October 9, 2018 / 10:45 AM / 2 months ago

Fall Chaschoggi - Saudi-Arabien lädt Türkei ins Konsulat ein

Security cameras are pictured at the entrance of the Saudi Arabia's consulate in Istanbul, Turkey October 8, 2018. Picture taken October 8, 2018. REUTERS/Murad Sezer

Ankara/Washington (Reuters) - Saudi-Arabien hat einem Medienbericht zufolge türkische Beamte in das Konsulat des Königreichs in Istanbul eingeladen, wo vor einer Woche der prominente Journalist Dschamal Chaschoggi verschwunden war.

Vertreter Saudi-Arabiens hätten den Besuch angeboten, meldete die Nachrichtenagentur Anatolien am Dienstag. Zuvor hatte die Türkei erklärt, man werde das Konsulat als Teil der Ermittlungen im Fall Chaschoggi durchsuchen. Gemäß dem Wiener Abkommen seien diplomatische Vertretungen zwar tabu. Eine Durchsuchung sei aber möglich, wenn der Leiter der diplomatischen Mission zustimme. US-Außenminister Mike Pompeo forderte Saudi-Arabien auf, den Fall umfassend aufzuklären. Die Regierung in Riad müsse die Ergebnisse transparent machen, sagte er. Auch US-Präsident Donald Trump, der ein enges Verhältnis zur saudiarabischen Führung pflegt, zeigte sich besorgt. “Ich höre das nicht gern. Hoffentlich klärt es sich”, sagte er.

Auch die EU und Großbritannien stellten sich hinter die Forderung der USA. “Wir stehen komplett an der Seite der USA in dieser Angelegenheit”, sagte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini in Lissabon. “Wir erwarten eine ausführliche Untersuchung und volle Transparenz der saudiarabischen Behörden darüber, was geschehen ist.” Der britische Außenminister Jeremy Hunt erklärte über den Kurznachrichtendienst Twitter: “Habe gerade den saudiarabischen Botschafter getroffen, um dringend Antworten zu Dschamal Chaschoggi zu verlangen.” Weltweit nehme die Gewalt gegen Journalisten zu, was eine große Bedrohung der Pressefreiheit darstelle. “Sollten sich die Medienberichte bestätigen, werden wir den Vorfall als schwerwiegend behandeln - Freundschaften sind von gemeinsamen Werten abhängig.” Chaschoggi wird vermisst, seit er das Konsulat vor einer Woche betreten hatte.

Das Menschenrechtsbüro der Vereinten Nationen äußerte sich tief besorgt über das offenbar erzwungene Verschwinden des Journalisten. “Wenn sich die Berichte über seinen Tod und die außerordentlichen Umstände, die dazu führten, bestätigen, ist dies wahrhaft schockierend”, sagte die UN-Menschenrechtssprecherin Ravina Shamdasani in Genf. Sie forderte die Türkei und Saudi-Arabien zur Zusammenarbeit bei den Ermittlungen in dem Fall auf.

Chaschoggi hatte die Politik seiner Heimat kritisiert und fürchtete nach eigenen Angaben Vergeltung. Das vergangene Jahr verbrachte er im US-Exil. Am Dienstag vergangener Woche betrat er das Konsulat in Istanbul, um Dokumente für seine Hochzeit abzuholen. Nach türkischer Darstellung verließ er es nicht wieder, was Vertreter der Regierung in Riad bestreiten. Die türkische Polizei geht nach Angaben aus Ermittlerkreisen inzwischen davon aus, dass Chaschoggi im Konsulat ermordet wurde. Saudi-Arabien weist diesen Vorwurf als haltlos zurück.

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