October 8, 2019 / 11:09 AM / 6 days ago

Türkei für Militäreinsatz in Syrien bereit

An elderly Syrian man sits overlooking Atmah IDP camp located near border with Turkey, Syria September 25, 2019. REUTERS/Goran Tomasevic

Istanbul (Reuters) - Die Türkei ist nach eigenen Angaben für einen Militäreinsatz im kurdischen Nordosten Syriens gerüstet.

“Alle Vorbereitungen für den Einsatz sind abgeschlossen”, erklärte das Verteidigungsministerium am Dienstag per Twitter. “Die türkischen Streitkräfte werden niemals zulassen, dass an unseren Grenzen ein Korridor des Terrors entsteht.” Es sei unerlässlich, eine Sicherheitszone zu errichten, um Frieden und Stabilität in der Region zu garantieren. Die Türkei will auf syrischem Territorium eine 30 Kilometer breite sogenannte Sicherheitszone schaffen und fordert den Abzug der Kurden-Miliz YPG aus dem Gebiet. Die Regierung in Ankara fürchtet ein Erstarken der Kurden in der Region und damit auch im eigenen Land.

US-Präsident Donald Trump ebnete dem Nato-Partner mit dem Abzug amerikanischer Truppen aus dem Nordosten Syriens den Weg für die Offensive. Zugleich drohte er der Türkei mit Zerstörung ihrer Wirtschaft, sollte sie sich in Syrien unangemessen verhalten. Das von der YPG angeführte Rebellenbündnis SDF war im erbitterten Kampf gegen die radikal-islamische IS-Miliz im Bürgerkriegsland Syrien für die USA ein wichtiger Verbündeter.

Erkenntnisse, dass der Einmarsch bereits begonnen habe, lägen bislang nicht vor, sagte ein Regierungsvertreter in Washington. Auch die Rebellen der Syrischen Demokratischen Streitkräfte (SDF) bereiteten sich nach eigenen Angaben auf einen türkischen Militäreinsatz vor. “Der Angriff steht unmittelbar bevor, und wir erwarten ihn in Kürze”, sagte der SDF-Vertreter Mustafa Bali der Nachrichtenagentur Reuters.

KEIN HINWEIS AUF MILITÄRISCHE AKTIVITÄT AN GRENZE

In der Nähe der türkischen Grenzstadt Akcakale gab es einem Reuters-Augenzeugen zufolge am Dienstag zunächst keine militärische Aktivität. Allerdings hat die türkische Artillerie dort Stellung bezogen und ihre Geschossrohre gen Syrien gerichtet. Direkt gegenüber von Akcakale liegt die syrische Stadt Tel Abjad, wo die USA wie auch in Ras al Ain ihre Beobachtungsposten am Montag räumten.

Ein US-Regierungsvertreter hatte am Montag erklärte, die USA würden das Rebellenbündnis SDF im Falle eines türkischen Angriffes nicht verteidigen. Die SDF, die nicht nur US-Partner im Kampf gegen die Islamisten in Syrien waren sondern auch Gefangenenlager mit IS-Angehörigen bewachen, sprachen daraufhin von einem “Dolchstoß”.

Aus dem US-Außenministerium verlautete, die Regierung in Washington erwarte, dass die Türkei die Verantwortung für die gefangenen IS-Kämpfer übernehme, sobald sie die Gebiete mit den Lagern besetze. Die von SDF-Truppen bewachten Gefangenenlager liegen südlich der Zone, die die Türkei anfangs vorgeschlagen hat.

UN, EU und Russland warnten vor den Folgen eines türkischen Militäreinsatzes. Auch der Iran, der den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad unterstützt, gegen dessen Herrschaft die SDF aufbegehren, äußerte sich besorgt. Damit würden die Sorgen der Türkei um ihre Sicherheit nicht ausgeräumt, erklärte das Außenministerium in Teheran. Vielmehr werde der Militäreinsatz zu großem Schaden für die Menschen führen. Die Spannungen und Drohungen drückten auch auf die türkische Börse und die Landeswährung Lira.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below