March 19, 2018 / 4:11 PM / 6 months ago

Erdogan kündigte weitere Vorstöße gegen Kurdengebiete an

Beirut/Istanbul (Reuters) - Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat nach der Einnahme der Stadt Afrin weitere Vorstöße in Kurden-Gebiete im Norden Syriens angekündigt.

Turkish forces and Free Syrian Army are deployed in Afrin, Syria March 18, 2018. REUTERS/Khalil Ashawi

Zudem drohte er am Montag damit, auch militante Kurden im Norden Iraks anzugreifen, falls die Regierung in Bagdad diese nicht selbst ausschalte. Nach kurdischen Angaben waren Hunderttausende Menschen aus Afrin auf der Flucht. Das Internationale Rote Kreuz forderte freien Zugang, um helfen zu können. Auch im zweiten Brennpunkt des syrischen Bürgerkrieges, in der Region Ost-Ghuta im Süden des Landes, litt die Zivilbevölkerung unter den Kämpfen. Zu Wochenbeginn flohen nach russischen Angaben Tausende Menschen aus dem Gebiet, in dem islamistische Rebellen nach Angriffen der syrischen Armee offenbar kurz vor einer Niederlage stehen.

Das türkische Militär werde weiter östlich in syrisches Gebiet entlang der Grenze zur Türkei vorstoßen, sagte Erdogan. Ziele seien unter anderem die Orte Manbidsch, Kamischli, Ayn al-Arab und Ras al-Ain. Aus diesen müssten “Terroristen” vertrieben werden. Nach früheren türkischen Angaben besteht Einigkeit mit den USA über die Offensive auf Manbidsch. Der Ort wird von der kurdischen Miliz YPG beherrscht. Die YPG ist der wichtigste Verbündete der USA im Kampf gegen die Extremistengruppe Islamischer Staat. Zudem sollen sich US-Soldaten in dem Gebiet aufhalten.

Erst am Sonntag hatten türkische Verbände zusammen mit verbündeten arabischen Milizen die Hauptstadt Afrin der gleichnamigen Region eingenommen. Mit der im Januar begonnenen Offensive versucht die Türkei, den Einfluss der YPG zurückzudrängen. Es soll zudem verhindert werden, dass sich ein zusammenhängendes kurdisches Einflussgebiet vom Irak über Syrien bis in die Türkei bildet.

Die türkische Armee kündigte an, sich wieder aus der Region Afrin im Norden Syriens zurückziehen zu wollen und den überwiegend von Kurden bewohnten Landstrich seinen “wirklichen Besitzern” zu überlassen. Allerdings ließ ein Armee-Sprecher offen, wer mit dieser Formulierung gemeint sei und wann der Rückzug beginnen könne. Die Lage in der Stadt Afrin war angespannt. Am Montag starben dort bei einem Bombenanschlag mehrere Menschen.

IN OST-GHUTA ZEICHNET SICH REBELLEN-NIEDERLAGE AB

Ein Vertreter der kurdischen Regionalregierung erklärte, mehr als 200.000 Menschen seien aus Afrin vertrieben worden. “Die Menschen mit Autos schlafen in ihren Autos, die Menschen ohne eigenen Wagen schlafen mit ihren Kindern unter Bäumen”, sagte Hewi Mustafa, einer der führenden Vertreter der kurdischen Verwaltung Afrins, Reuters in einem Telefonat.

Der Präsident des Internationalen Roten Kreuz (IRK), Peter Maurer, forderte in Genf freien Zugang nach Afrin. Die Zivilisten hätten das Recht auf eine neutrale und unparteiische Hilfe und das Recht zu bleiben oder wegzuziehen. Der Türkische Rote Halbmond sei ungeeignet für humanitäre Hilfen. “Die Glaubwürdigkeit eines in Afrin arbeitenden Türkischen Roten Halbmonds geht gegen Null”, sagte Maurer.

In Ost-Ghuta in unmittelbarer Umgebung von Damaskus mehrten sich die Anzeichen einer Niederlage der Rebellen. Der syrische Minister Ali Haidar sagte Reuters, in Harasta deute sich an, dass die Aufständischen unter der Zusicherung von freiem Geleit abziehen wollten. Die syrische Armee hat nach eigenen Angaben rund 70 Prozent der Enklave erobert und sie in drei nicht miteinander verbundene Teile gespalten. Die kleinste davon ist Harasta.

Das russische Militär meldete nach einem Bericht der Nachrichtenagentur TASS die Flucht von Tausenden Menschen. Bereits am Sonntag waren nach russischen Angaben 20.000 Menschen geflohen. Sollte Ost-Ghuta vollständig fallen, wäre dies die größte Niederlage der Rebellen seit dem Verlust von Aleppo 2016. Auch dort stimmten Milizen in der Schlussphase der Kämpfe dem freien Abzug in andere von Rebellen beherrschte Gebiete zu.

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