February 21, 2018 / 11:09 AM / 4 months ago

Syrische Rebellen-Enklave Ost-Ghuta unter massivem Beschuss

Beirut/Ankara (Reuters) - Zur Vorbereitung einer Bodenoffensive haben regierungstreue Truppen die syrische Rebellen-Enklave Ost-Ghuta am Mittwoch weiter massiv angegriffen.

A man rides on a motorbike at a damaged site in the rebel held besieged town of Hamouriyeh, eastern Ghouta, near Damascus, Syria, February 21, 2018. REUTERS/Bassam Khabieh

Nach einer kurzen Kampfpause in der Nacht habe der Raketenbeschuss und die Bombardierung des Gebiets im Umland der Hauptstadt Damaskus am Morgen wieder zugenommen, teilte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Dabei seien aus Hubschraubern auch Fassbomben abgeworfen worden. Die Zahl der Opfer des Sonntag begonnenen Bombardements sei auf mindestens 310 Tote und 1550 Verletzte gestiegen.

Die Bundesregierung forderte Russland und Iran auf, die syrische Regierung bei ihren Angriffen auf Rebellen und Zivilisten zu bremsen. Die UN und Frankreich forderten eine Feuerpause, um Zivilisten evakuieren zu können. In der Grenzregion Afrin flog die türkische Luftwaffe nach Angaben der syrischen Kurdenmiliz YPG neue Angriffe. Zudem beschossen sich beide Seiten.

Die Bombardements von Ost-Ghuta sind Teil einer verstärkten Kriegsführung an mehreren Fronten, mit der der von Russland unterstützte Präsident Baschar al-Assad den Sieg in dem fast siebenjährigen Bürgerkrieg erzwingen will. Nach Angaben der Beobachtungsstelle wurden Hunderte Raketen abgefeuert sowie Fassbomben abgeworfen. Russland und Syrien bestreiten den Einsatz dieser Bomben, die wegen ihrer verheerenden Sprengkraft und Splitterwirkung von den Vereinten Nationen geächtet sind.

Ein Kommandeur der Allianz aus Regierungstruppen und verbündeten Milizen erklärte, mit der Bombardierung solle Beschuss von Damaskus aus dem Rebellengebiet heraus unterbunden werden. Zudem bereite man damit eine Bodenoffensive vor. Laut staatlichen Medien schlugen in Damaskus aus dem Rebellengebiet abgefeuerte Granaten ein und verletzten am Mittwoch zwei Menschen. “Wir warten nur darauf, bis wir an der Reihe sind zu sterben”, sagte ein Einwohner.

“WO IST RUSSLAND?”

“Man muss sich fragen: Wo sind Russland, wo ist Iran”, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Ohne diese Länder wäre Assad militärisch gar nicht da, wo er sei, und hätte auch mehr Verhandlungsbereitschaft zeigen müssen. Assad führe keinen Kampf gegen Terroristen, sondern einen Feldzug gegen die eigene Bevölkerung. Russland wies dagegen jedwede Mitverantwortung für die Toten von Ost-Ghuta zurück. Laut Beobachtergruppe sind offenbar viele dort eingesetzte Flugzeuge von der russischen Luftwaffe. Sie könnten gut von syrischen Maschinen unterschieden werden, da sie höher flögen. Der russische Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow nannte die Vorwürfe haltlos.

Ost-Ghuta ist das letzte größere von Rebellen kontrollierte Gebiet nahe Damaskus. In dem seit 2013 von Regierungstruppen eingeschlossen Gebiet leben 400.000 Menschen. UN-Generalsekretär Antonio Guterres fordert die sofortige Einstellung aller Kampfhandlungen. Die Menschen in Ost-Ghuta lebten in der “Hölle auf Erden”. Auch der französische Präsident Emmanuel Macron forderte eine Feuerpause, um die Zivilisten herausbringen zu können. Bei den jüngsten Angriffen wurden nach Angaben von Hilfsorganisationen auch mindestens acht Krankenstationen getroffen. Die syrische Armee und Russland bestreiten, Zivilisten ins Visier zu nehmen.

Das Rote Kreuz (IKRK) forderte Zugang zu Ost-Ghuta, um den eingeschlossenen Menschen Hilfe und medizinische Versorgung bringen zu können. “Dieser Wahnsinn muss aufhören”, sagte die IKRK-Vertreterin in Syrien, Marianne Gasser.

IN AFRIN BESCHIESSEN SICH REBELLENMILIZEN

Unterdessen setzte die Türkei ihre Angriffe auf die zum größten Teil von der kurdischen YPG-Miliz kontrollierte Region Afrin fort. Auch die wichtigste Stadt in der Region sei dabei Ziel gewesen, teilte die Beobachtungsstelle mit. Am Mittwoch flog die türkische Luftwaffe nach Angaben der Kurdenmiliz Angriffe auf eine Stadt. Ein YPG-Vertreter und ein Kommandeur der nach Afrin eingerückten regierungstreuen schiitischen Milizen wiesen türkische Darstellungen zurück, sie seien nach Angriffen der Türkei und ihrer verbündeten syrischen Rebellen auf dem Rückzug. Vielmehr habe man das Feuer gegen die von der Türkei unterstützten Rebellen erwidert.

Der türkische Präsidialamtssprecher Ibrahim Kalin wiederholte die Drohung gegen Syrien wegen dessen Unterstützung der YPG, die von der Türkei als verlängerter Arm der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK bekämpft wird. Jedwede Unterstützung der “YPG-Terrororganisation bedeutet, dass sie direkt Partei für terroristische Organisationen ergreifen und daher legitime Ziele für uns werden”.

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