October 17, 2019 / 6:50 AM / a month ago

Trump an Erdogan - "Seien Sie kein Narr! Ich rufe Sie später an"

An October 9 letter from U.S. President Donald Trump to Turkey's President Tayyip Erdogan warning Erdogan about Turkish military policy and the Kurdish people in Syria is seen after being released by the White House in Washington, U.S. October 16, 2019. REUTERS/Jim Bourg

Washington (Reuters) - US-Präsident Donald Trump hat seinen türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan vergangene Woche in einem ungewöhnlich formulierten Schreiben vor einem Einmarsch in Syrien gewarnt.

“Lassen Sie uns einen guten Deal ausarbeiten”, beginnt der vom 9. Oktober datierte Brief, den Trump am Mittwoch zur Entlastung gegen die heftige Kritik auch in der eigenen Partei an seiner Syrien-Politik veröffentlichen ließ. “Sie wollen nicht für das Abschlachten Tausender Menschen verantwortlich sein, und ich will nicht verantwortlich sein für die Zerstörung der türkischen Wirtschaft - aber ich werde es tun!”, mahnt Trump Erdogan. Anschließend legt er dem türkischen Präsidenten Verhandlungen mit dem Militärchef der syrischen Kurden, General Maslum Kobani Abdi, nahe - und fügt “vertraulich” ein Schreiben Maslums hinzu, das er gerade erhalten habe.

Auch die Schlussformel von Trumps Brief entspricht eher nicht den diplomatischen Gepflogenheiten. “Seien Sie kein harter Kerl. Seien Sie kein Narr! Ich rufe Sie später an”, schreibt der US-Präsident. Mit der Veröffentlichung des Briefes will er offenbar den Eindruck zerstreuen, er habe Erdogan mit dem Abzug der US-Truppen aus dem Norden Syriens einen Freibrief zum Einmarsch in das bis dahin weitgehend autonom verwaltete Kurdengebiet gegeben. Die USA hatten die Kurdenmiliz YPG und das von ihr geführte Bündnis SDF, dem auch arabische Milizen angehören, als eine Art Bodentruppen im Kampf gegen den radikalislamischen IS in der Region genutzt und unterstützt. Erdogan betrachtet die YPG hingegen als einen Ableger der Kurdischen Arbeiterpartei PKK, die in der Türkei und in Europa als Terrororganisation verboten ist.

Trump steht wegen des überraschenden Abzugs der amerikanischen Soldaten, die wie ein Puffer zwischen dem türkischen Militär und den syrischen Kurden wirkten, massiv unter Druck. Das Repräsentantenhaus verurteilte sein Vorgehen am Mittwoch mit großer Mehrheit von 354 zu 60 Stimmen, wobei Dutzende Republikaner mit den Demokraten stimmten. Im Weißen Haus kam es kurz darauf bei einem Treffen Trumps mit führenden Demokraten zu einem Eklat. “Wir wurden Zeugen, wie der Präsident einen Nervenzusammenbruch hatte - es ist traurig, das so sagen zu müssen”, erklärte die Präsidentin des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi. Der oberste Demokrat im Senat, Chuck Schumer, berichtete, Trump sei in eine Schimpftirade ausgebrochen und habe Pelosi als “drittklassige Politikerin” bezeichnet. Die Demokraten hätten das Treffen daraufhin abgebrochen, sagte Pelosi.

Trump legte später auf Twitter nach und warf Pelosi seinerseits vor, verwirrt zu sein und während des Treffens einen Nervenzusammenbruch erlitten zu haben. “Nancy Pelosi braucht rasch Hilfe! Entweder ist etwas mit ihrem Oberstübchen nicht in Ordnung oder sie mag unser großartiges Land einfach nicht. Sie hatte einen kompletten Nervenzusammenbruch heute im Weißen Haus”, schrieb er ein paar Tweets später. “Beten Sie für sie, sie ist eine sehr kranke Person!” Trumps Sprecherin Stephanie Grisham beschrieb das Verhalten des Präsidenten später als angemessen und entschieden. “Die ‘Führung’ der Demokraten ist lieber rausgestürmt und hat in die Kameras geheult, während alle anderen im Raum blieben, um weiter für unser Land zu arbeiten”, twitterte sie.

Während des Treffens sagte Trump nach Angaben aus Demokratenkreisen, weniger als hundert IS-Kämpfer seien nach dem Beginn der türkischen Offensive aus den Gefängnissen in den Kurdengebieten geflohen. Es handle sich dabei um die am wenigsten gefährlichen unter den Gefangenen, habe Trump erklärt. Verteidigungsminister Mark Esper habe zwar die Zahl bestätigt, sich aber nicht darauf festgelegt, dass die ungefährlichsten Häftlinge entkommen seien. In Ankara wollen US-Vize-Präsident Mike Pence und US-Außenminister Mike Pompeo am Donnerstag mit Erdogan zusammenkommen, um ihn zu einem Stopp der Militäroffensive zu drängen. Diese Forderung hatte der türkische Präsident in den vergangenen Tagen allerdings immer wieder strikt abgelehnt.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below