July 24, 2018 / 11:26 AM / 5 months ago

Erdogan spricht von "rassistischem Umgang" mit Özil

Turkish President Tayyip Erdogan meets with Arsenal's soccer player Mesut Ozil in London, Britain May 13, 2018. Picture taken May 13, 2018. Kayhan Ozer/Presidential Palace/Handout via REUTERS ATTENTION EDITORS - THIS PICTURE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. NO RESALES. NO ARCHIVE.?

Ankara/Berlin (Reuters) - In der Debatte um Mesut Özil ist der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan dem ehemaligen Spielmacher der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zur Seite gesprungen.

Es sei inakzeptabel, “einen jungen Mann, der alles für die deutsche Nationalmannschaft gegeben hat, wegen seines religiösen Glaubens so rassistisch zu behandeln”, sagte Erdogan am Dienstag. Ein Foto Özils mit Erdogan kurz vor der Fußball-WM und den Präsidentenwahlen in der Türkei war der Ausgangspunkt der Debatte, die am Sonntag zum Rücktritt Özils aus der Nationalelf führte. “Ich glaube, in diesem Fall gibt es nur Verlierer”, sagte Innen- und Sportminister Horst Seehofer (CSU).

Zu Fragen nach einem möglichen Rücktritt des Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Reinhard Grindel, wollte Seehofer nichts sagen. Er habe sich fest vorgenommen, dass er sich dazu nicht äußern werde. “Die Kanzlerin hat sich geäußert”, fügte Seehofer hinzu. “Und da besteht für einen Sportminister kein Raum mehr.” Eine Sprecherin der Kanzlerin hatte am Montag gesagt, Özil sei ein “toller Fußballspieler”. Die Bewertung seines Rückzuges sei Sache des DFB.

GRÜNEN-CHEF WIRFT DFB-SPITZE VERSAGEN VOR

Özil hatte seinen Rücktritt aus der Nationalelf mit einem Gefühl von Rassismus und Respektlosigkeit begründet. Özil und sein Nationalmannschaftskollege Ilkay Gündogan, die beide für englische Clubs spielen, hatten sich in London kurz vor der Präsidentenwahl in der Türkei mit Erdogan getroffen und ihm Trikots ihrer Vereinsmannschaften überreicht. Dies war als Wahlkampfhilfe für Erdogan kritisiert worden, dem Missachtung von Menschenrechten und Pressefreiheit vorgeworfen wird. Özil verteidigte das Foto als Respektbezeugung für den Präsidenten des Landes seiner Vorfahren. Er griff den DFB und Grindel direkt an. In dessen Augen sei er “ein Deutscher, wenn wir gewinnen, aber ein Immigrant, wenn wir verlieren”.

Erdogan sagte, er habe Montagnacht mit Özil gesprochen. Das Vorgehen des Spielers verdiene jede Art von Bewunderung. Die Kritiker des Fußballers könnten das gemeinsame Foto Özils mit ihm nicht verdauen. Die Türkei und Deutschland sind derzeit Konkurrenten um die Austragung der Fußball-Europameisterschaft 2024. Der Europäische Fußballverband will am 27. September entscheiden, an welches Land die EM vergeben wird.

Grünen-Chef Habeck kritisierte die DFB-Spitze. “Dass der DFB im Moment sich nicht vor Spieler mit türkischem Hintergrund stellt, sondern die Beschimpfung zulässt, das ist offensichtlich”, sagte Habeck dem Mitteldeutschen Rundfunk. “Insofern hat die DFB-Spitze versagt.” Wenn sich Grindel nicht entschuldige, “dann muss er den Stuhl freimachen”.

Bundesaußenminister Heiko Maas forderte “unabhängig vom Fall Özil”, jeder Form von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit entschlossen entgegenzutreten. “Da haben wir leider noch viel zu tun”, sagte der SPD-Politiker der Funke-Mediengruppe.

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