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Experten bemängeln Corona-Umgang in Ischgl - Kritik an Regierung

A sign marks the ski resort of Ischgl as the spread of the coronavirus disease (COVID-19) continues, Austria, October 9, 2020. Picture taken October 9, 2020. REUTERS/Lisi Niesner

Wien (Reuters) - Nach dem massiven Ausbruch des Coronavirus im Tiroler Skiort Ischgl im vergangenen Winter hat nun eine Expertenkommission Versäumnisse der lokalen Behörden aufgezeigt.

So hätte etwa der Betrieb von Skibussen und Seilbahnen früher eingestellt werden müssen, kommt das unabhängige Expertenteam in seinem am Montag vorgelegten Bericht zum Schluss. Das Zuwarten bis zum 12. März sei aus “epidemiologischer Sicht” falsch gewesen, sagte der Vorsitzende der Kommission, Ronald Rohrer. Aber auch die Regierungsspitze in Wien steht in der Kritik. Die Ankündigung der Quarantäne über das Paznauental und St. Anton durch Kanzler Sebastian Kurz am 13. März sei “überraschend, ohne unmittelbare Zuständigkeit und ohne Vorbereitung” erfolgt, erklärte der ehemalige Richter des Obersten Gerichtshofs.

Der Experte ortet hier Kommunikationsprobleme zwischen dem Bund und dem Land Tirol. Die Verkündung der Quarantäne, die zu Chaos bei der Abreise von ausländischen Gästen geführt hatte, hätte besser vorbereitet werden müssen, hieß es. Es habe keinen Evakuierungsplan gegeben. Die Touristen hätten darüber informiert werden sollen, dass sie nicht alle auf einmal, sondern über das Wochenende gestaffelt und kontrolliert abreisen sollen. Vielmehr hätten die Gäste ihre Hotelzimmer überhastet verlassen, seien mit Skischuhen zu den Autos gelaufen und hätten das Paznauntal verlassen, ohne dass bei der Abreise ihre Daten aufgenommen wurden, hieß es.

In Ischgl, das als Partyhochburg unter den Skigebieten bekannt ist, hatten sich rund 11.000 Menschen infiziert und das Virus dann in ganz Europa und darüber hinaus verbreitet. Darunter waren auch viele deutsche Urlauber. Der erste bestätigte Fall in Ischgl war ein Angestellter einer Apres-Ski-Bar namens Kitzloch. Er wurde am 7. März positiv getestet.

Das sechsköpfige Expertenteam hat die Vorgänge in Ischgl monatelang untersucht und dafür 53 Personen befragt. Darunter waren infizierte Touristen, Hoteliers, Vertreter der Seilbahn- und der Tourismuswirtschaft sowie Verantwortliche auf Bezirks-, Landesebene und Bundesebene. Schuldige nennen die Experten keine. Auch sehen sie keine Anhaltspunkte, dass Touristiker oder Seilbahnbetreiber Einfluss auf die Behörden genommen hätten.

Die Corona-Verbreitung in Ischgl hat ein juristisches Nachspiel. Ein privater Verbraucherschutzverein hat im Namen von vier Personen Schadenersatzklagen gegen die Republik Österreich eingereicht. Den Verantwortlichen wird vorgeworfen, zu spät und fehlerhaft reagiert zu haben. Insgesamt hätten sich mehr als 6000 Tirol-Urlauber aus 45 Staaten bei dem Verein als Geschädigte gemeldet. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck ermittelt zudem im Zusammenhang mit Ischgl gegen vier Personen wegen vorsätzlicher oder fahrlässige Gefährdung von Menschen.

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