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Weltnachrichten

Österreich nähert sich Kapazitätsgrenzen in Krankenhäusern

FILE PHOTO: People with protective masks walk down a shopping street during the second lockdown as the coronavirus disease (COVID-19) outbreak continues in Vienna, Austria, November 13, 2020. REUTERS/Lisi Niesner

Wien (Reuters) - In Österreich spitzt sich wegen der rasanten Ausbreitung des Corona-Virus die Lage in den Krankenhäusern zu.

Während sich die Zahl der Neuinfektionen einen Tag vor dem zweiten vollständigen Lockdown im Land abgeschwächt hat, müssen erstmals mehr als 600 Erkrankte auf Intensivstationen behandelt werden, sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober am Montag. Die Prognose für diese Woche sage im Schnitt 7000 neue Corona-Fälle pro Tag voraus. “Wenn das so eintritt, wäre das viel zu viel. Wir nähern uns den Kapazitätsgrenzen in den Spitälern”, sagte der Minister.

Insgesamt wurden von den Behörden zuletzt 4657 neue Positiv-Tests binnen 24 Stunden registriert. Am Vortag waren es noch rund 5600 Fälle. Allerdings fallen die Zahlen in der Regel am Montag geringer aus, da über das Wochenende weniger gemeldet werden. Innerhalb eines Tages starben 58 weitere Infizierte, die Zahl der Todesfälle erhöhte sich damit auf 1887. In stationärer Behandlung sind 4297 Menschen. Im Bundesland Kärnten sind etwa mehr als 80 Prozent der Betten belegt. Das Plateau in den Krankenhäusern erwartet der Gesundheitsminister zwischen dem 20. und 27. November. “Das wird eine schwierige Phase für die Spitäler”, sagte der Grünen-Politiker.

Grundsätzlich verfügt Österreich so wie Deutschland über eine im internationalen Vergleich hohe medizinische Versorgungsdichte. Für Covid-Erkrankte standen in dem Land mit rund 8,9 Millionen Einwohnern zuletzt noch weitere 565 Intensivbetten zur Verfügung, wie aus dem Covid-19-Dashboard des Gesundheitsministeriums hervorgeht. Allerdings liegen die Österreicher bei den Neuinfektionen pro Kopf im Spitzenfeld. Wenn die Infektionen nicht reduziert würden, drohe eine Triage, also eine Auswahl der Patienten nach Dringlichkeit.

“TREFFEN SIE NIEMANDEN”

Die konservativ-grüne Regierung hatte angesichts des drohenden Kollapses in den Krankhäusern die Reißleine gezogen und ab Dienstag den zweiten vollständigen Lockdown verordnet. Teile der Opposition und Experten kritisieren, dass die Verschärfung der Maßnahmen zu spät erfolgt sei. Bis zum 6. Dezember schließen Schulen und alle Geschäfte, die nicht zur Deckung des täglichen Bedarfs nötig sind. Darüber hinaus werden die bisher geltenden nächtlichen Ausgangssperren mit wenigen Ausnahmen auf den ganzen Tag ausgeweitet. “Meine eindringliche Bitte für die nächsten Wochen ist: Treffen Sie niemanden. Jeder soziale Kontakt ist einer zu viel”, sagte Kanzler Sebastian Kurz bei der Ankündigung am Samstag.

Ähnlich wie Deutschland hatte Österreich Anfang November einen Teil-Lockdown verhängt, um soziale Kontakte zu einzuschränken. Gastronomie sowie Freizeit-, Kultur- und Sporteinrichtungen mussten schließen. Trotz dieser Maßnahmen stiegen die Infektionszahlen weiter und kletterten am Freitag auf einen Rekord von 9586. Das ist neun Mal mehr als beim Höchststand der ersten Welle. Nach dem Lockdown sollen Massentests nach slowakischem Vorbild durchgeführt werden. In der Slowakei ist es laut Kurz gelungen, durch Massentestungen zehntausende positive Fälle zu finden, die man dann in Quarantäne schicken konnte, um das Infektionsgeschehen massiv zu drücken. Allerdings sollen die Testungen in Österreich anders als im Nachbarland freiwillig erfolgen.

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