February 22, 2018 / 4:36 PM / 10 months ago

Kein Ende der Bombardierung des syrischen Ost-Ghuta in Sicht

Civil defence help a man from a shelter in the besieged town of Douma in eastern Ghouta in Damascus, Syria, February 22, 2018. REUTERS/ Bassam Khabieh

Amman/Berlin (Reuters) - In der belagerten syrischen Rebellenenklave Ost-Ghuta ist kein Ende der Bombardierung in Sicht.

Zwar sollte der UN-Sicherheitsrat noch am Donnerstag über eine Feuerpause beraten. Doch die Veto-Macht Russland als Syriens Verbündeter stellte für ihre Zustimmung Bedingungen, die kaum auf einen Stopp der Angriffe hindeuten. Auch am Donnerstag wurden die Orte östlich der Hauptstadt Damaskus bombardiert. Der UN-Sonderbeauftragte Staffan de Mistura und Kanzlerin Angela Merkel sprachen von einem Massaker. Im nordsyrischen Afrin bezogen regierungstreue Milizen Positionen an der Front, um die syrische Kurdenmiliz YPG im Kampf gegen die türkische Offensive zu unterstützen.

Seit Sonntag liegt das letzte größere von Rebellen kontrollierte Gebiet nahe Damaskus nahezu unter Dauerbeschuss. Mindestens 368 Menschen wurden nach Angaben der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte getötet, darunter 150 Kinder. Mehr als 1850 wurden verletzt. In dem seit 2013 von Regierungstruppen eingeschlossen Gebiet leben 400.000 Menschen, die hungern und wegen zerstörter Krankenhäuser kaum noch medizinisch versorgt werden können. Die Bombardements sind Teil einer Offensive an mehreren Fronten, mit der Präsident Baschar al-Assad den Sieg erzwingen will.

Nach Darstellung von Einwohnern und Rebellen bombardierten russische Flugzeuge aus größer Höhe mehrere Ortschaften in der Enklave. Hubschrauber hätten die wegen ihrer Splitterwirkung geächteten Fassbomben über Marktplätze und Gesundheitszentren abgeworfen, berichteten Rettungskräfte. Einwohner und die Opposition werfen der syrischen Regierung vor, durch Zerstörung der Infrastruktur eine Politik der verbrannten Erde zu verfolgen. Die syrische Armee und Russland bestreiten, zivile Einrichtungen ins Visier zu nehmen.

MERKEL: ASSAD FÜHRT KRIEG GEGEN DAS EIGENE VOLK

Merkel warf Assads Regierung vor, Krieg nicht gegen Extremisten, sondern das eigene Volk zu führen. “Die Tötung von Kindern, das Zerstören von Krankenhäusern - all das ist ein Massaker, das es zu verurteilen gilt.” Die Europäer müssten sich stärker um ein Ende des Konflikts bemühen. “Diese Aufforderung gilt auch für die Verbündeten des Assad-Regimes, ganz besonders Iran und Russland.” Außenminister Sigmar Gabriel nahm nach Angaben seines Ministeriums Kontakt zu Russland und UN-Generalsekretär Antonio Guterres auf, um für einen Waffenstillstand und größeren Schutz von Kindern und Familien einzutreten. Sollte ein Waffenstillstand nicht schnell erreichbar sein, müssten sie notfalls in Sicherheit gebracht werden.

De Mistura sagte, er hoffe, dass sich der Sicherheitsrat in der von Russland beantragten Sitzung auf den Aufruf zur Feuerpause verständigen könne. Russlands Außenminister Sergej Lawrow sagte, sein Land sei bereit, eine 30-tägige Feuerpause in Betracht zu ziehen. Allerdings müsste davon die Bekämpfung von Islamistengruppen wie IS und Nusra-Front ausgenommen sein, die Wohngebiete in Damaskus beschössen.[nL8N1QC6CR] Nach Darstellung von Rebellen in Ost-Ghuta nehmen Russland und Syrien die Anwesenheit einer kleinen Anzahl Nusra-Kämpfer als Vorwand, um die Belagerung und Bombardierung fortzusetzen. Der russische Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow sagte, verantwortlich für die Lage in Ost-Ghuta seien diejenigen, die Terroristen unterstützten. Russland, Syrien und der Iran führten dagegen “einen totalen Krieg gegen Terroristen”.

In der nordsyrischen Region Afrin rückten nach Angaben der Kurdenmiliz YPG Hunderte Kämpfer regierungstreuer Milizen bis zur Front vor. Allerdings seien nicht genügend Milizionäre entsandt worden, um den türkischen Vormarsch stoppen zu können, sagte YPG-Sprecher Nuri Mahmud. Daher müsse die syrische Armee eingreifen und die Staatsgrenze schützen. Die Armee schickte keine regulären Einheiten, sondern Milizen. Damit vermeidet sie eine direkte Konfrontation mit der Türkei, die im Januar eine Offensive gegen die YPG in Afrin startete, die sie als verlängerten Arm der Kurdischen Arbeiterpartei PKK betrachtet.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below