May 20, 2010 / 3:45 PM / 9 years ago

Südkorea: Nehmen Torpedo-Angriff des Nordens nicht hin

Südkoreanische Marinesoldaten bewachen das Wrack des vermeintlich von einem nordkoreanischen Torpedos versenkten Kriegsschiffs in Pyeongtaek am 19. Mai 2010. REUTERS/Lee Jae-Won

Seoul (Reuters) - Südkorea hat wegen der Versenkung eines seiner Kriegsschiffe ein entschlossenes Vorgehen gegen den kommunistischen Norden angekündigt.

Damit reagierte die Regierung in Seoul auf den Bericht einer internationalen Untersuchungskommission, dem zufolge ein nordkoreanisches U-Boot die “Cheonan” mit Hilfe eines Torpedos zerstörte. “Es gibt keine andere plausible Erklärung”, erklärten die Experten in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Bericht. Erwartet wird nun, dass Südkorea die internationale Gemeinschaft zu Sanktionen oder anderen Schritten gegen den verfeindeten Nachbarn drängt. Nordkorea drohte für diesen Fall umgehend mit harten Reaktionen bis zum Krieg. China rief beide Seiten zur Mäßigung auf, andere Staaten verurteilten das Verhalten Nordkoreas. Differenzen in dem Fall wurden speziell zwischen Japan und China deutlich.

Beim zunächst rätselhaften Untergang der südkoreanischen Korvette waren Ende März 46 Marinesoldaten getötet worden. Eine Schuld Nordkoreas war schon länger vermutet worden. Als Beweis führte die Untersuchungskommission nun Vergleiche von Überresten des Geschosses mit einem Torpedo nordkoreanischer Bauart an, der vor mehreren Jahren sichergestellt worden sei. Geheimdiensterkenntnisse zeigten außerdem, dass sich vermutlich nordkoreanische U-Boote in der Nähe des gesunkenen Schiffs befunden hätten. U-Boote anderer Nachbarstaaten seien zur fraglichen Zeit dagegen in ihren jeweiligen Hoheitsgewässern gewesen.

KREISE: ANGRIFF KÖNNTE VERGELTUNG DES NORDENS SEIN

Hochrangigen südkoreanischen Regierungskreisen zufolge könnte der Angriff die Vergeltung des Nordens für ein Gefecht nahe der umstrittenen Seegrenze Ende 2009 sein. Die Regierung in Seoul hat deutlich gemacht, dass sie keinen Vergeltungsschlag plant. Präsident Lee Myung Bak ließ aber erklären, den Norden solle mit internationaler Unterstützung zur Rechenschaft gezogen werden. Für Freitag berief er eine Sondersitzung seines Nationalen Sicherheitsrats ein.

Der aus Südkorea kommende UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bezeichnete die Ergebnisse der Untersuchung als zutiefst besorgniserregend. Die USA bezeichneten den Angriff als Akt der Aggression und stellten sich ebenso wie Großbritannien hinter die Untersuchungsergebnisse. Die Nato sprach von einer ernsthaften Bedrohung. Die Bundesregierung verurteilte die Versenkung. “Diese Handlung stellt einen schwerwiegenden Bruch geltenden internationalen Rechts dar”, erklärte Bundesaußenminister Guido Westerwelle.

China kündigte eine eigene Bewertung der Expertenbefunde an. Von Japan erntete es harsche Kritik für seinen Aufruf zur Ruhe an Südkorea, das bislang extrem besonnen reagiert habe. Japan werde sich für eine UN-Resolution starkmachen, wenn Südkorea diese anstrebe, kündigte Ministerpräsident Yukio Hatoyama in Japan an. Ein solch “unglaublicher” Vorgang dürfe sich nicht wiederholen. Eine Wiederaufnahme der Gespräche mit Nordkorea über dessen Atomprogramm schloss Japan aus; diese Einschätzung werde auch von den USA geteilt.

- von Jack Kim und Jonathan Thatcher -

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