July 30, 2018 / 6:32 AM / 4 months ago

Erste Präsidentenwahl in Simbabwe seit Sturz Mugabes

Zimbabwean voters queue to cast their ballots in the country's general elections in Harare, Zimbabwe, July 30, 2018. REUTERS/Mike Hutchings

- von MacDonald Dzirutwe und Joe Brock

Harare (Reuters) - In Simbabwe hat die erste Präsidentenwahl nach der Ära Robert Mugabe begonnen.

Bereits vor Sonnenaufgang bildeten sich in der Hauptstadt Harare lange Schlagen vor den Wahllokalen. Zur Wahl stehen der 75-jährige Präsident Emmerson Mnangagwa, ein früherer Vertrauter von Mugabe, und der 40-jährige Anwalt und Pastor Nelson Chamisa. Umfragen sehen eine knappe Führung für Mnangagwa, der nach dem Militärputsch im vergangenen Jahr Mugabe ablöste. Sollte keiner der Kandidaten am Montag mehr als die Hälfte der Stimmen erhalten, findet am 8. September eine Stichwahl statt. Die Wahllokale sollen um 19.00 Uhr MESZ schließen.

Im November hatte das Militär Mugabe nach 37 Jahren Herrschaft zum Rücktritt gedrängt. Sein Amt übernahm Mnangagwa, der als früherer Geheimdienstchef und Verteidigungsminister den Spitznamen “das Krokodil” trägt - in der Kultur des Landes ein Tier, das mit List und Rücksichtslosigkeit verbunden wird. Der 94-jährige Mugabe, der Mnangagwa für seinen Sturz verantwortlich macht, sprach am Sonntag eine Wahlempfehlung für Chamisa aus. Dies könnte durchaus Einfluss auf die Wahl haben. Mnangagwa warf daraufhin Mugabe vor, eine Vereinbarung mit dem Oppositionskandidaten geschlossen zu haben. Beweise legte er dafür nicht vor.

INTERNATIONALE WAHLBEOBACHTER ÜBERALL IM LAND

Bei seiner Stimmabgabe in der Stadt Kwekwe wies Mnangagwa den Vorwurf Mugabes zurück, die Wahl sei nicht frei, weil eine Militärregierung sie abhalte. In Simbabwe gebe es nie dagewesene demokratische Freiräume, in denen jeder seine Meinung frei äußern könne, sagte der Staatschef.

Auch vor dieser Wahl gab es Berichte über Einschüchterungsversuche und Druck seitens der regierenden Zanu-PF-Partei, wenn auch bei weitem nicht in dem Umfang wie zu Zeiten Mugabes. Chamisas Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) wirft der Wahlkommission Parteilichkeit vor und beklagte sich über gefälschte Wählerlisten und zwielichtige Stimmzettel. Internationale Beobachter der EU, der USA und des Commonwealth sind landesweit im Einsatz, um zu prüfen, ob die Abstimmung ordnungsgemäß abläuft.

Chamisa gab sich bei seiner Stimmabgabe siegesgewiss. Das Wahlergebnis werde eine nachdrückliche Forderung nach Wandel sein, sagte der 40-Jährige, der als charismatischer Redner gilt und insbesondere bei jungen und arbeitslosen Wählern gut ankommt, die sich von seinem Wahlsieg eine neue Perspektive für sich und das Land erhoffen. Die Arbeitslosenquote liegt nach einigen Schätzungen bei über 90 Prozent.

Mugabe stand seit der Unabhängigkeit Simbabwes von Großbritannien 1980 an der Spitze des Staates. Ihm wurden Korruption und Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Mnangagwa versuchte zuletzt, Investoren ins Land zu holen, um die am Boden liegende Wirtschaft anzukurbeln. Viele Investoren halten sich allerdings mit einem Engagement in dem rohstoffreichen Land zurück, weil sie die Wahlen abwarten wollen.

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