January 11, 2019 / 9:30 AM / 4 months ago

USA rechnen in Syrien nicht mit türkischem Angriff auf Kurden

FILE PHOTO: U.S. Soldiers surveil the area during a combined joint patrol in Manbij, Syria, November 1, 2018. Picture taken November 1, 2018. Courtesy Zoe Garbarino/U.S. Army/Handout/File Photo

Washington/Beirut (Reuters) - Die USA gehen ungeachtet des Widerspruchs von Präsident Recep Tayyip Erdogan davon aus, dass die Türkei nach dem US-Abzug aus Syrien kurdische Verbündete nicht angreift.

In einem Radio-Interview sagte der US-Sicherheitsberater John Bolton am Freitag, Präsident Donald Trump, Außenminister Mike Pompeo und er selbst hätten die Türkei so verstanden, dass sie sich dazu verpflichtet habe, “den Kurden, die mit uns gegen den IS gekämpft haben, nicht zu schaden”. Bereits vergangene Woche hatte Bolton nahegelegt, dies sei eine Vorbedingung für den am Freitag begonnenen Abzug der von den USA geführten Militärallianz gegen die radikal-islamische IS-Miliz. Erdogan hatte am Dienstag allerdings diese Sichtweise als “ernsten Fehler” zurückgewiesen, erneut die Zerschlagung der Kurdenmiliz YPG angekündigt und ein Treffen mit Bolton verweigert.

Bolton kündigte an, Gespräche zwischen Vertretern der amerikanischen und der türkischen Armee über die Kurden in Syrien würden kommende Woche fortgesetzt. Ziel seien Verpflichtungen und die Verständigung auf Verfahren.

KEINE ANGABEN ZUM ABLAUF DES RÜCKZUGS AUS SYRIEN

Zum zeitlichen Ablauf oder Truppenbewegungen im Rahmen des Abzugs aus Syrien würden aus Sicherheitsgründen keine Angaben gemacht, sagte der Sprecher der Anti-IS-Koalition, Sean Ryan. Die russische Regierung, die den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad unterstützt, erklärte, man habe den Eindruck, die USA wollten in Syrien bleiben.

Trump hatte Mitte Dezember überraschend angekündigt, alle 2000 US-Soldaten würden aus Syrien abgezogen. Dort sei der IS besiegt und damit das Ziel des US-Einsatzes erreicht. Die USA unterstützen in Nordsyrien die kurdische YPG-Miliz im Kampf gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS). Die Kurden befürchten nach einem US-Abzug eine Offensive der Türkei auf syrischem Gebiet. Die Türkei sieht die YPG als Terrororganisation an und hat angekündigt, sie zu zerschlagen.

TÜRKEI VERLEGT TRUPPEN IN DIE NÄHE VON REBELLENPROVINZ IDLIB

Unterdessen verlegte die Türkei Armee-Einheiten in die Nähe eines anderen Krisenherdes in Syrien. Sondereinheiten und gepanzerte Fahrzeuge wurden aus der Provinz Hatay an die Grenze zur syrischen Provinz Idlib beordert, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu. Idlib ist die letzte große Rebellenhochburg in Syrien. Dort drängte in neuntägigen Kämpfen die islamistische Rebellengruppe Hajat Tahrir al-Scham (HTS) die von der Türkei unterstützte Freie Syrische Armee (FSA) zurück. Der Al-Kaida-Ableger zwang die FSA, zivile Verwaltungen unter Kontrolle der HTS anzuerkennen.

Damit wird ein von der Türkei vergangenen September mit Assad und dessen Verbündeten Russland ausgehandelter Waffenstillstand infrage gestellt. Erdogan hatte erreicht, dass die Armee Assads und Russland die geplante Eroberung Idlibs stoppten. Im Gegenzug hatte die Türkei zugesagt, dafür zu sorgen, dass die islamistischen Kämpfer die Enklave verlassen.

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