February 23, 2018 / 11:09 AM / 4 months ago

Neue Angriffe auf Ost-Ghuta vor geplanter UN-Resolution

Beirut/New York (Reuters) - Nur wenige Stunden vor der geplanten Abstimmung im UN-Sicherheitsrat über eine 30-tägige Waffenruhe in Ost-Ghuta hat am Freitag eine neue Angriffswelle die syrische Region erschüttert.

Smoke rises from the rebel held besieged town of Hamouriyeh, eastern Ghouta, near Damascus, Syria, February 21, 2018. REUTERS/Bassam Khabieh

Den sechsten Tag in Folge bombardierten Kampfflugzeuge das belagerte Gebiet östlich von Damaskus. Nach Informationen der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden seit Beginn der Bombardieren am Sonntag mindestens 426 Menschen getötet und Hunderte verletzt. Unter den Toten seien auch rund 100 Kinder. Nach Berichten medizinischer Helfer wurden zahlreiche Krankenhäuser getroffen. Eine Versorgung der Verletzten sei kaum noch möglich.

Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsgruppe berichtete über Luft- und Artillerieangriffe auf die Ortschaften Duma, Samalka, und andere Städte der Rebellenenklave. Ein Augenzeuge bezeichnete die Angriffe als die heftigsten bislang. Helfer und Rettungskräfte müssten immer wieder Menschen aus den Trümmern zerstörter Häuser graben. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete, von Ost-Ghuta aus seien Stadtbezirke von Damaskus mit Granaten beschossen worden. Im Gegenzug seien dort militärische Ziele angegriffen worden.

Der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, bekräftigte angesichts der Kämpfe seine Forderung nach einem sofortigen Waffenstillstand, um sowohl das Bombardement Ost-Ghutas als auch den Beschuss von Damaskus zu beenden. Außerdem müssten umgehend die Lieferung von Hilfsgütern in das belagerte Gebiet sowie die Evakuierung von Verletzten und Kranken ermöglicht werden.

UN-SICHERHEITSRAT SOLL ÜBER SYRIEN-RESOLUTION ABSTIMMEN

Ost-Ghuta wird seit 2013 von den Regierungstruppen belagert. Die Rebellen in der Enklave werden von islamischen Extremisten dominiert, die von dort aus auch immer wieder Damaskus beschossen haben. Die syrische und die russische Regierung erklärten, sie nähmen nur militärische Ziele unter Beschuss. Den Islamisten werfen sie vor, die Bevölkerung Ost-Ghutas als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen.

Rund 400.000 Menschen leben in dem Gebiet aus Vorstädten und landwirtschaftlichen Flächen vor den Toren der Hauptstadt. Die syrische Armee und regierungstreuen Truppen bereiten nach eigenen Angaben mit dem Bombardement eine Bodenoffensive vor, um die letzte Rebellenbastion bei Damaskus einzunehmen. Die Leidtragenden in dem Krieg zwischen Regierungsgegnern und Islamisten auf der einen Seite und der syrischen Armee und ihren russischen Verbündeten auf der anderen sind die in Ost-Ghuta lebenden Zivilisten.

Der UN-Sicherheitsrat soll im Laufe des Tages über eine Resolution für eine 30-tägige Waffenruhe abstimmen. Der Entwurf wurde von Schweden und Kuwait eingebracht. Ausgeschlossen von der Resolution sind radikale Gruppen wie die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS), Al-Kaida und die Nusra-Front. Syrien und Russland sagen, sie kämpfen in Ost-Ghuta gegen solche Gruppen. Unklar war, wie die UN-Vetomacht Russland abstimmen wird, die den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad unterstützt. Russland forderte Änderungen an dem Entwurf. Dadurch wurde am Donnerstag eine Einigung im Sicherheitsrat verhindert.

ANGRIFF AUF FAHRZEUGKONVOI IM GEBIET AFRIN

Im Norden Syriens griff die türkische Armee einen Fahrzeugkonvoi an, der in die umkämpfte Kurdenregion Afrin gefahren war. Nach türkischer Darstellung waren in den 30 bis 40 Fahrzeugen Kämpfer, Waffen und Munition für die Kurdenmiliz YPG, die von der türkischen Armee bekämpft wird. Die YPG erklärte, der Konvoi, der am Donnerstagabend in der Stadt Afrin eingetroffen sei, habe Zivilisten, Lebensmittel und Medikamente transportiert. In den Fahrzeugen seien Hunderte Menschen gewesen. Bei dem türkischen Beschuss seien einige Autos in Brand gesetzt worden. Ein Mensch sei getötet und mindestens zehn seien verletzt worden.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte am Freitag, die türkische Armee unternehme große Anstrengungen, um zivile Opfer in ihrem Kampf gegen die YPG zu vermeiden. Berichte über getötete Zivilisten wurden von Verteidigungsminister Nurettin Canikli zurückgewiesen.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) erklärte dagegen, sie habe drei türkische Angriffe in Afrin im vergangenen Monat untersucht. Dabei sei es zu zahlreichen zivilen Opfern gekommen. Bei Luft- und Artillerieangriffen auf eine Ansammlung von Zelten, eine Geflügelfarm und ein Haus seien 26 Zivilisten getötet worden, darunter 17 Kinder. Die türkische Offensive führe offenbar dazu, dass Zivilisten getötet und vertrieben würden, erklärte HRW.

Die türkische Armee marschierte im Januar ohne die Zustimmung der syrischen Regierung im Norden des Landes ein, um die YPG zu bekämpfen, die dort mehrere Gebiete unter ihre Kontrolle gebracht hat. Die Kurdenmiliz wird vom türkischen Nato-Partner USA mit Waffen und Beratern unterstützt. Sie trug einen großen Anteil an der Niederschlagung der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS). Aus türkischer Sicht handelt es sich bei der YPG aber um eine Terrororganisation mit engen Verbindungen zur Kurdischen Arbeiterpartei PKK, die für Autonomie der Kurden in der Türkei kämpft.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below