August 4, 2014 / 2:58 PM / 4 years ago

Libanon wird immer mehr in Syrien-Krieg hineingezogen

Lebanese army soldiers help an elderly Syrian refugee after he was evacuated from the Sunni Muslim border town of Arsal, in eastern Bekaa Valley August 4, 2014. The Lebanese army advanced on Monday into a border town attacked by Islamists at the weekend in the most serious spillover of the three-year-old Syrian civil war into Lebanon. More than 100,000 Syrian refugees are estimated to be living in and around Arsal. Syrian activists in the area say refugee camps have been heavily damaged during the fighting. Two army trucks were seen bringing several dozen civilians including women in headscarves and young children out of Arsal. REUTERS/Hassan Abdallah (LEBANON - Tags: POLITICS CIVIL UNREST MILITARY SOCIETY IMMIGRATION)

Beirut/Arsal (Reuters) - Der Krieg in Syrien greift zunehmend auf den Nachbarstaat Libanon über.

Bei Kämpfen zwischen der libanesischen Armee und militanten Islamisten im Grenzort Arsal seien 14 Soldaten getötet und 86 verwundet worden, teilte das Militär am Montag mit. 22 Angehörige der Armee würden vermisst. Das Militär nahm Gebiete um Arsal den dritten Tag in Folge unter Beschuss, um Kämpfer der Islamistengruppen Nusra-Front und Islamischer Staat (IS) aus dem Libanon zu vertreiben. IS kontrolliert weite Teile Syriens und des Irak. Syrische Rebellen hatten am Samstag eine Polizeiwache in Arsal gestürmt, nachdem libanesische Sicherheitskräfte einen ihrer Anführer festgenommen hatten.

Es werde keine politische Lösung im Konflikt mit den Islamisten geben, sagte der libanesische Ministerpräsident Tammam Salam, ein Sunnit. “Die einzige Lösung ist der Abzug der Radikalen aus Arsal und der Gegend.” Salam warf den Islamisten vor, ihr Reich auf den Libanon ausdehnen zu wollen. Dies werde das Land jedoch nicht zulassen. Er habe Frankreich gebeten, seine Waffenlieferungen an den Libanon zu beschleunigen. Saudi-Arabien bezahlt die Rüstungsgüter. Auch der einflussreichste sunnitische Politiker im Libanon, der frühere Ministerpräsident Saad al-Hariri, forderte, Arsal müsse von den Radikalen befreit werden. Der Staat werde ihren Plänen nicht tatenlos zuschauen, sagte er der Zeitung “Al-Hajat”.

Vorrückende Soldaten hätten in Arsal die Leichen von 50 militanten Islamisten gefunden, hieß es in libanesischen Sicherheitskreisen. Aus den Hügeln um die Stadt stieg dicker schwarzer Rauch auf. Eine Kolonne von Militärfahrzeugen fuhr nach Arsal, auf den Dächern Soldaten mit Sturmgewehren und Panzerfäusten. Die Armee erklärte, die Truppen hätten eine von den Islamisten eroberte Schule wieder unter ihre Kontrolle gebracht.

GRABEN ZWISCHEN SUNNITEN UND SCHIITEN WIRD TIEFER

Mit dem Überfall auf die Polizeiwache schwappte die Gewalt in Syrien erstmals in größerem Ausmaß auf den Libanon über, der sich noch immer von seinem eigenen Bürgerkrieg zwischen 1975 und 1990 erholt. In und um Arsal haben schätzungsweise mehr als 100.000 Syrer Zuflucht gefunden. Ihre Flüchtlingslager wurden nach Angaben syrischer Menschenrechtler durch die Kämpfe um Arsal schwer beschädigt. 17 Zivilisten seien getötet worden, sagte ein syrischer Arzt am Sonntag.

Arsal wird hauptsächlich von Sunniten bewohnt. Die Stadt auf der libanesischen Seite der Grenze liegt zwischen Gebieten, die von den syrischen Regierungstruppen kontrolliert werden, und libanesischen Regionen, in denen hauptsächlich Schiiten mit Sympathien für die Islamisten-Organisation Hisbollah leben. Der Krieg in Syrien vertieft immer mehr die Kluft zwischen den Schiiten im Libanon, die die hinter der Regierung des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad stehen, und den Sunniten, von denen die meisten den Aufstand gegen Assad unterstützen.

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