January 22, 2018 / 2:44 PM / in 4 months

USA bieten Türkei Kooperation bei Sicherheitszone in Syrien an

Paris/Ankara (Reuters) - Die USA wollen bei der Errichtung einer Sicherheitszone im Nordwesten Syriens mit der Türkei zusammenarbeiten.

Turkish Army tanks manoeuvre during a military exercise near the Turkish-Iraqi border in Silopi, Turkey, September 25, 2017. REUTERS/Umit Bektas - RC1D68598270

Er hoffe auf eine Kooperation mit der Regierung in Ankara, um deren legitimen Sicherheitsinteressen Rechnung zu tragen, sagte US-Außenminister Rex Tillerson am Montag in Paris nach Angaben eines mitreisenden Pool-Reporters. “Wir sind im Gespräch mit den Türken und auch einigen Kräften am Boden, um herauszufinden, wie wir die Lage stabilisieren und den legitimen Sicherheitsbedenken der Türkei gerecht werden können.” Der stellvertretende türkische Ministerpräsident Bekir Bozdag reagierte unnachgiebig auf Tillersons Angebot. Die USA müssten ihre Unterstützung für die Kurdenmiliz YPG stoppen, gegen die sich die türkische Offensive richtet, forderte er. Niemand habe das Recht, der Türkei mit Blick auf den Militäreinsatz in Syrien Vorschriften zu machen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte zuvor angekündigt, die Offensive gegen die YPG im Norden Syriens trotz internationaler Kritik weiter vorantreiben zu wollen. Er habe die Rückendeckung Russlands für den Militäreinsatz, sagte er in Ankara. Die türkische Armee werde die Provinz Afrin ebenso unter ihre Kontrolle bringen wie zuvor schon Dscharablus, al-Rai und al-Bab. Dann könnten die Syrer dorthin zurückkehren. Der UN-Sicherheitsrat befasst sich am Montagabend mit dem türkischen Militäreinsatz im Norden Syriens.

Die türkische Offensive richtet sich gegen die YPG, die von den USA im Kampf gegen die Extremistenmiliz IS unterstützt wird. Ziel der “Operation Olivenzweig” ist nach den Worten des türkischen Ministerpräsidenten Binali Yildirim die Einrichtung einer 30 Kilometer breiten Pufferzone. Die USA wollten dagegen ursprünglich mit der YPG eine Pufferzone in Syrien an der Grenze zur Türkei und dem Irak schaffen. Die USA, die nur wenige eigene Soldaten in Syrien im Einsatz haben, haben die YPG als eine Art Bodentruppen im Kampf gegen den IS genutzt und unterstützt. Die Regierung in Ankara wirft der Miliz indes Verbindungen zur auch in Deutschland verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK vor.

Die YPG sprach von heftigen Gefechten in Afrin, zudem habe das türkische Militär am Montag zwei Dörfer bombardiert. Bei den Angriffen kamen nach Angaben der Milizionäre in der Region bisher 18 Zivilisten um. Die von der YPG dominierten Syrischen Demokratischen Streitkräfte (SDF) warfen Russland vor, der Türkei bei ihren Angriffen auf die SDF-Kämpfer im Norden Syriens Rückendeckung zu geben. Mit dem Abzug russischer Truppen aus der Region und der Öffnung des Luftraums für die türkische Luftwaffe habe Russland sich unmoralisch verhalten, sagte ein SDF-Sprecher. Er appellierte an alle Staaten, die Türkei zur Beendigung ihrer Angriffe auf Afrin zu zwingen.

Russland ist nach den Worten eines Regierungssprechers in Kontakt mit der Türkei und beobachtet deren Militäraktion sehr genau. Russland betrachte die territoriale Integrität Syriens als sehr wichtig.

GABRIEL WARNT IN TELEFONAT MIT CAVUSOGLU VOR ESKALATION

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel warnte in einem Telefonat mit seinem türkischen Kollegen Mevlüt Cavusoglu vor einer Zuspitzung der Lage im Norden Syriens. Gabriel habe Cavusoglu seine Sorge vor einer Eskalation und humanitären Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung verdeutlicht, verlautete aus dem Auswärtigen Amt. Offene Kritik an der Regierung in Ankara vermied die Bundesregierung. Man habe kein vollständiges Lagebild und könne das türkische Vorgehen völkerrechtlich daher nicht einordnen, sagte die Sprecherin des Auswärtigen Amtes, Maria Adebahr.

Zu Berichten über den Einsatz von Leopard-2-Panzern im Norden Syriens äußerte sich die Bundesregierung ausweichend. “Außer den Bildern aus den Medien, die Sie alle kennen, haben wir keine eigenen Erkenntnisse über den Einsatz von Leopard-Panzern”, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Holger Neumann. Der Nato-Partner Türkei hatte nach seinen Worten in den 80er und 90er Jahren 397 Leopard-1-Panzer bekommen. Von 2006 bis 2011 habe die Türkei dann noch 354 Leopard-2-Panzer erhalten.

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