March 4, 2018 / 11:43 AM / 9 months ago

Syrer fliehen aus Rebellen-Enklave Ost-Ghuta vor Assad-Truppen

Beirut/Genf (Reuters) - Die syrische Armee ist nach eigenen Angaben am Wochenende in der Rebellen-Enklave Ost-Ghuta weiter vorgerückt und treibt einen Keil in das belagerte Gebiet.

Smoke rises from the besieged Eastern Ghouta in Damascus, Syria, February 27, 2018. REUTERS/ Bassam Khabieh

Ein Kommandeur sagte am Sonntag, die Truppen müssten nur noch wenige Kilometer vorankommen, um das Rebellengebiet in zwei Teile zu spalten. Tausende Menschen waren Beobachtern und Augenzeugen zufolge auf der Flucht vor den Regierungstruppen. Die Flüchtlinge versuchten, im Zentrum von Ost-Ghuta Unterschlupf zu finden. In den vergangenen Wochen wurden bei der von Russland und Iran unterstützten Offensive nach UN-Angaben Hunderte Menschen getötet. “Diese Kollektivstrafe für die Zivilbevölkerung ist schlicht nicht hinnehmbar”, erklärte der UN-Koordinator für Hilfslieferungen in der Region, Panos Moumtzis. Ein für Sonntag geplanter Hilfskonvoi wurde von den Vereinten Nationen (UN) ausgesetzt.

Die Einnahme von Ost-Ghuta wäre ein wichtiger Sieg für Präsident Baschar al-Assad in dem seit rund sieben Jahren dauernden Bürgerkrieg. Seine Armee teilte mit, sie habe Kontrolle über mehrere Ortschaften in Ost-Ghuta erlangt. Eine große Zahl Terroristen sei getötet worden. Mehrere Kommandozentralen, Tunnel und Befestigungsanlagen seien zerstört worden. Die Assad-Führung bezeichnet alle oppositionellen Kämpfe als Terroristen.

Ost-Ghuta vor den Toren der Hauptstadt Damaskus ist eines der letzten größeren Rückzugsgebiete der Aufständischen. Es wird von islamistischen Rebellengruppen kontrolliert. Rund 400.000 Menschen sind dort eingeschlossen. Russland hatte kürzlich eine Feuerpause von fünf Stunden täglich erklärt, um Menschen aus Ost-Ghuta heraus- und Hilfslieferungen hineinzubringen. Doch diese Kampfpause ist brüchig. Die Armee teilte mit, ihre Angriffe hätten außerhalb der Feuerpause stattgefunden.

Der Fernsehsender Orient TV, der der Opposition nahesteht, berichtete, der Vormarsch der Assad-Truppen habe die Flucht der Menschen aus Ost-Ghuta ausgelöst. Sie verließen ihre Häuser dort, wo die Soldaten die Kontrolle übernommen hätten, teilte der Augenzeuge mit. Die der Opposition nahestehende Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach von 300 bis 400 Familien, die seit Samstag auf der Flucht seien. Das entspreche mehreren Tausend Personen.

Die russische Nachrichtenagentur Interfax meldete, das russische Militär habe erklärt, die Rebellen hätten eine Ausgangssperre über die von ihnen kontrollierten Gebiete verhängt, um Zivilisten an der Flucht zu hindern. Die Rebellen haben dies wiederholt zurückgewiesen.

HUNDERTE TOTE SEIT MITTE FEBRUAR

Nach UN-Angaben wurden seit Mitte Februar fast 600 Menschen in der Enklave getötet. Mehr als 2000 Menschen seien verletzt worden. Statt der dringend nötigen Atempause werde noch mehr gekämpft, erklärte UN-Koordinator Moumtzis. Es gebe noch mehr Berichte über Hunger und Bomben auf Krankenhäuser. Auch bei Granatangriffen der Rebellen auf Damaskus seien Dutzende Zivilisten getötet und verletzt worden.

Die Armee hatte im Februar begonnen, Ost-Ghuta massiv zu bombardieren. Zudem starteten seine Bodentruppen eine Offensive.

Die UN erklärten, der geplante Hilfskonvoi könne am Sonntag nicht fahren, bleibe aber in Bereitschaft, um die Güter sofort auf den Weg zu bringen, sobald die Situation dies erlaube. Rund 40 Lastwagen sollen dringend benötigte Lebensmittel und Medikamente nach Duma in der Region Ost-Ghuta schaffen. Nur ein kleiner Konvoi mit Gütern für 7200 Menschen hatte Mitte Februar sein Ziel erreicht. Es war in diesem Jahr bislang der einzige. Ein UN-Vertreter nannte als Grund, dass von der syrischen Regierung nicht die abschließende Freigabe gekommen sei.

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