for-phone-onlyfor-tablet-portrait-upfor-tablet-landscape-upfor-desktop-upfor-wide-desktop-up
Weltnachrichten

Mussawi ruft zu weiteren Protesten im Iran auf

EDITORS' NOTE: Reuters and other foreign media are subject to Iranian restrictions on leaving the office to report, film or take pictures in Tehran Supporters of defeated Iranian presidential candidate Mirhossein Mousavi gesture during a protest in Tehran on June 18, 2009 in this picture uploaded on June 21, 2009. Mousavi said the Islamic Republic must be purged of what he called lies and dishonesty, sending out a direct challenge to conservative rulers after a week of unrest in Iran. QUALITY FROM SOURCE REUTERS via Your View

Teheran (Reuters) - Der iranische Reformpolitiker Mirhossein Mussawi hat trotz des gewaltsamen Vorgehens der Sicherheitskräfte zu weiteren Protesten gegen das Ergebnis der Präsidentenwahl aufgerufen.

“Gegen Lügen und Betrug zu demonstrieren ist euer Recht”, wandte sich Mussawi am späten Sonntagabend auf seiner Internetseite an die Demonstranten. Er mahnte aber zur Zurückhaltung, um weitere Zusammenstöße zu vermeiden. Am Wochenende waren laut Staatsfernsehen mindestens zehn Menschen getötet worden. Mussawi-Anhänger riefen die Demonstranten auf, als Zeichen ihrer Solidarität mit den Opfern schwarze Kerzen und grüne Bänder zu tragen. Um 14.30 Uhr (MESZ) sollten Autofahrer für zwei Stunden ihre Scheinwerfer anschalten.

Der Wächterrat räumte ein, in rund 50 Städten sei die Zahl der abgegebenen Stimmen höher gewesen als die der Wahlberechtigten. Das könne unter anderem daran liegen, dass die Iraner wählen könnten, wo sie wollten, erklärte der Sprecher Abbassali Kadchodai am Sonntagabend im staatlichen Sender Irib. Da die Gesamtzahl der Stimmen in den betroffenen Wahlkreisen drei Millionen nicht überschreite, könne das keinen Einfluss auf das Wahlergebnis haben. Berichte westlicher Medien, der Wächterrat habe Unregelmäßigkeiten eingeräumt, seien aber falsch.

Der Iran warf dem Westen am Montag auch vor, “Randalierer” zu unterstützen. “Die Unterstützung von Anarchie und Vandalismus durch westliche Mächte und Medien ist in keiner Weise hinnehmbar”, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Hassan Kaschkawi. Er schloss eine Ausweisung von Botschaftern einiger europäischer Länder nicht aus. Westliche Länder hatten Vorwürfe der Einmischung zurückgewiesen und den Iran aufgefordert, friedliche Proteste zuzulassen und ein faires Wahlergebnis sicherzustellen. Kanzlerin Angela Merkel hatte zudem eine Neuauszählung der Stimmen gefordert.

Aus Protest gegen das Ergebnis der Wahl, in der Präsident Mahmud Ahmadinedschad bestätigt wurde, schallte Einwohnern zufolge auch am Sonntagabend der Ruf “Allahu Akbar” (Gott ist der Größte) von den Dächern Teherans. Mit diesem Ruf hatten vor 30 Jahren die Menschen gegen den Schah protestiert. Im Norden Teherans waren Schüsse zu hören, Hubschrauber kreisten über der Hauptstadt. Der staatliche Hörfunk berichtete am Morgen dagegen, erstmals seit der Wahl am 12. Juni sei es in der Nacht ruhig geblieben.

MUSSAWI: MASSENVERHAFTUNGEN SPALTEN DAS LAND

Mussawi, der früher Ministerpräsident war, sprach von Massenfestnahmen seiner Anhänger. Durch sie und durch die Todesfälle unter den Demonstranten entstehe ein Riss zwischen der Gesellschaft und den Sicherheitskräften des Landes. Mit seinem Aufruf zu weiteren Protesten forderte er die erzkonservative Führung des Landes direkt heraus. Diese hatte ein Ende der tagelangen Proteste verlangt und gedroht, sie notfalls gewaltsam zu stoppen. Mussawi macht für den deutlichen Wahlsieg Ahmadinedschads eine Manipulation der Abstimmung verantwortlich. Das geistliche Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei hat das zurückgewiesen und sich hinter den Präsidenten gestellt.

Teherans Polizeichef kündigte an, mit aller Härte gegen Demonstranten vorzugehen. “Die Polizei wird in verschiedenen Teilen der Stadt ständig präsent sein und wird allen Versammlungen und Unruhen mit ihrer ganzen Kraft begegnen”, sagte Asisullah Radschabsadeh der amtlichen Nachrichtenagentur Irna. Die Behörden haben die Demonstranten als Terroristen und Krawallmacher bezeichnet.

for-phone-onlyfor-tablet-portrait-upfor-tablet-landscape-upfor-desktop-upfor-wide-desktop-up