March 7, 2018 / 12:09 PM / 6 months ago

Syrien erhöht militärischen Druck auf Rebellen in Ost-Ghuta

Beirut (Reuters) - Syrische Regierungskräfte haben ihren Kampf um die Rebellenhochburg Ost-Ghuta bei Damaskus intensiviert.

Smoke rises from the besieged Eastern Ghouta in Damascus, Syria, February 27, 2018. REUTERS/ Bassam Khabieh

Die Luftwaffe bombardierte am Mittwoch die Stadt Mesraba in dem Versuch, das Gebiet zu teilen. Das staatliche Fernsehen berichtete, mit dem Angriff solle ein Vormarsch der Bodentruppen vorbereitet werden. Nach Erkenntnissen der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden zusätzliche 700 Kämpfer regierungstreuer Milizen an der Front zusammengezogen. In den vergangenen Tagen hätten Regierungstruppen etwa 45 Prozent des Gebietes erobert. Die UN bezweifelten die rechtliche und die moralische Grundlage für die Angriffe. Das von islamistischen Gruppen kontrollierte Ost-Ghuta ist die letzte Rebellenhochburg in der Nähe der Hauptstadt.

In Live-Übertragungen des staatlichen Fernsehens waren große Rauchwolken über Mesraba zu sehen. Zugleich war der Lärm von Düsenjets und Explosionen zu hören. Die Menschen in Ost-Ghuta würden schon bald in die “Arme des Staates” zurückkehren, sagte ein Oberst der Armee. Für den Aufstand gegen Präsident Baschar al-Assad wäre eine Niederlage in Ost-Ghuta der schwerste Rückschlag nach dem Verlust der Stadt Aleppo Ende 2016.

Die syrische und die mit ihre verbündete russische Regierung begründen das Vorgehen damit, den Beschuss der Hauptstadt durch Rebellen zu stoppen. Nach Angaben der Beobachtungsstelle kamen dabei seit Mitte Februar 27 Menschen ums Leben, die staatlichen Medien sprechen von mehr Toten. Bei den Luftangriffen wurden in Ost-Ghuta im selben Zeitraum der Beobachtungsstelle zufolge 800 Menschen getötet. In der Region leben laut Vereinten Nationen rund 400.000 Menschen.

Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte Zeid Ra’ad al-Hussein wies die Rechtfertigung für die Angriffe zurück. “Versuche, willkürliche, brutale Angriffe auf Hunderttausende Zivilisten - wie in Ost-Ghuta - mit der Notwendigkeit der Bekämpfung einiger Hundert Kämpfer zu begründen, sind rechtlich und moralisch unhaltbar.” Aussagen der syrischen Regierung, sie unternehme alles, um die Zivilbevölkerung zu schützen, seien schlichtweg lächerlich.

Die Regierungstruppen belagern das Gebiet seit Jahren. Der Bevölkerung fehlte es bereits vor der jüngsten Offensive an Lebensmitteln und Medikamenten. Diese Woche erreichte ein Hilfskonvoi Ost-Ghuta. Die meisten Medikamente mussten auf Anweisung der syrischen Behörden jedoch zuvor ausgeladen werden, und über ein Dutzend Lkw konnten nicht entladen werden, weil der Konvoi wegen anhaltender Luftangriffe vorzeitig das Kampfgebiet wieder verließ.

Meldungen russischer Nachrichtenagenturen zufolge sind einige Rebellen bereit, das russische Angebot eines freien Abzugs anzunehmen. Die Regierung in Moskau hat den Rebellen bei einem Abzug Straffreiheit zugesichert. Auch dürften sie ihre ihren Familien und persönlichen Waffen mitnehmen. Eine der wichtigsten Rebellengruppen hat das Angebot bereits abgelehnt.

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