümliche Aktionärsstruktur war die Hürde”, erklärte Bernstein-Analyst Phil Roseberg. Auch Sika-Präsident Hälg schloss einen Übernahmeversuch nicht aus: “Das kann ich nicht sagen, das könnte schon sein.” Es gebe aber auch gute Argumente gegen ein Gebot von Firmen wie etwa Henkel oder BASF, erklärte ein Insider. So sei die Bewertung von Sika im Branchenvergleich weit überdurchschnittlich. Demzufolge müsste ein Interessent wohl mindestens 25 Milliarden Franken für das Unternehmen auf den Tisch legen.

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