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Unternehmensnachrichten

Hypo Real Estate braucht noch mehr Staatshilfe

The logo of German lender Hypo Real Estate Bank is pictured at a company office in Berlin, July 27, 2009. REUTERS/Tobias Schwarz (GERMANY)

München (Reuters) - Nach einem erneuten Milliardenverlust wird die Krisenbank Hypo Real Estate (HRE) noch lange am Tropf des Staates hängen.

“Der Konzern braucht für den Fortbestand weitere Kapitalunterstützung in erheblichem Umfang”, erklärte Vorstandschef Axel Wieandt am Freitag. Er rechne mit “hohen zukünftigen Ergebnisbelastungen, die zu einer anhaltenden Verlustsituation führen werden”. Damit rückt der für frühestens 2011 angepeilte Sprung in die schwarzen Zahlen in die Ferne. “Wir gehen aktuell nicht davon aus, dass wir vor 2012 wieder in die Gewinnzone zurückkehren können”, räumte der von der Deutschen Bank gekommene Manager ein.

Der auf dem Aktionärstreffen nächste Woche ausscheidende Aufsichtsratschef Michael Endres hatte vor kurzem gesagt, dass die HRE schlimmstenfalls mehr als zehn Milliarden Euro frisches Kapital benötigen könnte. Drei Milliarden waren bereits bei der Verstaatlichung vor zwei Monaten geflossen. Dem Bund gehören derzeit 90 Prozent der HRE-Aktien.

TALFAHRT DER IMMOBILIENMÄRKTE SETZT DER HRE ZU

Nachdem sich die Situation beim Problemkind Depfa mit Hilfe von Milliarden-Garantien stabilisiert hat, bereitet der HRE nun die Talfahrt einiger Immobilienmärkte Probleme. Allein die Risikovorsorge für Immobilienkredite musste im zweiten Quartal um 881 Millionen Euro aufgestockt werden, nachdem es im Vorquartal 196 Millionen Euro waren. Unter dem Strich fiel in der ersten Jahreshälfte ein Verlust von 1,13 Milliarden Euro an, davon 750 Millionen Euro allein im Zeitraum von April bis Ende Juni. Der Wirtschaftsabschwung ziehe vor allem die Immobilienmärkte in Nordamerika, Südeuropa, Großbritannien und teilweise auch in Deutschland mit sich. “Wir verfolgen die Entwicklung mit großer Sorge und sehen, dass die Anzahl der problembehafteten Kredite in unserem Portfolio weiter steigt”, betonte Wieandt. Nun solle sich ein eigens gebildetes Notfall-Team um diese Darlehen kümmern. Die Kernkapitalquote - ein wichtiger Maßstab für die finanzielle Stärke einer Bank - lag Ende Juni dank der staatlichen Eigenkapitalhilfe bei 6,9 Prozent. Ende 2008 waren es noch 3,4 Prozent.

Fehlspekulationen der irischen Tochter Depfa hatten die Immobilienbank im Herbst an den Rand des Ruins gebracht. Bund und Banken mussten mit zeitweise über 100 Milliarden Euro für das Geldhaus geradestehen. Mittlerweile hat die HRE einen kleinen Teil der Summe zurückgezahlt, so dass sich die Garantien noch auf 98,9 Milliarden summieren.

Der Teil des alten Geschäfts, den die HRE beibehalten will, wurde zusammengelegt und in “Deutsche Pfandbriefbank” umgetauft. Für nicht mehr zum Kerngeschäft zählende Sparten oder Kredite im Gesamtwert von 210 Milliarden Euro sucht die Bank noch nach einer Lösung. Sie könnten zum Bespiel in eine Bad Bank zu verschoben werden.

Der Bank droht derzeit von anderer Seite Ungemach. Anleger wollen ihre Kursverluste erstattet bekommen und haben beim Landgericht München bislang 50 Klagen eingereicht. In einem der ersten Verfahren im Juni bekam ein Kleinanleger rund 4000 Euro zugesprochen. Die Erfolgschancen der bislang größten Schadenersatzklage über 320 Millionen Euro von Anlagefonds sind jedoch ungewiss. Der Richter sagte zum Prozessauftakt am Vortag, dass die Klage noch nicht entscheidungsreif sei.

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