May 25, 2014 / 11:14 AM / 5 years ago

Erdogan rechnet bei Auftritt in Köln mit Kritikern ab

Supporters of Turkish Prime Minister Tayyip Erdogan wave Turkish flags during his visit in Cologne May 24, 2014. REUTERS/Wolfgang Rattay (GERMANY - Tags: POLITICS CIVIL UNREST)

Köln (Reuters) - Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat bei seinem umstrittenen Auftritt in Köln mit Kritikern im In- und Ausland abgerechnet.

“Niemand darf die Türkei beschimpfen”, rief Erdogan am Samstagabend vor etwa 16.000 Anhängern in einer Sportarena. Oppositionelle Gruppen würden “Lügen und Intrigen” über die Türkei verbreiten. Gegen den Auftritt Erdogans gingen in der Domstadt etwa 45.000 Menschen auf die Straße. Beide Kundgebungen verliefen friedlich. Während die Erdogan-Gegner links des Rheins demonstrierten, zogen dessen Anhänger zur Lanxess-Arena rechts des Rheins.

Gegen seine Regierung werde “schwarze Propaganda” in Stellung gebracht, sagte Erdogan. So werde etwa behauptet, es gebe keine Pressefreiheit oder er selbst sei ein Diktator. Die in Deutschland lebenden Bürger mit türkischen Wurzeln rief er auf, sich zu integrieren, die deutsche Sprache zu lernen und sich in Gesellschaft und Wirtschaft zu engagieren. Assimilieren sollten sie sich aber nicht, bekräftigte er.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte Erdogan im Vorfeld der Veranstaltung zur Zurückhaltung aufgerufen. Politiker von CDU und CSU hatten dem türkischen Regierungschef vor dem Hintergrund der Bergwerkskatastrophe im türkischen Soma einen Verzicht auf den Auftritt nahe gelegt.

Erdogan steht wegen des Grubenunglücks in der Kritik, bei dem mehr als 300 Bergleute starben. Ihm wird vorgeworfen, die Katastrophe verharmlost zu haben und eine Mitverantwortung für laxe Sicherheitsstandards zu tragen. Auch das gewaltsame Vorgehen gegen Bürgerproteste und die vorübergehende Sperre des Internetdienstes Twitter(TWTR.N) belasten das Verhältnis europäischer Staaten und der Türkei. Entsprechend kontrovers war die Einladung Erdogans durch die Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD) nach Köln.

Erdogan sprach mit Blick auf Soma von einem “tragischen Unglück”. Er wolle sich bei allen Freunden in der Welt für ihre “Gebete und guten Wünsche” bedanken. Auch Deutschland habe Unterstützung zugesagt. Dafür wolle er Merkel danken. Ein Teil der deutschen Medien habe aber versucht, das “Unglück für sich auszuschlachten und die Türkei zu beschimpfen”.

Erdogan stellte bei seiner Rede auch Leistungen seiner Regierung immer wieder heraus. Sie habe Reformen auf den Weg und die Türkei wirtschaftlich vorangebracht. Erdogan kündigte an, seine Partei AKP werde bald entscheiden, wer Spitzenkandidat bei der Präsidentenwahl in der Türkei sein werde - Beobachter rechnen mit einer Kandidatur Erdogans. Bei der Wahl können auch erstmals die in Deutschland lebenden Türken ihre Stimme abgeben.

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