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Syrische Armee bremst Vormarsch in Ost-Aleppo
30. November 2016 / 11:17 / in einem Jahr

Syrische Armee bremst Vormarsch in Ost-Aleppo

Beirut/Moskau (Reuters) - Nach der Einnahme eines Großteils der Rebellengebiete in Ost-Aleppo hat die syrische Armee ihren Vormarsch offenbar gebremst.

Syrians walk over rubble of damaged buildings, while carrying their belongings, as they flee clashes between government forces and rebels in Tariq al-Bab and al-Sakhour neighborhoods of eastern Aleppo towards other rebel held besieged areas of Aleppo, Syria November 28, 2016. REUTERS/Abdalrhman Ismail

Die Rebellen berichteten aber von einer Zunahme der Luft- und Artillerieangriffe. Rettungskräften zufolge kamen allein am Mittwoch mehr als 45 Menschen in Ost-Aleppo ums Leben. Unter ihnen seien vor allem Frauen und Kinder. Den Angriffen der Rebellen auf den von Regierungstruppen gehaltenen Westteil der Stadt fielen der Nachrichtenagentur Sana zufolge mindestens acht Menschen zum Opfer. Zudem gab es in beiden Stadtteilen zahlreiche Verletzte. Ein syrischer Militärvertreter sagte, der weitere Vormarsch verzögere sich, weil “die Terroristen versuchen, sich hinter den Zivilisten zu verstecken”. Mit Terroristen werden im offiziellen Sprachgebrauch alle Regierungsgegner bezeichnet.

Am Nachmittag teilte die syrische Armee mit, sie habe das Scheich-Said-Viertel im Süden Aleppos eingenommen. Nach russischen Angaben hat die syrische Armee auch die strategisch wichtige Castello-Straße komplett unter ihre Kontrolle gebracht. Dies ermögliche den Transport von Hilfsgütern in die bislang umkämpften Gebiete Aleppos. Die russische Luftwaffe habe seit 44 Tagen keine Angriffe mehr auf die Stadt geflogen.

Die syrische Armee hat in den vergangenen Tagen etwa die Hälfte des von Rebellen und Extremisten kontrollierten Gebietes zurückerobert. Ungeachtet dieser Verluste und zahlreichen Opfer kündigten Rebellenvertreter an, dass sie den Kampf fortsetzen wollten. “Ein Rückzug wird von den Gruppierungen abgelehnt”, sagte der Anführer einer in Aleppo ansässigen Rebellengruppe der Nachrichtenagentur Reuters.

RUSSLAND - KAMPF UM ALEPPO WOHL BIS JAHRESENDE ENTSCHIEDEN

Russland geht dennoch davon aus, dass der Kampf um Aleppo bis zum Jahresende entschieden ist. “Das hoffen wir natürlich”, sagte Vizeaußenminister Michail Bogdanow laut der Agentur RIA am Mittwoch. “Wir müssen diese Terroristen auf dieselbe Art und Weise vertreiben wie dies in Mossul und Rakka geschehen muss”, sagte Bogdanow. Am Dienstag hatte ein ranghoher Vertreter der Syrien unterstützenden Militärallianz erklärt, Ziel sei es, die Rebellen vor der für den 20. Januar geplanten Amtseinführung des designierten US-Präsidenten Donald Trump aus Aleppo zu vertreiben.

Infolge des syrischen Vormarsches haben Zehntausende Menschen Ost-Aleppo verlassen. Nach Angaben der in Großbritannien ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte flohen allein in den vergangenen vier Tagen mehr als 50.000 Menschen. Russland hat den Rebellen vorgeworfen, die Bewohner als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Die Kriegsbeobachter erklärten, Hunderte der Ost-Aleppo-Flüchtlinge würden von der syrischen Armee inhaftiert. In syrischen Militärkreisen wurde dem widersprochen. Es gebe keine Festnahmen. Allerdings gebe es sehr viele Flüchtlinge, die überprüft und versorgt werden müssten. Da unter den Flüchtlingen auch Kämpfer sein könnten, würden Personen mit unklarer Identität vorübergehend an speziellen Plätzen festgehalten.

Das Deutsche Rote Kreuz rief alle Konfliktparteien dazu auf, “sichere Fluchtwege zu garantieren sowie eine grundlegende Versorgung der Menschen mit Nahrung, Obdach, sauberem Trinkwasser und medizinischer Versorgung zuzulassen”. DRK-Präsident Rudolf Seiters sagte, das Rote Kreuz und der Rote Halbmond stünden für Hilfsaktionen bereit. “Doch dafür sind die notwendigen Sicherheitsgarantien von allen, die in Aleppo kämpfen, unerlässlich.” Russland erklärte unterdessen, es sei bereit, den freien Zugang von Hilfsorganisationen nach Ost-Aleppo zu gewährleisten. Bislang lägen aber noch keine Anfragen vor.

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