November 4, 2010 / 1:07 PM / 8 years ago

Qantas lässt nach Notlandung A380-Flotte am Boden

Singapur (Reuters) - Nach der Notlandung eines A380 von Qantas Airways in Singapur hat die australische Fluggesellschaft den Betrieb ihrer gesamten Flotte des Airbus-Prestigeobjekts gestoppt.

Der aus London kommende Airbus 380 mit 459 Menschen an Bord war auf seinem Flug nach Sydney planmäßig in Singapur zwischengelandet. Kurz nach dem Start auf dem Inselstaat am Donnerstag kam es bei einem der vier Triebwerke zu Problemen und die Maschine musste in Singapur notlanden. Den australischen Behörden zufolge wurde niemand verletzt. Qantas-Chef Alan Joyce sprach von einem schweren Triebwerksfehler. Das Unternehmen werde seine sechs A380 bis zur Klärung des Vorfalls am Boden lassen.

“Dies war ein ernstzunehmendes Versagen eines Triebwerkes. Wir unterschätzen die Bedeutung dieser Angelegenheit nicht. Die A380-Flotte am Boden zu lassen, ist für uns keine Kleinigkeit”, sagte Joyce. Nach seinen Worten hätte die Maschine aber auch mit nur zwei Triebwerken fliegen können. Die australische Behörden leiteten eine Untersuchung ein. “Das ist wahrscheinlich der schwerwiegendste Zwischenfall mit einem A380 seit dem Beginn der Inbetriebnahme für den kommerziellen Verkehr”, sagte Luftfahrtexperte Tom Ballantyne.

LUFTHANSA LÄSST IHRE A380 WEITER FLIEGEN

Weltweit sind derzeit 37 Maschinen des größten Passagierflugzeugs der Welt bei fünf Fluggesellschaften im Einsatz. Neben Qantas sind das Lufthansa, Singpore Airlines, Emirates und Air-France KLM. Bis auf Qantas wollen alle den Flugbetrieb mit ihren A380-Maschinen aufrechterhalten. Lufthansa erklärte, es gebe keinen Grund, den Flugbetrieb mit ihren drei A380-Maschinen einzustellen. Dies werde auch nicht geprüft. Bei den A380 der Lufthansa kommen nach Firmenangaben dieselben Triebwerke zum Einsatz wie bei dem betroffen Flugzeug von Qantas. Bei allen A380 von Qantas sind Triebwerke von Rolls Royce vom Typ Trent 900 eingebaut. Das betroffene Flugzeug wurde 2008 hergestellt. Die größte arabische Fluggesellschaft Emirates teilte mit, man habe nicht vor, die Flotte am Boden zu lassen. Ihre A380-Triebwerke seien von einem anderen Hersteller.

Nach dem Vorfall war in Medien zunächst von einem Absturz des A380 über der indonesischen Insel Batam nahe Singapur nach einer Explosion die Rede gewesen. Dem Sender Channel NewsAsia zufolge kreiste das Flugzeug vor der Notlandung in Singapur rund eine Stunde lang, um vor der Notlandung Treibstoff zu verbrauchen. Ein Passagier sagte ABC Radio, die Fluggäste hätten einen Knall gehört und dann hätte es kräftig gerüttelt. “Einige der Passagiere benachrichtigten das Kabinenpersonal, dass es eine Explosion gegeben habe, es gab auch Rauch oder irgendetwas in Folge dessen. Wir sind dann rund eine Stunde über Singapur gekreist”, sagte er. Die Passagiere seien die ganze Zeit über informiert worden.

Luftfahrtexperte Peter Marosszeky von der Universität von New South Wales sagte, es sehe so aus, als handele es sich um ein gravierendes Triebwerksproblem. Solche Probleme seien früher bereits aufgetaucht, aber bei viel älteren Flugzeugen als der A380. Eines der vier Triebwerksgehäuse fehlte. Indonesische Fernsehsender zeigten Bilder von Trümmerteilen auf dem Boden nahe dem indonesischen Flughafen Batam, die zum notgelandeten A380 gehören sollen. Einen Zusammenhang mit dem neuerlichen Ausbruch des indonesischen Vulkans Merapi, der Asche- und Gaswolken in die Luft blies, sahen Behördenvertreter nicht.

Der A380 ist seit 2005 im Passagiergeschäft im Einsatz. Bislang hat es keinen tödlichen Zwischenfall mit ihm gegeben. Der Airbus-Mutterkonzern EADS wurde indes vor der Einführung von technischen Schwierigkeiten und massiven Verzögerungen geplagt. Qantas hatte schon einmal in diesem Jahr Pech mit dem Riesen-Flugzeug: zwei Reifen waren bei einer Landung in Sydney geborsten. Im September 2009 musste eine Maschine zudem ihre Reise abbrechen und nach Paris zurückkehren.

Die EADS-Aktien sanken in Paris mehr als drei Prozent auf 18,40 Euro. Auch die Qantas-Aktie geriet in Australien kurzzeitig unter Druck. Lufthansa-Titel legten indes gut drei Prozent zu auf 16,30 Euro.

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