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Weltnachrichten

Äthiopien meldet Sieg in abtrünniger Region - Tausende auf der Flucht

FILE PHOTO: Ethiopia's Prime Minister Abiy Ahmed waits for the arrival of European Commission President Ursula von der Leyen before their meeting in Addis Ababa, Ethiopia December 7, 2019. REUTERS/Tiksa Negeri/File Photo

Addis Abeba/Kairo (Reuters) - Die äthiopische Regierung unter Friedensnobelpreisträger Abiy Ahmed hat einen Sieg bei den Kämpfen im abtrünnigen Bundesstaat Tigray verkündet.

“Die westliche Region von Tigray wurde befreit”, schrieb Abiy am Donnerstag auf Twitter. Eine Stellungnahme der in Tigray regierenden Volksbefreiungsfront (TPLF) lag nicht vor. Sie rief den Notstand aus gegen eine “Invasion von Fremden”. Das UN-Flüchtlingshilfswerk sprach von allein 11.000 Menschen, die wegen der etwa einwöchigen Kämpfe in den benachbarten Sudan geflohen seien. Etwa die Hälfte davon seien Kinder, sagte UNHCR-Vertreter Axel Bisschop. Schon vor dem Konflikt waren 600.000 Menschen in Tigray auf Lebensmittelhilfen angewiesen.

Abiy zufolge leistete die Armee nach ihrem Sieg humanitäre Hilfe. Den Tigray-Kämpfern warf er Gräueltaten vor: In der Stadt Sheraro seien gefesselte Regierungssoldaten erschossen aufgefunden worden. Er warf den Tigray-Kämpfern zudem vor, Zivilisten als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Die TPLF beschuldigt ihrerseits die Armee, bei der Bombardierung von Tigray “gnadenlos” vorzugehen. Eine unabhängige Überprüfung der jeweiligen Vorwürfe war nicht möglich. Die UNHCR-Vertreterin Ann Encontre sagte der Nachrichtenagentur Reuters, mit beiden Seiten werde über eine Öffnung von Versorgungskorridoren gesprochen. Es drohe wegen der Flüchtlingssituation eine größere Krise.

Tigray liegt im Norden Äthiopiens und ist etwa so groß wie Österreich. Dort leben mehr als fünf der 109 Millionen Äthiopier. Die Zentralregierung in Addis Abeba liefert sich seit Jahren einen Konflikt mit der TPLF. Dabei geht es um ethnische Spannungen zwischen den Tigrayern, die das Land über Jahrzehnte kontrolliert hatten, und Abiy aus der Bevölkerungsmehrheit der Oromo. Der heute 44-Jährige ist seit 2018 Ministerpräsident. Die TPLF trat damals seiner Einheitsregierung nicht bei. Abiy wurde für seine Bemühungen um eine Aussöhnung mit Eritrea 2019 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Er hat Äthiopien wirtschaftlich und politisch geöffnet, die ethnischen Unruhen aber nicht in den Griff bekommen.

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