April 14, 2018 / 8:28 AM / 10 days ago

USA und Verbündete feuern über hundert Raketen auf Syrien

Washington (Reuters) - Mit dem größten gemeinsamen Luftangriff seit Kriegsausbruch in Syrien haben die USA, Frankreich und Großbritannien Vergeltung für den mutmaßlichen Giftgas-Einsatz im syrischen Duma geübt.

An RAF Tornado takes-off in RAF Akrotiri, Cyprus April 14, 2018. © UK MOD Crown 2018/Handout via REUTERS

Über hundert Raketen seien von Schiffen und Flugzeugen abgefeuert worden, teilte US-Verteidigungsminister Jim Mattis mit. Augenzeugen berichteten von heftigen Explosionen in Damaskus in der Nacht zum Samstag. Zeitgleich zu den Einschlägen erklärte US-Präsident Donald Trump in einer TV-Ansprache, die USA seien auf weitere Angriffe vorbereitet. Nach ersten Meldungen waren die mit dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad verbündeten russischen Truppen kein Ziel. Allerdings warnte der russische Botschafter in Washington, Anatoli Antonow, solche Aktionen würden nicht ohne Konsequenzen bleiben.

Mindestens sechs laute Detonationen seien in Damaskus zu hören gewesen, sagte ein Reuters-Augenzeuge. Über der Millionen-Stadt hätten sich Rauchwolken gebildet. Ein zweiter Zeuge schilderte Einschläge im Viertel Barsa. Dort befinden sich größere Forschungseinrichtungen. Auch zwei Ziele in der Umgebung der Stadt Homs wurden angegriffen. Nach einem Bericht der russischer Nachrichtenagentur Tass wurde die Mehrheit der Raketen von der syrischen Luftabwehr abgefangen. Der britische Verteidigungsminister Gavin Williamson sprach allerdings von “signifikanten Auswirkungen” der Angriffe, die Assads künftige Möglichkeiten einschränken würden.

Die USA machten deutlich, dass sie eine Konfrontation mit russischen Kräften verhindern wollten. Die Angriffe seien so geplant worden, dass das Risiko von Opfern unter russischen Einsatzkräften minimal gewesen sei, sagte US-Generalstabschef Joseph Dunford. Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, keiner der Flugkörper sei in den Luftraum über die russischen Stützpunkte Tartus und Hmeimim eingedrungen.

TRUMP BEZEICHNET ASSAD ALS “MONSTER”

In Anspielung auf Assad sagte Trump: “Dies sind nicht die Taten eines Mannes. Es sind die Verbrechen eines Monsters.” Im Gegensatz zu Mattis schloss er weitere Angriffe nicht aus. Bereits am Mittwoch hatte Trump Militärschläge angekündigt, später aber seine Aussagen relativiert. Trump reagierte auf einen mutmaßlichen Giftgas-Angriff auf die Rebellen-Hochburg Duma am 7. April. Trumps Äußerungen hatten weltweit Sorgen vor einer direkten Konfrontation zwischen den USA und Russland ausgelöst. Russland und der Iran sind enge Verbündete Assads.

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron und Großbritanniens Regierungschefin Theresa May erklärten, es handele sich um gezielte Angriffe auf Gebäude, die das syrische Regime zur Produktion von Chemiewaffen nutze. “Die Welt ist vereint in der Abscheu vor dem Einsatz chemischer Waffen, insbesondere gegen Zivilisten”, sagte der britische Außenminister Boris Johnson. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte bereits vor Tagen eine deutsche Beteiligung an dem Militärschlag ausgeschlossen.

WARNUNGEN AN DIE ADRESSEN RUSSLANDS UND IRANS

Trump wandte sich in seiner Ansprache auch gegen Russland und Iran: “Was für eine Art Nation will im Zusammenhang mit dem Massenmord an unschuldigen Männern, Frauen und Kindern stehen?” Irans geistliches Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei bezeichnete im TV-Sender Al-Manar den Angriff als kriminell. Die iranischen Revolutionsgarden drohten, durch die Angriffe werde sich die Lage in der Region zu Lasten der USA ändern. Israel wertete dagegen die Attacke der drei Länder als “wichtiges Signal” an den Iran und deren Verbündete, die libanesische Miliz Hisbollah. Israel fürchtet ebenso wie westliche Staaten, die islamische Republik werde ihr Engagement in Syrien nutzen, um den Einfluss in der Region auszuweiten.

Der Chefunterhändler der wichtigsten syrischen Oppositionsgruppen forderte, dass alle Angriffe auf Zivilisten durch das syrische Regime und seine Verbündeten aufhören müssten. Dies gelte für Attacken mit chemischen und konventionellen Waffen, sagt Unterhändler Nasr Hariri.

Bereits vor einem Jahr hatte das US-Militär die syrische Luftwaffenbasis Schairat unter Beschuss genommen als Reaktion auf den Giftgasangriff mit Dutzenden Toten auf die Stadt Chan Scheichun. Der jetzige Militärschlag war nach den Meldungen umfangreicher. Ein hochrangiger Vertreter eines regionalen Verbündeten von Assad sagte Reuters, die Schäden durch die Angriffe seien begrenzt, da die Ziele dank russischer Warnungen bereits vor Tagen geräumt worden seien.

Die syrische Nachrichtenagentur Sana meldete, bei den Angriffen seien drei Zivilisten verletzt worden. Das syrische Staatsfernsehen berichtete zudem, die Attacke auf eine Forschungseinrichtung in einem Bezirk der Hauptstadt Damaskus habe lediglich zu Sachschäden geführt.

Ursprünglich sollten Inspektoren der Organisation zum Verbot chemischer Waffen (OPCW) am Samstag Proben in Duma nehmen, um Belege für den vermuteten Einsatz geächteter Chemikalien sicherzustellen.

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