April 14, 2018 / 10:43 AM / 3 months ago

USA und Verbündete warnen Assad mit Raketen-Angriffen

Washington/Moskau (Reuters) - Die USA, Frankreich und Großbritannien haben Syriens Präsident Baschar al-Assad mit dem größten gemeinsamen Luftangriff seit Kriegsausbruch vor neuen Giftgas-Einsätzen gewarnt.

An RAF Tornado takes-off in RAF Akrotiri, Cyprus April 14, 2018. © UK MOD Crown 2018/Handout via REUTERS

In der Nacht zum Samstag feuerten die drei Alliierten nach Angaben von US-Verteidigungsminister Jim Mattis über hundert Raketen von Schiffen und Flugzeugen auf Ziele in Syrien. “Wir sind darauf vorbereitet, diese Art Antworten zu geben, bis das syrische Regime den Einsatz verbotener Chemikalien aufgibt”, kündigte US-Präsident Donald Trump an. In Anspielung auf Assad und den mutmaßlichen Giftgas-Angriff in Duma sagte er: “Dies sind nicht die Taten eines Mannes. Es sind die Verbrechen eines Monsters.”

Assad konterte, die Attacke vergrößere die Entschiedenheit im Kampf gegen “Terrorismus”. Sein Verbündeter Russland verzichtete auf einen Gegenschlag, beantragte aber eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates. Bundeskanzlerin Angela Merkel, die eine deutsche Beteiligung an dem Einsatz abgelehnt hatte, begrüßte die westliche Strafaktion.

Mindestens sechs laute Detonationen seien in Damaskus zu hören gewesen, sagte ein Reuters-Augenzeuge. Über der Millionen-Stadt hätten sich Rauchwolken gebildet. Ein zweiter Zeuge schilderte Einschläge im Viertel Barsa. Dort befinden sich größere Forschungseinrichtungen. Auch zwei Ziele in der Umgebung von Homs wurden angegriffen. Nach einem Bericht der russischer Nachrichtenagentur Tass wurden die meisten Raketen von der syrischen Luftabwehr abgefangen. Die syrische Nachrichtenagentur Sana meldete, bei den Angriffen seien drei Zivilisten verletzt worden. Der britische Verteidigungsminister Gavin Williamson sprach von “signifikanten Auswirkungen” der Angriffe, die Assads künftige Möglichkeiten einschränken würden.

Die USA machten deutlich, dass sie eine Konfrontation mit russischen Kräften verhindern wollten. Die Angriffe seien so geplant worden, dass das Risiko von Opfern unter russischen Einsatzkräften minimal gewesen sei, sagte US-Generalstabschef Joseph Dunford. Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, keiner der Flugkörper sei in den Luftraum über die russischen Stützpunkte Tartus und Hmeimim eingedrungen.

Die Angriffe erhöhten die Entschiedenheit, “Terrorismus an jedem Quadratmeter der Nation” zu bekämpfen und niederzuschlagen, sagte Assad. Der Westen habe realisiert, Kontrolle und Glaubwürdigkeit in dem Konflikt verloren zu haben.

PUTIN: ANGRIFFE VERSCHÄRFEN LAGE IN SYRIEN

Russlands Präsident Wladimir Putin verurteilte die Luftangriffe. Sie verschärften die humanitäre Situation in Syrien und verursachten Leid für die Bevölkerung, teilte das russische Präsidialamt mit. Außer einer erneuten Anrufung des UN-Sicherheitsrates blieben konkrete Maßnahmen zunächst aus. Allerdings erwägt Russland nun die Lieferung von S-300-Raketenabwehrsystemen an Syrien und andere Staaten.

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron und Großbritanniens Regierungschefin Theresa May erklärten, es handele sich um gezielte Angriffe auf Gebäude, die das syrische Regime zur Produktion von Chemiewaffen nutze. Wie auch Trump machten beide europäischen Politiker deutlich, es könne weitere Angriffe geben, sollte Assad wieder rote Linien überschreiten.

Merkel stellte sich hinter die Luftangriffe: “Der Militäreinsatz war erforderlich und angemessen, um die Wirksamkeit der internationalen Ächtung des Chemiewaffeneinsatzes zu wahren.” In Deutschland löste die Attacke einen Parteien-Streit über die Syrien-Politik aus.

Bereits am Mittwoch hatte Trump Militärschläge angekündigt, später aber seine Aussagen relativiert. Trump reagierte auf einen mutmaßlichen Giftgas-Angriff auf die Rebellen-Hochburg Duma am 7. April. Trumps Äußerungen hatten weltweit Sorgen vor einer direkten Konfrontation zwischen den USA und Russland ausgelöst. Russland und der Iran sind enge Verbündete Assads. Die Türkei, die Teile Nordsyriens besetzt hält und sich eng mit Russland abstimmt, betonte, die Angriffe seien nicht vom US-Luftwaffenstützpunkt Incirlik in der Türkei gestartet worden.

WARNUNGEN AN DIE ADRESSEN RUSSLANDS UND IRANS

Trump wandte sich in seiner Ansprache auch gegen Russland und Iran: “Was für eine Art Nation will im Zusammenhang mit dem Massenmord an unschuldigen Männern, Frauen und Kindern stehen?” Irans geistliches Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei bezeichnete im TV-Sender Al-Manar den Angriff als kriminell. Die iranischen Revolutionsgarden drohten, durch die Angriffe werde sich die Lage in der Region zu Lasten der USA ändern. Israel wertete dagegen die Attacke als “wichtiges Signal” an den Iran und deren Verbündete, die libanesische Miliz Hisbollah. Israel fürchtet ebenso wie westliche Staaten, die islamische Republik werde ihr Engagement in Syrien nutzen, um den Einfluss in der Region auszuweiten.

Bereits vor einem Jahr hatte das US-Militär die syrische Luftwaffenbasis Schairat unter Beschuss genommen als Reaktion auf den Giftgasangriff mit Dutzenden Toten auf die Stadt Chan Scheichun. Der jetzige Militärschlag war wesentlich umfangreicher. Ein hochrangiger Vertreter eines regionalen Verbündeten von Assad sagte Reuters, die Schäden durch die Angriffe seien begrenzt, da die Ziele dank russischer Warnungen bereits vor Tagen geräumt worden seien.

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