October 17, 2018 / 7:44 AM / a month ago

Westen erhöht nach Verschwinden Chaschoggis Druck auf Saudi-Arabien

A plain clothes policeman secures in front of Saudi Arabia's consulate in Istanbul, Turkey October 15, 2018. REUTERS/Osman Orsal

Ankara/Dubai (Reuters) - Die USA und die anderen westlichen Industriestaaten lassen im Fall des mutmaßlich ermordeten saudiarabischen Journalisten Dschamal Chaschoggi nicht locker.

Die G7 zeigte sich äußert besorgt und forderte von der Führung in Riad eine gründliche, transparente und rasche Untersuchung. US-Außenminister Mike Pompeo reiste nach Gesprächen mit dem saudischen König und Kronprinzen in die Türkei, wo er am Mittwoch mit Präsident Recep Tayyip Erdogan zusammenkam. Die Türkei wirft Saudi-Arabien vor, Chaschoggi im Konsulat des Landes in Istanbul getötet zu haben und dringt darauf, die Residenz des saudiarabischen Konsuls zu durchsuchen. Chaschoggi hatte Anfang Oktober die diplomatische Vertretung betreten und blieb danach spurlos verschwunden.

Saudi-Arabien hat bislang zurückgewiesen, den prominenten Kritiker des Kronprinzen getötet zu haben. Medienberichten zufolge bereitet das Königshaus aber eine Abkehr der bisherigen Linie vor, nichts über das Verschwinden Chaschoggis zu wissen. Stattdessen solle eine Erklärung veröffentlicht werden, nach dem er bei einem außer Kontrolle geratenen Verhör getötet wurde.

Aus türkischen Regierungskreisen verlautete, es gebe Audio-Aufzeichnungen, die die Ermordung Chaschoggis in dem Konsulat belegten. Er hatte dort Unterlagen für eine geplante Hochzeit abholen wollen. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte nach dem Treffen von Erdogan und Pompeo, das Gespräch sei “ergiebig und nützlich” gewesen. Details nannte er nicht.

US-Präsident Donald Trump nahm das saudische Königshaus in Schutz. Zunächst gelte die Unschuldsvermutung, sagte er in einem Interview der Nachrichtenagentur AP. Über Twitter erklärte er, Kronprinz Mohammed bin Salman habe ihm telefonisch versichert, bereits Untersuchungen zum Schicksal Chaschoggis eingeleitet zu haben und diese rasch auszuweiten. Im US-Kongress wurde allerdings auch in den Reihen der Republikaner Trumps die Kritik an Saudi-Arabien lauter. Der einflussreiche Senator und Trump-Vertraute Lindsey Graham bezeichnete den Kronprinzen als “Abrissbirne” und warf ihm vor, Chaschoggis Tötung in Auftrag gegeben zu haben. Der Journalist lebte in den USA.

VERSCHWINDEN CHASCHOGGIS SCHRECKT MÖGLICHE INVESTOREN AB

Sollten sich die Anschuldigungen als richtig erweisen, könnte dies schwerwiegende Folgen für Saudi-Arabien haben, das derzeit massiv um ausländische Investoren für den geplanten Umbau seiner Wirtschaft wirbt. Das erdölreiche Land will seine Öl-Abhängigkeit reduzieren und sich zu einem hochmodernen Industrieland entwickeln.

Am Dienstag sagte auch IWF-Chefin Christine Lagarde die Teilnahme an einer internationalen Investorenkonferenz in Saudi-Arabien ab. Lagarde habe ihre Reise in den Nahen Osten verschoben, bei der auch ein Besuch der Konferenz in Riad geplant war, teilte der Internationale Währungsfonds mit. Gründe dafür wurden nicht genannt.

Nach dem Verschwinden Chaschoggis haben immer mehr führende Vertreter der westlichen Wirtschaft ihre Teilnahme an der Konferenz abgesagt - darunter die Chefs der Großbanken HSBC, Standard Chartered und Credit Suisse. Lagarde hatte sich am Wochenende entsetzt über das Verschwinden Chaschoggis geäußert, an ihren Reiseplänen aber zunächst festgehalten.

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