February 6, 2018 / 10:05 AM / 6 months ago

UN fordern Waffenruhe für Syrien - Angriffe auf Rebellen

Genf/Beirut (Reuters) - Die Vereinten Nationen (UN) dringen auf eine sofortige Waffenruhe in Syrien. Die Kämpfe müssten für mindestens vier Wochen eingestellt werden, um die Menschen versorgen zu können, erklärten die UN am Dienstag in Genf.

Turkey-backed Free Syrian Army fighters are seen in the eastern suburbs of al Bab, Syria February 4, 2018. REUTERS/Khalil Ashawi

Seit zwei Monaten sei nicht ein einziger Hilfskonvois mehr durchgekommen, sagte UN-Koordinator Panos Moumtzis. “Das ist wirklich empörend”. Trotz der UN-Appelle setzte die syrische Luftwaffe ihre Angriffe auf Gebiete der Aufständischen im Nordwesten und bei Damaskus fort. In der letzten Rebellenhochburg nahe der Hauptstadt starben dabei Berichten zufolge Dutzende Menschen. UN-Experten untersuchten unterdessen Berichte, nach denen zuletzt auch Giftgas gegen Zivilisten eingesetzt wurde. Die syrische Regierung weist dies zurück.

Die UN-Botschafter verlangten, dass in den umkämpften Gebieten die Verletzten und Kranken medizinisch versorgt werden müssten. Sie zählten sieben Regionen auf, darunter Afrin nordwestlich von Aleppo, wo die türkische Armee gegen die Kurdenmiliz YPG kämpft.

Die türkische Armee bringt sich nahe der Front zwischen Rebellen und Truppen von Präsident Baschar al-Assad in Stellung. Grundlage dafür ist eine Vereinbarung der Türkei mit Russland und dem Iran, wonach in der Region die Kämpfe eingedämmt werden sollen. Doch die Übereinkunft wurde im Dezember weitgehend zunichtegemacht, als Assad-Truppen mit russischer Unterstützung eine Offensive gegen Rebellen in der Provinz Idlib starteten.

“ES GIBT KEINEN SICHEREN ORT MEHR”

Auch am Dienstag griff die syrische Luftwaffe Rebellen in der Region an. Mindestens fünf Menschen seien im Dorf Tarmala rund 40 Kilometer südlich der Stadt Idlib getötet worden, teilte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Bei Angriffen auf ein Flüchtlingslager sei mindestens ein Mensch ums Leben gekommen. Zudem seien bei den jüngsten Luftangriffen in Ost-Ghuta bei Damaskus mindestens 47 Menschen getötet worden. Einen Tag zuvor seien es 30 Tote gewesen. “Heute gibt es keinen sicheren Ort mehr”, sagte der Leiter der Zivilverteidigung für die von Rebellen gehaltenen Landstriche bei Damaskus.

Der Chef der UN-Untersuchungskommission zu Syrien, Paulo Pinheiro, erklärte, bei der Belagerung der Region Ost-Ghuta durch Regierungstruppen gebe es auch willkürliche Bombardierungen. Außerdem werde die Bevölkerung vorsätzlich ausgehungert. Berichte, wonach innerhalb von 48 Stunden mindestens drei Krankenhäuser getroffen wurden, gäben die sogenannten Deeskalationszonen der Lächerlichkeit preis.

Die Türkei, Russland, der Iran, aber auch die USA sind in den Bürgerkrieg tief verstrickt. So hat die Türkei mit ihrer Offensive gegen die YPG eine neue Front eröffnet. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan warf dem Nato-Partner USA vor, mit der Unterstützung der YPG durch Ausrüstung und Waffen gegen die Interessen der Türkei, des Irans und vielleicht auch Russlands in Nordsyrien zu arbeiten. Die US-Truppen müssten aus Manbidsch abziehen. Die Stadt in der Provinz Aleppo wird mit Hilfe der USA von der YPG kontrolliert. Der Iran, ein Verbündeter Assads, wiederum rief die Regierung in Ankara auf, ihre Offensive gegen die YPG zu beenden. Sie könne Unsicherheit, Instabilität und Terrorismus nach Syrien zurückbringen.

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