March 12, 2020 / 11:19 AM / 24 days ago

Österreich ergreift drastische Mittel zur Virus-Eindämmung

A medic conducts a swab test during a media event at a drive-through coronavirus testing checkpoint in Munich, Germany, March 11, 2020. REUTERS/Andreas Gebert

Wien (Reuters) - Österreich verschärft nach dem ersten Coronavirus-Todesopfer im Land die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des neuartigen Virus.

“Wir müssen aufgrund der nach wie vor rasant ansteigenden Kurve an Infektionen konsequente Maßnahmen setzen”, sagte Kanzler Sebastian Kurz am Donnerstag in Wien. Ziel sei es, die sozialen Kontakte spätestens ab Montag auf ein Minimum zu reduzieren, um die Ausbreitung einzudämmen. Alles, was nicht unbedingt notwendig ist, solle nicht mehr stattfinden, appellierte Kurz an die Bevölkerung. Das gelte für die Familienfeier genauso wie für den sonntäglichen Gottesdienstbesuch, Hochzeiten, Taufen oder andere religiöse Feste.

Ab Montag werden die ersten Schulen zumindest bis Ostern geschlossen. Ab Mittwoch findet landesweit kein Unterricht mehr statt und auch Kindergartenkinder sollen zuhause bleiben. Für die unter 14-jährigen Kinder soll es eine Betreuung in den Schulen geben. Bevorzugt soll dies aber nur von jenen Eltern in Anspruch genommen werden, die arbeiten gehen müssen - vor allem jene, die im Bereich der kritischen Infrastruktur wie Pflege, Polizei, Supermärkte oder Apotheken tätig sind. Eltern mit Betreuungspflichten für kleinere Kinder können von ihren Arbeitgebern bis zu drei Wochen Sonderurlaub bekommen, sagte Kurz. Die Entscheidung darüber treffe aber der Arbeitgeber. Im Falle einer Freistellung übernehme der Staat ein Drittel der Lohnkosten bis Ostern. Keinesfalls sollten die Kinder zur Betreuung zu den Großeltern gebracht werden, da diese bestmöglich geschützt werden sollen, betonte Kurz.

Auch Besuche in Krankenhäusern wurden untersagt und alle nicht dringenden Operationen sollen auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Zudem schottet sich Österreich als Nachbarland zu dem besonders schwer vom Coronavirus betroffenen Italien ab. Es wurde ein Einreiseverbot für Menschen aus Italien beschlossen. Die Grenze darf nur mit einem ärztlichen Attest passiert werden. Ausnahmen gibt es für Durchreisende und Personen, die sich 14 Tage in häusliche Quarantäne begeben können. Zudem wurde der Flugverkehr zwischen Österreich und Italien eingestellt sowie der Personen-Zugverkehr. Der Güterverkehr könne - vor allem auf der wichtigen Nord-Süd-Route über den Brennerpass - ungehindert passieren, sagte Innenminister Karl Nehammer.

Auch die berühmte Wiener Staatsoper sowie einige Museen und Theater sind bereits geschlossen. Indoor-Veranstaltungen mit über 100 Menschen wurden behördlich verboten.

Insgesamt zählt Österreich mittlerweile 361 Coronavirus-Fälle. Am Donnerstag gab es das erste Todesopfer. Dabei handele es sich um einen 69-jährigen Mann, der aus Italien zurückgekehrt sei und Vorerkrankungen gehabt habe, teilte die Stadt Wien mit. Kurz erwartet einen weiteren massiven Anstieg bei der Zahl der Infizierten. Es sei damit zu rechnen, dass in einigen Tagen die Tausendergrenze, eine Woche darauf die Zehntausendergrenze erreicht werde.

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