March 11, 2018 / 2:13 PM / in 3 months

Syrische Armee weitet Angriffe auf Rebellen in Ost-Ghuta aus

Beirut (Reuters) - Nach einem Vorstoß der syrischen Armee in die Rebellen-Hochburg Ost-Ghuta haben sich Regierungssoldaten und Aufständische Beobachtern zufolge auch am Sonntag heftige Gefechte geliefert.

A Syrian army soldier is seen securing Syrian Arab Red Crescent trucks carrying aid at the entrance of Wafideen camp in Damascus, Syria March 5, 2018. REUTERS/Omar Sanadiki

An mehreren Fronten gebe es schwere Kampfhandlungen, teilte die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Die Truppen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad isolierten mittlerweile die beiden Städte Harasta und Duma voneinander und spalteten damit die Enklave auf, die zu den letzten von Rebellen kontrollierten Gebieten im Land zählt. Im Nordwesten Syriens erreichten unterdessen türkische Truppen die Außenbezirke der von kurdischen Milizen kontrollierten Stadt Afrin, wie die Beobachtungsstelle weiter mitteilte.

In Ost-Ghuta werde der Artilleriebeschuss der Regierungstruppen durch kontinuierliche Luftangriffe flankiert, hieß es weiter. Bei der vor drei Wochen gestarteten Offensive seien mittlerweile mehr als 1100 Zivilisten ums Leben gekommen. Die Enklave sei mittlerweile in drei Teile zerfallen. Der staatliche Fernsehsender berichtete von der Einnahme der Stadt Mesraba, die an der letzten Verbindung zwischen der nördlichen und südlichen Hälfte des von Rebellen kontrollierten Gebiets liegt.

Vertreter der Rebellen teilten unterdessen mit, weiterkämpfen zu wollen. Gruppierungen der Freien Syrischen Armee sagten am Samstagabend, sie wollten nicht aufgeben und lehnten einen bereits ausgehandelten Rückzug ab. Am späten Freitagabend hatte eine kleine Gruppe aufständischer Kämpfer mit ihren Familien die eingeschlossene Region verlassen und sich auf den Weg in eine von der Opposition gehaltene Gegend im Nordwesten des Landes gemacht. Die beiden größten Rebellengruppen gaben aber an, in Ost-Ghuta bleiben und für sich und ihre Familien keine entsprechende Vereinbarung aushandeln zu wollen.

WICHTIGE VERBINDUNGSSTRASSEN UNTER BESCHUSS

Die Rebellen haben in den vergangenen Wochen bereits mehr als die Hälfte der Enklave an Assads Truppen verloren. Durch den Vorstoß kamen wichtige Verbindungsstraßen unter Beschuss. Aktivisten und Kämpfer in Ost-Ghuta berichteten zuletzt von Bombardierungen, die Brände und Brandverletzungen verursacht hätten. Ärzte vor Ort sprachen von Chlorgeruch und Erstickungssymptomen. Die syrische Regierung weist jedoch Vorwürfe zurück, Brandbomben oder Chemiewaffen eingesetzt zu haben. Es lägen Informationen vor, denen zufolge die Aufständischen einen chemischen Angriff vortäuschen wollten, um die Armee zu diskreditieren.

US-Verteidigungsminister Jim Mattis warnte Assad unterdessen bei einer Reise in den Oman vor Giftgas-Einsätzen. Dies wäre “sehr unklug” von der syrischen Regierung. Mattis drohte zwar nicht mit einem Vergeltungsschlag, betonte aber, Präsident Donald Trump habe “vollen politischen Handlungsspielraum” für jede Entscheidung, die er für angemessen halte. Mattis erinnerte an den US-Raketenangriff auf einen syrischen Fliegerhorst nach einem Angriff mit dem Nervengas Sarin.

Die Rückeroberung von Ost-Ghuta wäre für Assad der größte Erfolg gegen die Aufständischen seit der Einnahme von Aleppo im Dezember 2016. Assad und sein Hauptverbündeter Russland wollen nach eigenen Angaben mit dem Vorstoß den Beschuss der Hauptstadt Damaskus durch Aufständische unterbinden. Wie bei früheren Angriffen setzen die Regierungstruppen dabei vor allem auf massive Luftschläge sowie eine Belagerung der Rebellengebiete. Aufständische gaben an, bei Gegenangriffen in den vergangenen Tagen mehrere Stellungen zurückerobert zu haben.

In der belagerten Rebellen-Enklave sind UN-Schätzungen zufolge rund 400.000 Menschen eingeschlossen. Es fehlt an Nahrung, Medikamenten und Trinkwasser. Die Kampfhandlungen behindern dringend benötigte Hilfslieferungen in das Gebiet. Hilfsorganisationen hatten zuletzt am Freitag einen Versuch der Versorgung der hungernden Bevölkerung in der Region gestartet und 13 Lastwagen mit Nahrungsmittelpaketen losgeschickt.

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