January 21, 2018 / 12:37 PM / a month ago

Türkei - Bodenoffensive gegen syrische Kurden-Milizen

Asas (Reuters) - Türkische Streitkräfte sind nach Angaben von Präsident Recep Tayyip Erdogan in die nordsyrische Provinz Afrin eingerückt, um von dort eine mit den USA verbündete Kurdenmiliz zu vertreiben.

Die YPG-Miliz werde vernichtet, kündigte Erdogan am Sonntag an. Ziel der “Operation Olivenzweig” ist nach den Worten von Ministerpräsident Binali Yildirim die Schaffung einer 30 Kilometer breiten Sicherheitszone. Die YPG erklärte, die türkischen Bodentruppen seien nach heftigen Gefechten an der Grenze zurückgeschlagen worden. Die Türkei hatte die Offensive mit Luftangriffen in der Nacht zu Freitag begonnen. Sie hat damit eine neue Front im syrischen Bürgerkrieg eröffnet, indem sie sich direkt gegen eine mit dem Nato-Partner USA verbündete kurdische Miliz stellt.

“Unsere Jets haben abgehoben und mit den Bombardements begonnen”, sagte Erdogan. “Und jetzt läuft die Operation am Boden.” Die Kämpfer der YPG in Afrin seien auf der Flucht. “Wir werden sie jagen und, so Gott will, diese Operation sehr schnell abschließen.” Offenbar mit Blick auf die USA sagte Erdogan, einige Verbündete hätten die YPG mit 2000 Flugzeugladungen und 5000 Lkw-Ladungen an Waffen versorgt. [nL8N1PG0OD] Besonders erboste die Türkei in jüngerer Vergangenheit die Ankündigung, die USA würden 30.000 Kämpfer ausbilden, um Gebiete im Nordwesten zu sichern, die von den YPG-geführten Syrischen Demokratischen Kräften kontrolliert werden.

Bei den Angriffen seien Unterkünfte, Verstecke und Waffenlager der kurdischen Miliz getroffen worden, teilten die türkischen Streitkräfte mit. Von der Türkei unterstützte Rebellen der Freien Syrischen Armee (FSA) hätten ein kurdisches Dorf besetzt, ohne auf Widerstand gestoßen zu sein, verlautete aus türkischen Regierungskreisen. Rund 26.000 FSA-Kämpfer beteiligten sich nach Angaben der Organisation an der türkischen Offensive. Ziel sei die Rückeroberung arabischer Städte und Dörfer von der YPG.

Ein Sprecher der YPG erklärte, an mehreren Fronten um Afrin gebe es Gefechte. Die türkischen Angreifer seien jedoch zum Rückzug gezwungen worden. Nach YPG-Angaben wurden durch türkische Angriffe sechs Zivilisten und drei YPG-Kämpfer getötet. Die Kurden-Miliz warf der Türkei vor, Wohngebiete und ein Flüchtlingslager in Afrin beschossen zu haben.

Am Sonntag schlug türkischen Angaben zufolge im Grenzort Reyhanli eine Rakete ein. Dabei wurde nach Angaben des Bürgermeisters ein syrischer Staatsangehöriger getötet. 32 weitere Menschen seien verletzt worden. Bereits in der Nacht waren einer Meldung der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge vier Raketen aus Syrien in der Grenzstadt Kilis eingeschlagen.

FORDERUNGEN NACH ZURÜCKHALTUNG

Weltweit riefen Regierungen zur Zurückhaltung auf. Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums sagte am Samstag: “Wir ermutigen alle Seiten, eine Eskalation zu vermeiden und sich auf die wichtigste Aufgabe, den Sieg über den IS, zu konzentrieren.” Ähnlich äußerten sich Russland und Frankreich. Die französische Regierung beantragte eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates. Der Iran verlangte ein rasches Ende des türkischen Einmarschs. Dieser werde nur “Terrorgruppen” helfen, zitierte die Nachrichtenagentur Irna einen Außenamtssprecher. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel erklärte, das Letzte, was Syrien brauche, seien weitere militärische Konfrontationen. [nL8N1PG0TU]

Die Türkei sieht in der YPG einen Teil der als Terrororganisation verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK, die seit drei Jahrzehnten einen bewaffneten Aufstand im überwiegend kurdischen Südosten des Landes anführt. Der Nato-Partner USA unterstützt in Syrien dagegen die YPG. Sie sehen in ihr einen wirkungsvollen Verbündeten im Kampf gegen den IS.

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