October 7, 2019 / 8:10 AM / a month ago

USA ziehen Truppen aus Nordsyrien ab - Türkischer Miltäreinsatz erwartet

- von Dominic Evans und Daren Butler

U.S. President Donald Trump shakes hands during a bilateral meeting with Turkey's President Tayyip Erdogan during the G20 leaders summit in Osaka, Japan, June 29, 2019. REUTERS/Kevin Lamarque

Istanbul (Reuters) - Die USA haben mit dem Abzug von Soldaten aus dem Nordosten Syriens begonnen und damit den Weg für einen Militäreinsatz der Türkei gegen die Kurden-Miliz YPG geebnet.

Das Präsidialamt in Washington teilte mit, die USA würden sich nicht an dem in Kürze erwarteten Einsatz beteiligen und ihn auch nicht unterstützen. Ein US-Regierungsvertreter erklärte am Montag aber zugleich, die USA würden auch nicht das von der YPG geführte Rebellenbündnis, die Syrischen Demokratischen Streitkräfte (SDF), verteidigen, mit dem sie beim Kampf gegen die Islamisten-Miliz IS in Syrien kooperiert haben. Die SDF sprachen von einem “Dolchstoß” der USA. US-Präsident Donald Trump verteidigte die Entscheidung mit Kostengründen. Die UN, die EU und Russland warnten vor den Folgen eines türkischen Militäreinsatzes.

US-Truppen räumten Beobachtungsposten im syrischen Grenzgebiet zur Türkei, wie der US-Regierungsvertreter weiter mitteilte. Sie hätten die Stellungen in Tel Abjad und Ras al Ain im Nordosten nahe der Grenze zur Türkei verlassen. Andere US-Beobachter seien dort bislang noch vor Ort.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärte, der Schritt der USA folge auf sein Telefonat mit Trump. Erdogan hatte sich in dem Gespräch verärgert über Verzögerungen bei dem Aufbau der von beiden Seiten im August vereinbarten “Sicherheitszone” in dem Bürgerkriegsland gezeigt hatte. Die Türkei will dort bis zu zwei Millionen syrische Flüchtlinge ansiedeln. Neben dem Tempo, mit dem dieser Plan umgesetzt wird, entzweit die beiden Nato-Partner auch der Umgang mit der dort ansässigen YPG-Miliz: Die Regierung in Ankara stuft den Partner der USA beim Anti-IS-Kampf als Terror-Organisation und Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK ein. Die Türkei fürchtet ein Erstarken der Kurden jenseits ihrer Südgrenze und damit auch der nach Autonomie strebenden Kurden auf ihrem eigenen Territorium.

TRUMP: LÄNDER IN EUROPA UND NAHOST MÜSSEN RAN

Trump schrieb auf Twitter: Eine weitere Unterstützung der von Kurden angeführten Rebellengruppen wäre zu teuer. “Die Kurden haben mit uns gekämpft, aber sie haben dafür extrem viel Geld und Ausrüstung bekommen.” Die Kurden kämpften jahrzehntelang gegen die Türkei. “Nun müssen die Türkei, Europa, Syrien, Iran, Irak, Russland und die Kurden die Lage in den Griff kriegen.” Es sei Zeit für einen Ausstieg der USA, “aus diesen lächerlichen, endlosen Kriegen, von denen viele Stammeskriege sind”.

Mit der überraschenden politischen Wende der USA verdichteten sich Hinweise auf einen bevorstehenden Militäreinsatz der Türkei. Erdogan hatte am Samstag erklärt, der Einsatz der Luftwaffe und von Bodentruppen im Gebiet östlich des Euphrats könne in den kommenden Tagen beginnen.

Die syrischen SDF-Rebellen unter YPG-Führung kritisierten scharf, dass die USA die Türkei gewähren ließen. Schließlich habe es Zusicherungen der USA gegeben, dass sie keinen Angriff auf die Region zulassen würden, sagte ein SDF-Sprecher. Die jüngste Erklärung der USA sei deshalb eine Überraschung. “Wir können sagen, das sie für die SDF ein Dolchstoß in den Rücken ist.” Die SDF betonten zugleich, sie würden “keinen Moment zögern”, sich gegen die türkische Offensive zu wehren.

Die Vereinten Nationen (UN) riefen alle Seiten auf, eine Gefährdung von Zivilisten im Falle eines türkischen Angriffs zu verhindern. Die UN hätten “bittere Erfahrungen” mit sogenannten Sicherheitszonen gemacht, sagte ein UN-Vertreter. Die UN-Helfer benötigten Zugang zu den Menschen im Nordosten Syriens, um sie mit Medikamenten und Lebensmitteln zu versorgen. “Wir hoffen das Beste, aber wir bereiten uns auf das Schlimmste vor.”

Die Europäische Union (EU) bekräftigte, dass ihrer Ansicht nach eine dauerhafte Stabilisierung der Lage nicht durch militärische Mittel erreicht werden könne. Zugleich erkenne die EU die Sorgen der Türkei als berechtigt an.

Russland forderte, die territoriale Integrität Syriens müsse gewährt werden. Diese Ansicht habe auch die Türkei vertreten, sagte ein Sprecher des Moskauer Präsidialamts. “Wir hoffen, dass unsere türkischen Kollegen unter allen Umständen an dieser Position festhalten.” Im syrischen Bürgerkrieg hatte sich die Regierung von Präsident Wladimir Putin an die Seite des syrischen Machthabers Baschar Al-Assad gestellt.

Die Aussicht auf eine militärische Auseinandersetzung schickte die türkische Währung auf Talfahrt. Die Lira gab am Montag gegenüber dem Dollar um ein Prozent nach.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below