April 13, 2014 / 1:48 PM / 6 years ago

Weltklimarat -Energiewende duldet keinen Aufschub mehr

Berlin (Reuters) - Der Weltklimarat hat die Staaten eindringlich zu raschen und mutigeren Maßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel aufgerufen.

IPCC Working Group III Co-Chairs Youba Sokona, Ramon Pichs-Madruga, Ottmar Edenhofer and Chairman Rajendra Pachauri (L-R) attend a news conference to present Working Group III's summary for policymakers at The Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) in Berlin April 13, 2014. REUTERS/Steffi Loos (GERMANY - Tags: POLITICS ENVIRONMENT) - RTR3L1Q0

Ohne eine radikale Energiewende würden die Handlungsmöglichkeiten gegen die Erderwärmung immer begrenzter und die Kosten für den Klimaschutz immer größer, mahnen die UN-Experten in ihrem am Sonntag in Berlin vorgelegten Bericht. Zudem würde die Welt dann abhängig von bislang wenig erprobten Technologien, um die CO2-Emissionen aus der Atmosphäre zu entfernen. Die Bundesregierung kündigte an, sie wolle beim Klimaschutz Vorreiter sein.

Internationales Ziel ist es, den Anstieg der Erderwärmung auf maximal zwei Grad über der vorindustriellen Zeit zu halten. Die Folgen eines solchen Anstiegs gelten als gerade noch beherrschbar. Dazu müssen die Emissionen bis zur Mitte des Jahrhunderts dem Bericht zufolge um 40 bis 70 Prozent sinken und bis zum Jahr 2100 bei nahezu Null liegen. An dem Bericht waren mehr als 1000 Experten aus rund 120 Staaten beteiligt.

WELT KÖNNTE ABHÄNGIG VON RISKANTEN TECHNOLOGIEN WERDEN

Eine weltweite Verlagerung von fossilen Brennstoffen auf eine weitgehend kohlenstofffreie Energiegewinnung etwa durch Wind- und Solarkraft stuft der Weltklimarat als bezahlbar ein. Das weltweite Wirtschaftswachstum würde dadurch in diesem Jahrhundert lediglich um rund 0,06 Prozentpunkte pro Jahr verringert, rechneten die Experten vor.

Es bleibe ein Zeitfenster von maximal zwei Jahrzehnten, um zu moderaten Kosten reagieren zu können, mahnte der Co-Vorsitzende der zuständigen Arbeitsgruppe III des Klimarates, Ottmar Edenhofer. Aber natürlich sei Klimapolitik nicht umsonst zu haben. Je weniger die Emissionen bis 2030 reduziert würden, desto schneller müssen die Emissionen dem Bericht zufolge 2030 und 2050 sinken. Neue, wenig erprobte Technologien müssten dann zum Einsatz kommen, um Kohlendioxid aus der Luft zu saugen. Diese seien jedoch noch nicht einsatzbereit und mit neuen Risiken behaftet.

VORLAGE FÜR WELTKLIMAGIPFEL

Der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) - kurz Weltklimarat genannt - legt alle fünf bis sieben Jahre einen Sachstandsbericht vor, in dem der wissenschaftliche Erkenntnisstand der Klimaforschung zusammengefasst wird. Der in Berlin vorgestellte Bericht ist der letzte von drei Teilberichten und gibt ökonomische, technologische und politische Handlungsempfehlungen. Er dient der Vorbereitung der nächsten Weltklimagipfel in Peru und Ende 2015 in Paris.

Im Jahr 2010 erreichten die Treibhausgas-Emissionen mit 49 Milliarden Tonnen einen weltweiten Höchststand. Ohne Eingreifen wird sich der Ausstoß allein im Energiesektor bis 2050 verdoppeln oder sogar verdreifachen. Die Vorschläge umfassen darüber hinaus den Industrie- und Verkehrssektor, die Land- und Forstwirtschaft sowie den Gebäudesektor.

Zu den kohlenstoffarmen Technologien zählt der IPCC Wind- und Solarkraft ebenso wie fossile Brennstoffe, die mit einer speziellen Technik verbrannt werden und das dabei anfallende CO2 abgespalten und unterirdisch gelagert wird. Auch die Atomenergie zählt dazu, der Bericht weist aber ausdrücklich auf deren Risiken hin.

Der vor wenigen Wochen in Yokohama vorgelegte zweite Teil warnte in deutlichen Worten, dass bei einem unveränderten Anstieg der Emissionen durch die Erderwärmung hohe Risiken für Mensch und Ökosysteme entstehen. In vielen Regionen würden Ernten zerstört, Überschwemmungen und Hitzewellen auftreten. Auch Armut und Wirtschaftskrisen nähmen zu, die Grund für gewaltsame Konflikte sein könnten.

Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) und Forschungsministerin Johanna Wanka (CDU) bezeichneten den grundlegenden Umbau der Energieversorgung als Schlüssel für mehr Klimaschutz. Notwendig sei eine globale Energiewende mit erneuerbaren Energien. Auch müsse die Energieeffizienz verbessert werden. Deutschland könne beim Klimaschutz eine wichtige Rolle spielen, “wenn wir der Welt am praktischen Beispiel zeigen, dass Klimaschutz in einem Industrieland funktioniert”, sagte Hendricks.

Umweltschutzorganisationen werteten als positiv, dass die Erderwärmung bis Ende des Jahrhunderts bei maximal zwei Prozent gehalten werden könne. Daher sei jetzt ein weltweites Umsteuern notwendig. Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid sagte, eine globale Energiewende sei keine Belastung, sondern eine Chance. “Mit minimalen Kosten lassen sich die dramatischsten und teuren Folgen des Klimawandels verhindern”, sagte er.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below