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Unternehmensnachrichten

VW zapft Börse an - Deutschlands größte Kapitalerhöhung

Volkswagen-Logo auf einer Fabrik in Hannover am 15. September 2004. REUTERS/Christian Charisius

Hamburg (Reuters) - Mit der bisher größten Kapitalerhöhung in der Bundesrepublik verschafft sich Volkswagen Spielraum für den Aufstieg zum weltgrößten Autobauer.

Der Vorstand beschloss am Dienstag die Ausgabe von bis zu 65 Millionen neuen Vorzugsaktien. Zum aktuellen Kurs würde Europas größter Autokonzern damit bei seinen Aktionären rund 4,4 Milliarden Euro einsammeln. Mit der Platzierung der neuen stimmrechtslosen Papiere bei Investoren wurde bereits begonnen. Nach dem Bookbuilding-Verfahren bis Freitag richtet sich dann der Preis, zu dem die bisherigen Aktionäre vom 31. März bis zum 13. April ihre Bezugsrechte ausüben können.

Nach Thomson-Reuters-Daten ist dies die bisher größte Kapitalerhöhung in Deutschland. Mit der verbesserten Kapitalausstattung will VW sein Kreditrating auch nach der milliardenschweren Integration von Porsche halten. Der Kurs der Vorzüge brach um mehr als sieben Prozent auf 67,60 Euro ein, weil die Anleger eine Verwässerung fürchten. “Es ist überraschend, dass VW die Kapitalerhöhung nicht mit einer Wandelanleihe kombiniert”, sagte Analyst Marc-René Tonn vom Bankhaus M.M. Warburg. Das Volumen des Kapitalschritts falle dadurch höher aus als erwartet, entsprechend stehe der Aktienkurs unter Druck. Auch Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler sagte: “Wir hatten mit einer Mischung aus Kapitalerhöhung und Wandelanleihe gerechnet.”

VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch hatte jüngst eine solche Mischung ins Spiel gebracht. Volkswagen will sich von der Hauptversammlung im April zur Ausgabe einer Wandelanleihe auf Vorzugsaktien ermächtigen lassen. Analysten vermuteten, dass VW den jüngsten Kursanstieg nutzen wollte und sich deshalb entschloss, bereits jetzt das Kapital zu erhöhen.

Die VW-Großaktionäre Porsche, Niedersachsen und das Emirat Katar, die zusammen rund 90 Prozent der stimmberechtigten Stammaktien halten, verzichten auf ihre Bezugsrechte und erleichtern damit die Platzierung der Aktien bei anderen Investoren. Katar behält sich allerdings vor, um die neuen Vorzugsaktien mitzubieten. Der Golfstaat bekräftigte seine Rolle als langfristiger Aktionär von VW. Er hält 17 Prozent der Stammaktien und rund ein Viertel der Vorzüge. Erst im November hatte sich Katar von einem größeren Paket Vorzugsaktien getrennt.

Das Land Niedersachsen begrüßte das Vorgehen als “optimale Platzierungsstrategie” und wichtigen Meilenstein zur Schaffung eines integrierten Automobilkonzerns. Mit der Platzierung beauftragt wurden JPMorgan, Merrill Lynch, Citi, Deutsche Bank und HSBC Trinkaus.

Das Verfahren für die Kapitalerhöhung gleicht demjenigen, das sich bereits bei Continental und HeidelbergCement bewährt hat. Die Kleinaktionäre können ihre Bezugsrechte erst nach der Platzierung bei Großinvestoren wahrnehmen, der Preis dafür richtet sich nach dem Ergebnis des Bieterverfahrens. Er soll am 26. März festgelegt werden. Damit hat das Unternehmen den Erlös binnen Tagen sicher. Nehmen die Kleinaktionäre ihre Bezugsrechte zwischen dem 31. März und dem 13. April wahr, müssen die institutionellen Käufer einen Teil ihrer Papiere wieder zurückgeben.

Porsche soll bis 2011 in den Wolfsburger Konzern eingegliedert werden. Den 3,9 Milliarden Euro teuren ersten Schritt hat VW mit der Übernahme von knapp der Hälfte des Sportwagengeschäfts bereits vollzogen. Weitere 1,7 Milliarden Euro ließ sich der Konzern die Beteiligung mit einem Fünftel an dem japanischen Kleinwagenspezialisten Suzuki kosten. Trotzdem verfügte der Automobilbereich Ende 2009 über vergleichsweise üppige Barmittel von 10,6 Milliarden Euro.

- von Jan Christoph Schwartz und Alexander Hübner -

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