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Weltnachrichten

EZB-Chefvolkswirt redet Defizitsünder Portugal ins Gewissen

The new European Central Bank (ECB) headquarters is pictured in Frankfurt January 21, 2015. REUTERS/Kai Pfaffenbach/File Photo

Berlin (Reuters) - Das von Investoren zusehends kritisch beäugte Portugal darf laut EZB-Chefvolkswirt Peter Praet die Warnsignale des Marktes nicht ignorieren.

Mit Blick auf die verstärkte Vorsicht der Anleger sagte er der portugiesischen Zeitung “Publico” (Montagausgabe): “Portugal sollte diese Botschaft nicht vergessen: Die Marktdisziplin ist noch da.” Die Investoren seien in Sorge, allerdings nicht übermäßig. Auf Portugal lasten Schulden von mehr als 130 Prozent der Wirtschaftsleistung. Mit Blick auf das Anleihenkaufprogramm der EZB müsse der Regierung in Lissabon klar sein, dass die Europäische Zentralbank nur Papiere mit vergleichsweise geringer Ausfallwahrscheinlichkeit kaufe. Es könne zwar Ausnahmeregelungen geben. Aber dazu müsse das entsprechende Land an einem Rettungsprogramm teilnehmen. “Hier gibt es keine Unklarheit”, sagte der Belgier.

Portugal war 2011 unter den EU-Rettungsschirm geflüchtet und konnte ihn erst 2014 verlassen, nachdem es mit 78 Milliarden Euro vor der Pleite bewahrt worden war. Nun profitiert das Land vom Anleihenkaufprogramm der EZB, das Portugal wie auch andere Euro-Staaten faktisch vor höheren Kreditkosten am Markt bewahrt. Doch Portugals Teilnahme hängt am seidenen Faden: Die Ratingagentur DBRS bestätigte zuletzt gerade einmal die Mindestanforderung für die Kreditwürdigkeit und bewahrte es davor, aus dem Programm herauszufallen.

An den Anleihemärkten muss Portugal weit höhere Zinsen für frisches Geld zahlen als etwa Spanien. So rentierten zehnjährige portugiesische Anleihen zuletzt mit rund 3,1 Prozent, während das spanische Pendant nur einen Zins von rund 1,5 Prozent einbrachte. Die Vorsicht der Investoren ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass die linke Regierung in Lissabon Reformen zurückgedreht hat. Laut Praet stehen hinter den Etat-Planungen Fragezeichen: “Was heißt eine Rückkehr zur 35-Stunden-Woche beispielsweise für den Haushalt?” Anfang Juli will Brüssel die Lage des Defizitsünders Portugal und auch Spaniens unter die Lupe nehmen.

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