December 5, 2010 / 3:02 PM / 8 years ago

Fluglotsenstreik in Spanien unter Militäreinsatz beendet

Madrid (Reuters) - Unter Einsatz des Militärs hat die spanische Regierung am Wochenende einen wilden Streik seiner Fluglotsen beendet.

A man is seen in the control tower of San Pablo's airport in the Andalusian capital of Seville December 4, 2010. Spanish airspace reopened on Saturday after a wildcat strike by air traffic controllers paralysed airports for a second day and the government declared its first state of emergency in the post-Franco era. REUTERS/Marcelo del Pozo (SPAIN - Tags: TRANSPORT EMPLOYMENT BUSINESS CIVIL UNREST)

Der Ausstand durchkreuzte die Reisepläne Hunderttausender Menschen und dürfte der Branche einen Schaden in dreistelliger Millionenhöhe beschert haben. Wegen der Streichung Tausender Flüge saßen auch viele deutsche Urlauber fest. Am Sonntag normalisierte sich die Lage wieder. Innenminister Alfredo Perez Rubalcaba kündigte an, die Fluglotsen würden noch 15 Tage lang unter Militärkommando arbeiten. Er versprach zudem, dass es über Weihnachten keine Streiks geben werde.

Mehrere Fluglotsen beklagten, sie seien mit vorgehaltener Waffe zum Arbeiten gezwungen worden. Auch sei ihnen Haft angedroht worden. Rubalcaba bestritt, dass Einsatzkräfte ihre Waffen gezogen hätte. Es war das erste Mal seit der Diktatur von General Francisco Franco, dass in dem Land der Notstand verhängt wurde. Etwa 440 Disziplinarverfahren gegen Fluglotsen wurden eingeleitet.

Der Ausstand begann am Freitag, nachdem die Regierung die Arbeitszeitregelungen für die Lotsen geändert und Pläne für eine Teilprivatisierung der Flughafenaufsicht Aena vorgestellt hatte. Der spanische Luftraum war für fast einen Tag geschlossen. Zeitungsberichten zufolge könnten sich die Schäden für die Tourismusbranche auf 350 Millionen Euro summieren und für die Fluggesellschaften auf mehr als 100 Millionen Euro.

Im Kampf gegen ein großes Haushaltsdefizit will die Minderheitsregierung von Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero 50 Milliarden Euro einsparen. Geplant sind Steuererhöhungen sowie Reformen des Arbeitsmarktes und des Rentensystems. Die Umfragewerte der Sozialisten sind auf dem niedrigsten Stand der Geschichte. Von der Teilprivatisierung der Flughafengesellschaft Aena erhofft sich die Regierung einen Erlös von neun Milliarden Euro.

NORMALISIERUNG AM SONNTAG

Am Sonntag normalisierte sich der Luftverkehr langsam wieder. Ein Sprecher der Deutschen Lufthansa erklärte, das Unternehmen fliege Spanien wieder an. Es könne jedoch weiter zu Verspätungen kommen. Auch Air Berlin beklagte Verspätungen, die teilweise aber auf schlechtes Wetter zurückzuführen seien. “Wir fliegen heute so normal, wie das möglich ist”, sagte eine Sprecherin. Air Berlin habe bereits am Samstag 60 Prozent des normalen Spanien-Flugverkehrs absolvieren können. Am Sonntag setze die Fluggesellschaft mindestens acht Sonderflüge ein, brauche aber den ganzen Tag, um alle Urlauber wieder heimzubringen.

Europas größter Reisekonzern TUI zeigte sich zuversichtlich, dass am Montagmorgen alle Urlauber dort sind, wo sie hinwollten - am Urlaubsort oder zu Hause, wie ein Sprecher sagte. “Wir haben inzwischen mehr als 7000 Gäste nach Hause gebracht, die auf die Heimreise warten mussten.” Derzeit würden 1800 Urlauber heimgeflogen, dafür habe TUI fünf Sonderflüge organisiert. Die restlichen Reisenden würden am Montagmorgen nach Deutschland gebracht.

Ein Sprecher des Reisekonzerns Thomas Cook sagte, aus Mallorca seien alle Urlauber wieder in der Heimat. Von den 3500 Spanien-Urlaubern des Konzerns, zu dem Veranstalter wie Neckermann oder Bucher gehören, würden die letzten am Dienstag nach Deutschland geflogen. “Der Großteil unserer Gäste kommt am Sonntag oder Montag zurück”, sagte der Sprecher. Die meisten Kunden hätten ihren Urlaub auf den Kanarischen Inseln verbracht, dort würden sie am Sonntag mit drei Zusatzmaschinen abgeholt.

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