February 25, 2020 / 11:43 AM / 5 months ago

Coronavirus in Europa auf dem Vormarsch

Rom/Washington/Peking (Reuters) - Das Coronavirus breitet sich in Europa immer weiter aus.

A member of the Red Cross attaches a respirator mask during a demonstration at the Vienna International Airport in Schwechat, Austria, February 6, 2020. Authorities started checking passengers arriving with planes from China with thermal scanners, following an outbreak of the new coronavirus in China. REUTERS/Lisi Niesner

Am Dienstag wurden die ersten Infektionsfälle in Österreich, der Schweiz und Kroatien bekannt. In Italien, dem von der Epidemie am schwersten betroffenen Land in Europa, wurden nun auch Erkrankungen in der Toskana, Ligurien und Sizilien registriert. Auch in anderen Teilen der Welt wuchs die Furcht vor einer unkontrollierten Ausbreitung des Erregers. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rief alle Staaten auf, sich auf einen Ausbruch der Epidemie und rasche Gegenmaßnahmen einzustellen. Die US-Regierung will 2,5 Milliarden Dollar zur Bekämpfung der Epidemie bereitstellen. In China, wo der Ursprung der Ansteckungswelle liegt, stieg die Zahl der Virus-Toten um 71 auf 2663. Den Behörden wurden 508 neue Infektionen gemeldet. Damit sind in der Volksrepublik knapp 77.700 Menschen erkrankt.

In Österreich sind nach offiziellen Angaben zwei Menschen im Bundesland Tirol betroffen. Dabei handelt es sich um zwei 24-Jährige Italiener aus der Lombardei, die in Innsbruck leben. Die Lombardei ist der Schwerpunkt des Coronavirus-Ausbruchs in Italien. Dort meldeten die Behörden erste Fälle in anderen Regionen das Landes. So wurde eine Frau auf Sizilien positiv getestet. Im ganzen Land stieg die Zahl der Infektionsfälle auf mehr als 260. Sieben Menschen sind dort bislang der Infektion erlegen.

Die Verbreitung des Virus in Italien hat offenbar zu massiven Preiserhöhungen für Hygienemasken und Desinfektionsmittel geführt. Deswegen werde eine Untersuchung eingeleitet, sagte die stellvertretende Mailänder Chefanklägerin Tiziana Siciliano zu Reuters. “Der Preis für Atemschutzmasken im Internet ist von einem Cent auf zehn Euro gestiegen, und eine Ein-Liter-Flasche Desinfektionsmittel, die vorige Woche für sieben Euro im Handel war, kostete gestern bis zu 39 Euro.”

Auch ein am Montagabend in Spanien publik gewordener Fall hat einen italienischen Bezug. Ein italienischer Arzt erkrankte während seines Urlaubs auf der Ferieninsel Teneriffa. Sein Hotel wurde am Dienstag abgeriegelt. Alle rund tausend Urlauber und die Angestellten des Hotels sollen auf eine mögliche Ansteckung untersucht werden. Erstmals wurde zudem eine Infektion auf dem spanischen Festland in der Region Katalonien registriert.

In Großbritannien rief Gesundheitsminister Matt Hancock Rückkehrer aus Norditalien zu einer befristeten Isolation auf, falls sie grippeähnliche Symptome aufwiesen. Die EU-Kommission und das Europäische Parlament wies seine Mitarbeiter an, für 14 Tage zu Hause zu bleiben, falls sie in betroffenen Gebieten in Norditalien waren.

Im Iran stieg die Zahl der Virus-Opfer um zwei auf 16. Die Zahl der Infizierten, darunter Vize-Gesundheitsminister Iradsch Harirchi, wuchs auf 95 an.

US-REGIERUNG WILL 2,5 MILLIARDEN DOLLAR GEGEN VIRUS

Die US-Regierung forderte vom Kongress 2,5 Milliarden Dollar zur Bekämpfung des Virus, darunter mehr als eine Milliarde für die Entwicklung eines Impfstoffes. Die Demokratin Nita Lowey, Vorsitzende des Bewilligungsausschusses des Repräsentantenhauses, wertete den Finanzierungsantrag als “völlig unzureichend”. Gleichwohl erklärte Präsident Donald Trump am Rande eines Staatsbesuchs in Indien, sein Land sei gut auf die Epidemie vorbereitet.

In China wurden mit sofortiger Wirkung der Handel und Konsum von Wildtieren verboten. Der Ursprung des Virus wird in einem Tiermarkt in der Millionenmetropole Wuhan - dem Epizentrum der Epidemie - vermutet, auf dem auch Wildtiere verkauft worden sein sollen. Wissenschaftler gehen davon aus, dass das neue Coronavirus von Tieren an den Menschen weitergegeben wurde.

Nach Kurseinbrüchen an den Börsen weltweit wegen der Epidemie hielten auch am Dienstag die schlechten Nachrichten für Investoren an. Das Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank, Francois Villeroy de Galhau, rechnete mit negativen, aber vorübergehenden Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum. Die Deutsche Bank schränkte Geschäftsreisen ein. Vietnams Textilindustrie stellt sich auf einen starken Dämpfer durch die Folgen des Coronavirus ein. Die japanische Regierung rief Unternehmen dazu auf, den Beschäftigten nach Möglichkeit Heimarbeit und Schichtarbeit zu empfehlen.

In Taiwan billigte das Parlament ein Konjunkturpaket über umgerechnet 1,8 Milliarden Euro, das die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus abfedern soll. Das Kreditkartenunternehmen Mastercard korrigierte seine Umsatzprognose nach unten. Grund sei, das sich die Epidemie auf Reisen und E-Commerce auswirke.

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