August 30, 2018 / 6:45 AM / 25 days ago

Handelsdeal von USA und Mexiko gibt Voestalpine Rückenwind

- von Alexandra Schwarz-Goerlich und Kirsti Knolle

The logo of Austrian specialty steelmaker Voestalpine is seen in front of the company's premises in Linz, Austria August 24, 2017. REUTERS/Heinz-Peter Bader

Wien (Reuters) - Das neue Handelsabkommen zwischen den USA und Mexiko lässt den österreichischen Stahlkonzern Voestalpine aufatmen.

“Damit zeigt sich, dass unser Schritt, die Produktion von den USA teilweise nach Mexiko zu verlagern der richtige war”, sagte Konzernchef Wolfgang Eder in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. “Wenn jetzt alles, was von Mexiko in die USA geht, nicht mehr beaufschlagt wird, dann ist das ein positiver Effekt für uns.” Die Linzer haben wegen der von US-Präsident Donald Trump verhängten Zölle in Höhe von 25 Prozent auf Stahlprodukte im Frühjahr begonnen, Teile der Produktion für die Autoindustrie nach Mexiko zu verlagern. Im Herbst soll der Schritt, der laut Eder relativ einfach umzusetzen ist, abgeschlossen sein.

Die USA und Mexiko haben sich nach monatelangem Ringen zu Wochenbeginn auf ein neues Handelsabkommen geeinigt. Teile eines Autos müssen künftig zu 75 Prozent aus einem der beiden Länder kommen, wenn das Fahrzeug zollfrei handelbar sein soll. Zuvor waren es 62,5 Prozent. Die Voestalpine zählt in Mexiko sieben Standorte, an denen vor allem Karosseriebauteile für die großen deutschen Premium-Automobilhersteller hergestellt werden. Auch die deutschen Autobauer profitieren von einem reibungslosen Handel zwischen den USA und Mexiko, denn sie verkaufen in Mexiko produzierte Fahrzeuge auf dem US-Markt. Wie viel Voestalpine durch die Produktionsverlagerung umgehen könne, wollte Eder nicht beantworten. “Es wäre unseriös, eine Ziffer zu nennen, die Dinge sind viel zu sehr im Fluss.”

Grundsätzlich seien die Auswirkungen der Zölle überschaubar. Maximal 400 Millionen Euro des 1,3 Milliarden Euro schweren US-Geschäftes seien betroffen. Die Linzer haben 48 amerikanische Standorte. Die US-Werke seien von den Zöllen nicht betroffen, da sie als amerikanische Betriebe gelten.

Insgesamt erreichte der Konzern mit weltweit knapp 52.000 Mitarbeitern im Geschäftsjahr 2017/18 einen Rekordumsatz von 12,9 Milliarden Euro. Bis 2020/21 peilt Eder einen Umsatz von 15 Milliarden Euro an. “Wenn wir in diesem Jahr gut 13 Milliarden Euro erreichen, sind die 15 Milliarden Euro in zwei Jahren kein unrealistisches Ziel.”

3000 ZOLLAUSNAHMEN BEANTRAGT

Sorgen bereiten vielmehr die Stahlimporte aus Europa in die USA. Um weiterhin exportieren zu können, hat Voestalpine - wie andere Firmen auch - Zoll-Ausnahmen beantragt, da etwa bestimmte Spezialstähle in den US-Stahlwerken überhaupt nicht hergestellt würden. “Wir haben 3000 Ausnahmeanträge gestellt und in den letzten Tagen erste Antworten bekommen”, sagte Eder. Von bisher 37 Antworten sei ein Drittel positiv, zwei Drittel negativ. Für allgemeine Rückschlüsse sei es aber noch zu früh, betonte der Firmenchef. Der 66-Jährige gibt im kommenden Sommer nach 15 Jahren an der Spitze des Konzerns das Ruder an seinen Vorstandskollegen Herbert Eibensteiner ab, der derzeit die Sparte Stahl leitet.

US-AUTOBAUER ZEIGEN INTERESSE AN VOESTALPINE-PRODUKTEN

Grundsätzlich sei der US-Markt für Voestalpine nach wie vor attraktiv. “Die Nachfrage in den USA nach Autos ist stabil hoch, vor allem nach europäischen Autos”, sagte Eder. Anzeichen einer Abschwächung seien nicht erkennbar. Allerdings müsse man auch sehen, dass es seit vier Jahren nur nach oben gegangen sei. Die Herausforderung sei derzeit eher, wie man das Wachstum kontrolliert steuern könne. Die Automotive-Sparte ist mit einem Anteil von 34 Prozent der wichtigste Kundenbereich. Ein Wachstum um das eine oder andere zusätzliche Prozent sei noch machbar, “massiv höher darf es aber nicht gehen.” Erfreulich sei auch, dass die Voestalpine nun eine Größe erreicht habe, um von den US-Riesen beachtet zu werden. “Die amerikanischen Autohersteller zeigen zunehmendes Interesse, von uns beliefert zu werden”. Ähnliches gelte für chinesische Autobauer.

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