March 14, 2018 / 1:15 PM / 9 months ago

Erdogan kündigt Fall Afrins und Offensive gegen Kurden im Irak an

Ankara/Beirut (Reuters) - Die Türkei steht nach Worten von Präsident Recep Tayyip Erdogan unmittelbar vor der Eroberung der nordsyrischen Stadt Afrin und will ihren Kampf gegen Kurden nun auf den Irak ausweiten.

Turkish President Tayyip Erdogan addresses members of parliament from his ruling AK Party (AKP) during a meeting at the Turkish parliament in Ankara, Turkey, March 6, 2018. REUTERS/Umit Bektas

“Wir werden den Terroristen dort in Kürze sehr kräftig auf die Füße treten”, kündigte Präsident Recep Tayyip Erdogan am Mittwoch in Ankara mit Blick auf die Kurden-Gebiete im Norden Iraks an. Schon jetzt werde bei jeder sich bietenden Gelegenheit gegen “Terrornester” dort vorgegangen. Die komplette Einnahme Afrins stehe unmittelbar bevor. “Ich hoffe, Afrin wird bis heute Abend vollständig fallen”, sagte Erdogan zwei Monate nach Beginn der Militäroffensive zur Errichtung einer Pufferzone gegen die Kurden in dem Nachbarland. Später relativierten Mitarbeiter diese Aussage.

Das Vorgehen gegen Kurden im Irak kommt nicht überraschend. Außenminister Mevlüt Cavusoglu hatte bereits in der vergangenen Woche in Aussicht gestellt, die Türkei und die irakische Zentralregierung in Bagdad könnten eine gemeinsame Militäroperation gegen militante Kurden nach den irakischen Wahlen im Mai starten.

Erdogan befürchtet das Entstehen eines geschlossenen Kurden-Gebietes in den beiden Nachbarstaaten entlang seiner südöstlichen Grenze. Dies könnte nach Befürchtungen der islamisch-konservativen Regierung kurdischen Unabhängigkeitsbestrebungen auch in der Türkei Auftrieb geben. Auch auf türkischer Seite wird der Südosten des Landes von der kurdischen Bevölkerungsgruppe dominiert.

VERWIRRUNG ÜBER MILITÄRISCHE LAGE IN AFRIN

In der von türkischen Truppen weitgehend eingeschlossenen nordsyrischen Stadt Afrin verschlechtert sich die Versorgungslage für die Zivilbevölkerung täglich. Nach Angaben der Vereinten Nationen unterbricht die Türkei bereits seit einer Woche die Wasserversorgung für die Stadt. Tausende Menschen seien in die Flucht getrieben worden. Am Mittwoch hatte die türkische Armee erklärt, die Provinzhauptstadt umzingelt zu haben. Verwirrung herrschte zunächst aber über Erdogans Ankündigung, die Stadt bis zum Abend zu erobern. In seinem Umfeld wurde dies relativiert. Erdogan habe die vollständige Umzingelung der Stadt gemeint, nicht deren Eroberung, hieß es.

Auch Kämpfer der kurdischen YPG-Miliz bestätigten die desolate Lage für die Zivilbevölkerung in der Stadt und den Verlust eines Staudamms an die türkischen Truppen. Seitdem gebe es kein Wasser, sagte ein Sprecher. Die Türkei erachtet die YPG als Terrororganisation und verlängerten Arm der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK, gegen die sie ebenfalls mit Härte vorgeht. Die PKK unterhält auch in den Bergregionen im Nord-Irak eigene Militär-Stützpunkte in der Nähe der türkischen Grenze.

Auch am zweiten Brennpunkt des Krieges in Syrien - der Region Ost-Ghuta nahe Damaskus - hielten die Kämpfe am Mittwoch an. Bei Bombardierungen durch russische Kampfflugzeuge seien zwölf Mitglieder der mit Katar verbündeten Rebellengruppe Failak al-Rahman getötet worden, berichtete die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Unter ihnen seien drei Feldkommandeure der Gruppe.

Die von Russland unterstützten Truppen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad stehen offenbar kurz vor der Eroberung der letzten größeren Rebellenhochburg nahe der Hauptstadt Damaskus. Seit Dienstag werden Verletzte aus dem Gebiet gebracht. Der syrische Rote Halbmond kündigte an, ein weiterer Hilfskonvoi mit Lebensmitteln und Medizin solle am Donnerstag in die besonders stark betroffene Stadt Duma geschickt werden. Bei der Offensive der syrischen Regierungstruppen auf Ost-Ghuta wurden nach UN-Angaben in fast einem Monat mehr als 1100 Zivilisten getötet.

Assad kündigte an, den militärischen Konflikt so lange weiterzuführen, “solange noch ein Terrorist übrig ist”. Er beschuldigte den Westen, das Land spalten und die Einheit und Souveränität Syriens zerstören zu wollen.

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