October 11, 2008 / 12:50 PM / 10 years ago

Trauer in Kärnten nach Haiders Tod bei Autounfall

Wien (Reuters) - Der österreichische Rechtspopulist Jörg Haider ist am Samstag bei einem Autounfall ums Leben gekommen.

Leader of Austria's Buendnis Zukunft Oesterreich (BZOe) party (Alliance for Austria's future) Joerg Haider addresses the media during a news conference in Vienna in this January 17, 2007 file photo. Haider was killed in a car accident on October 11, 2008 near his home town of Klagenfurt, police said. The 58-year-old governor of Austria's Carinthia province died after suffering major head and chest injuries when the government car he was driving went out of control and rolled down an embankment, police said. He was alone in the car. Police said they were investigating the cause of the crash. REUTERS/Leonhard Foeger/Files (AUSTRIA)

Der 58-Jährige verlor kurz nach 01.15 Uhr morgens auf dem Heimweg von einer Feier die Kontrolle über seinen Wagen. Das Auto streifte eine Böschung und überschlug sich mehrmals. Der Kärntner Regierungschef starb an schweren Kopf- und Brustverletzungen. Er war allein unterwegs.

Der Wagen Haiders sei erst nach etwa 35 Metern zertrümmert zum Stehen gekommen, sagte der Klagenfurter Polizeichef Ernst Frießnegger. Davor habe das Auto einen Zaun durchbrochen und sei gegen ein Verkehrsschild und einen Betonsockel geprallt. Kurz vor dem Unfall habe Haider ein Auto überholt, sagte Frießnegger.

Die Rettungskräfte konnten Haider nicht mehr helfen. Die Notärztin habe ihn mit schwersten Kopfverletzungen angeschnallt im Wagen vorgefunden, sagte der Arzt Thomas Koperna. Die Fahrertür sei abgerissen gewesen. “Die Halswirbelsäule war wahrscheinlich gebrochen und der linke Oberarm war nahezu abgetrennt”, sagte Koperna. Haider kam tot im Krankenhaus an.

Haider habe sich das Wochenende freigenommen und auch seinem Chauffeur freigegeben, sagte sein Stellvertreter Gerhard Dörfler. Er fuhr nachts im Dienstwagen zu seinem Haus im Bärental. Haiders Familie plante am Samstag ein Fest zum 90. Geburtstag seiner Mutter. “Für uns ist das wie ein Weltuntergang”, sagte Haiders Sprecher Stefan Petzner. In Kärnten wurden schwarze Flaggen gehisst. Trauernde legten an der Unfallstelle und vor Haiders Regierungssitz Blumen nieder und zündeten Kerzen an.

Österreichs Politiker nahmen Haiders Tod mit Bestürzung auf. Er sei nicht unumstritten gewesen, aber ein Politiker “von großer Begabung und Talent”, sagte Präsident Heinz Fischer. “Es ist eine menschliche Tragödie”, fügte er hinzu. Bundeskanzler Alfred Gusenbauer sagte, Haider habe die österreichische Innenpolitik über Jahrzehnte geprägt.

Dem Ansehen Österreichs schadete Haider mit seinen Äußerungen zur NS-Zeit. So hatte er 1991 die Beschäftigungspolitik des Dritten Reichs als “ordentlich” gelobt. Zuletzt trat Haider gemäßigt auf, blieb aber bei seiner Forderung nach einer strikten Begrenzung der Einwanderung nach Österreich und harscher Kritik an der Europäischen Union (EU).

Bei der Parlamentswahl vor knapp zwei Wochen feierte Haider mit dem Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) einen Wahlerfolg. Die Partei konnte ihren Stimmenanteil auf elf Prozent nahezu verdreifachen. Als Landeshauptmann (Ministerpräsident) des südlichen Bundeslandes Kärnten war Haider beliebt. Er hätte alle Chancen gehabt, die Landtagswahl im nächsten Jahr erneut zu gewinnen. In Kärnten regierte er seit fast zehn Jahren.

Haider stand für den Aufstieg der Freiheitlichen Partei (FPÖ) in Österreich. Er übernahm die Partei 1986 und führte sie von Wahlerfolg zu Wahlerfolg und in die Bundesregierung. Bei der Parlamentswahl 1999 wurde sie mit 27 Prozent der Stimmen zweitstärkste Kraft des Landes. Die FPÖ regierte mit der konservativen Volkspartei (ÖVP) von 2000 bis 2005. Aus Protest gegen die Regierungsbeteiligung der FPÖ verhängte die EU Sanktionen gegen Österreich, die einige Monate in Kraft blieben.

Im Jahr 2005 spaltete Haider die FPÖ und gründete das BZÖ, das die Koalition mit der ÖVP bis 2006 fortsetzte. FPÖ und BZÖ waren nach der Trennung verfeindet, hatten sich aber vor einigen Tagen angenähert. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache zeigte sich schockiert über Haiders Tod. “Bei aller Auseinandersetzung in den letzten Jahren muss man Jörg Haider hohen Respekt und Anerkennung zollen”, sagte er.

Haider war verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Töchtern.

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