for-phone-onlyfor-tablet-portrait-upfor-tablet-landscape-upfor-desktop-upfor-wide-desktop-up
Weltnachrichten

Hauptangeklagter im slowakischen Journalisten-Mordfall freigesprochen

Slovak businessman Marian Kocner wears a mask as he sits in the courtroom for the verdict in the case of the murders of investigative journalist Jan Kuciak and his fiancee Martina Kusnirova, in Pezinok, Slovakia September 3, 2020. REUTERS/Radovan Stoklasa

Pezinok (Reuters) - Im slowakischen Prozess um den Doppelmord an dem Investigativreporter Jan Kuciak und dessen Lebensgefährtin Martina Kusnirova ist der Hauptangeklagte freigesprochen worden.

Es sei nicht zweifelsfrei bewiesen worden, dass der Geschäftsmann Marian Kocner Auftraggeber der Tat vom Februar 2018 gewesen sei, befand das Gericht in Pezinok am Donnerstag. Das Urteil schockierte die Angehörigen der Opfer und löste Unverständnis bei Spitzenpolitikern aus. Präsidentin Zuzana Caputova, eine ehemalige Menschenrechtsanwältin, erklärte, sie sei fassungslos. Die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein und will den Richterspruch vor dem Obersten Gerichtshof anfechten.

Kuciak hatte zu Korruption in Politik und Wirtschaft in dem EU-Staat recherchiert und war dabei auch auf Kocner gestoßen. Der 27-Jährige und seine Verlobte waren vor ihrer Wohnung in Bratislava erschossen worden. Der Fall löste die größten Proteste in der Slowakei seit dem Ende der kommunistischen Herrschaft 1989 aus. Der langjährige Ministerpräsident Robert Fico musste zurücktreten. Im März diesen Jahres übernahm eine neue Regierung mit dem Versprechen, Korruption zu bekämpfen. Kuciaks Mörder zur Rechenschaft zu ziehen, wurde zur Bewährungsprobe für das slowakische Justizwesen.

Kocner hatte die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen. Das Gericht sprach auch einen Vertrauten des Geschäftsmanns frei, der als Mittelsmann fungiert haben soll. Ein anderer Angeklagter wurde dagegen wegen Beihilfe zum Mord zu 25 Jahren Haft verurteilt. Zwei geständige Beteiligte waren bereits zuvor zu 23 beziehungsweise 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Kocner selbst befindet sich wegen eines anderen Falls in Gewahrsam.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen nannte das Urteil einen “Schlag ins Gesicht der Hinterbliebenen”. Mitten in der EU könne ein Journalist “kaltblütig erschossen werden, ohne dass der Auftraggeber zur Rechenschaft gezogen wird”. Der Freispruch offenbare schwere Versäumnisse von Ermittlungsbehörden und Justiz in der Slowakei.

for-phone-onlyfor-tablet-portrait-upfor-tablet-landscape-upfor-desktop-upfor-wide-desktop-up