September 10, 2018 / 10:09 AM / 8 days ago

Türkische Wirtschaft wächst langsamer - Weitere Abkühlung erwartet

Istanbul (Reuters) - Die türkische Wirtschaft hat ihr Wachstum im zweiten Quartal angesichts der Währungskrise gedrosselt.

Workers are seen at the construction site of a new mosque at Taksim square in central Istanbul, Turkey September 1, 2018. REUTERS/Umit Bektas

Das Bruttoinlandsprodukt legte zwischen April und Juni nur noch um 5,2 Prozent zum Vorjahreszeitraum zu, wie aus den am Montag veröffentlichten amtlichen Daten hervorgeht. Zu Jahresbeginn hatte es noch zu 7,3 Prozent gereicht.

“Die türkische Wirtschaft dürfte in den kommenden Quartalen angesichts der kräftigen Abwertung der Landeswährung Lira noch mehr Schwung verlieren”, sagte Rabobank-Ökonom Piotr Matys voraus. Von Reuters befragte Ökonomen erwarten für das Gesamtjahr 2018 deshalb nur noch ein Plus von 3,3 Prozent. Damit würde sich das Wachstum mehr als halbieren: 2017 expandierte das lange Zeit boomende Schwellenland noch um 7,4 Prozent.

Die Lira hat seit Jahresbeginn etwa 40 Prozent an Wert zum Dollar verloren. Dadurch werden Importe deutlich teurer. Die Inflationsrate kletterte dadurch im August auf 17,9 Prozent, was die Kaufkraft von Konsumenten drückt und die Kosten von Unternehmen nach oben treibt. Laut einer Umfrage der Zentralbank unter Managern und Ökonomen könnte die Teuerung am Jahresende sogar auf knapp 20 Prozent steigen. Erwartet wird deshalb, dass die Währungshüter mit Zinserhöhungen gegensteuern. Experten gehen davon aus, dass sie am Donnerstag den Leitsatz von aktuell 17,75 auf 22,0 Prozent anheben werden. Höhere Zinsen machen eine Währung attraktiver und können den Kursverfall aufhalten.

Ausgelöst wurde die Währungskrise unter anderem von der Sorge über den wachsenden Einfluss von Präsident Recep Tayyip Erdogan auf die Wirtschaft und seine Forderungen nach niedrigeren Zinsen - trotz der hohen Inflation. Dazu kommt, dass die Türkei mit dem Nato-Partner USA politisch über Kreuz liegt, was sich in gegenseitigen Sanktionen niederschlägt.

Im Frühjahr dämpfte vor allem die Landwirtschaft das Wachstum. Sie schrumpfte um 1,5 Prozent. Die Industrie meldete dagegen ein Plus von 4,3 Prozent, die Baubranche von 0,8 Prozent und die Dienstleister von acht Prozent.

Vom niedrigen Lira-Kurs dürften auch künftig die Exporteure profitieren, da deren Waren dadurch billiger werden. Zudem helfe der Tourismus der Konjunktur, erklärte die Rating-Agentur Fitch. Bereits im ersten Halbjahr waren die Besucherzahlen um fast ein Drittel gestiegen.

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